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Ein historischer Moment

Queen Elizabeth II. besucht Irland

Von Jochen Spengler

Graffiti "No Queen" im Zentrum von Dublin
Graffiti "No Queen" im Zentrum von Dublin (picture alliance / dpa)

Hundert Jahre ist es her, dass ein britischer Monarch die grüne Insel besuchte. Damals war diese noch eine Kolonie. Seither ist viel passiert, und umso mehr wird der Besuch von Queen Elizabeth II. in der heutigen Republik Irland mit Spannung, aber auch mit Skepsis erwartet.

Mary McAleese wurde vor 59 Jahren in Belfast geboren und wuchs dort auf - als älteste von neun Geschwistern. Protestantische Loyalisten vertrieben die katholische Familie aus ihrer Wohnung während der blutigen, spannungsgeladenen Jahre in Nordirland.

Heute ist Mary McAlees seit nunmehr 14 Jahren Präsidentin der Republik Irland. Trotz ihrer Biografie schätzt sie Queen Elizabeth II. sehr, und hat sie vor Jahren schon zum Staatsbesuch nach Irland eingeladen. Jetzt erst erfüllt sich ihr Wunsch.

"Es ist ein außerordentlicher Moment in der irischen Geschichte. Ein phänomenales Zeichen und Signal des Erfolgs des Friedensprozesses und – der absolut richtige Moment für uns auf irischem Boden ihre Majestät die Queen willkommen zu heißen, das Staatsoberhaupt unseres nächsten Nachbarn, das Volk mit dem wir eine neue Zukunft schmieden, ganz ganz anders als die Vergangenheit und ich hoffe, dass dieser Besuch signalisiert, dass beide Seiten entschlossen sind, die Zukunft zu einem sehr viel besseren Ort zu machen."

Das Verhältnis zwischen beiden Staaten ist schwierig. Denn es war in Vergangenheit eines zwischen Herren und Knechten. Jahrhundertelang unterdrückten englische Monarchen und Adlige die Iren, beuteten Sie aus, taten aber nichts, als Mitte des 19. Jahrhunderts eine Million Menschen verhungerte. 1921 befreiten sich die Iren vom britischen Joch – wenn auch nicht vollständig.

Sechs Graftschaften in Ulster, der Provinz im Norden der Insel hielten die Briten weiter besetzt. Nach Jahrzehnten blutiger Kämpfe zwischen Militanten der protestantischen Mehrheit und der katholischen IRA, die für die irische Einheit kämpfte, kam es schließlich 1998 mit dem Karfreitagsabkommen zum Friedensschluss in Nordirland. Jetzt hofft Regierungschef Enda Kenny:

"Die Königin von England wird von der riesigen Mehrheit des irischen Volkes sehr herzlich willkommen geheißen. Ich glaube der Besuch ist wirklich der Beginn einer neuen Ära zwischen beiden Staaten und gründet sich auf Respekt, auf Freundschaft und gegenseitiger Anerkennung zweier Länder, die normalisierte Beziehungen pflegen."

Doch dass es der erste Besuch eines britischen Monarchen seit 100 Jahren ist, zeigt, dass so normal alles noch nicht ist. Schon gar nicht die Sicherheitsvorkehrungen. Ein Bad in der Menge wird die Queen nicht nehmen können – zu groß ist die Anschlagsgefahr.

Mit Bedacht und um Wunden zu heilen, seien die Stationen des Besuchs gewählt worden, sagt der Premier, darunter Gedenkstätten des irischen Befreiungskampfes wie der Garden of Rememberance oder das Croke Park Stadion, wo es 1920 zu einem Massaker durch britische Soldaten kam.

Ein Besuchsprogramm, das terroristische Splittergruppen als Provokation empfinden. Seit Monaten häufen sich deren Aktivitäten und erst kürzlich sollen sie versucht haben, Raketen zu kaufen. Gestern gab es eine Bombendrohung für Londons City.

In Irland wurden mehr als ein Dutzend Personen im Vorfeld verhaftet und in Dublins Innenstadt sind Überwachungs-Kameras montiert, Absperrgitter errichtet, Straßen gesperrt und Kanaldeckel gelb markiert worden, was bedeutet – auf Sprengkörper untersucht und versiegelt. Es ist die größte Sicherheitsoperation in der Geschichte Irlands, eine Anglo-Irische Aktion, worauf Britanniens Botschafter Julian King hinweist:

"Alle Sicherheitsfragen sind von Beginn an gemeinsame Sorge gewesen. Wir haben sehr eng mit den irischen Behörden zusammengearbeitet und sind zuversichtlich, dass unsere Maßnahmen greifen."

Erst nach schwierigen Verhandlungen hat Irland britischen Personenschützern und Geheimdienstlern erlaubt, auf irischem Boden Waffen tragen zu dürfen – auch Britanniens Regierungschef David Cameron muss geschützt werden, der ebenfalls erstmals offiziell Dublin besucht.

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