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Ein Mann zwischen den Welten und Zeiten

Die Kammermusik von Camille Saint-Saëns

Eine Sendung von Norbert Hornig

Camille Saint-Saëns am Klavier in Paris in einer Aufnahme von 1910
Camille Saint-Saëns am Klavier in Paris in einer Aufnahme von 1910 (picture alliance / Selva/Leemage)

Oft sind es nur wenige Werke, die einen Komponisten unsterblich gemacht haben. Im Falle von Saint-Saëns war dies zweifellos der berühmte "Karneval der Tiere". Dabei schrieb er auch zahlreiche Sinfonien, Messen und Opern. Seine heimliche Vorliebe aber galt der Kammermusik.

Vorgestellte Musikwerke:

Klavierquartett B-Dur op. 41, Barcarolle F-Dur op. 108,
Klavierquintett a-Moll op. 14

Fine Arts Quartet
Christina Ortiz (Klavier)
LC 05537 Naxos 8.572904 EAN 747313290475

Werke für Violine und Klavier (Vol. 1)
Fanny Clamagirand, Violine
Vanya Cohen, Klavier
LC 05537 Naxos 8.572750 EAN 747313275076


Am Mikrophon begrüßt Sie Norbert Hornig – Wer kennt ihn nicht, den berühmten "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saëns Wohl kaum eine Musik ist besser geeignet um Kinder an die Welt der klassischen Musik heranzuführen. Oft sind es nur wenige Werke, die einen Komponisten unsterblich gemacht haben. Auch auf Saint-Saëns trifft dies zu. Dabei war er überaus produktiv und schrieb u.a. drei Sinfonien, fünf Klavierkonzerte, Messen, Oratorien, zahlreiche Lieder und nicht weniger als 13 Opern. Eher selten wird außerhalb Frankreichs auch seine Kammermusik gespielt. Dabei hat er in diesem Genre fast alle Gattungen, vom Streichquartett bis hin zu kleineren Formen bedacht. Nach eigenem Bekunden schätzte Saint-Saëns Kammermusik mehr als alles andere. Wer davon etwas hören möchte, sollte einmal im Katalog des Labels Naxos blättern, hier findet man u.a. Aufnahmen der Klaviertrios, der Cellosonaten und der Streichquartette. Jetzt sind zwei neue Veröffentlichungen hinzugekommen: eine CD mit Werken für Violine und Klavier und eine weitere mit dem Klavierquartett op. 41, der Barcarolle op. 108 und dem Klavierquintett:


"01. MUSIK: Camille Saint-Saëns
aus: Klavierquintett a-Moll op.14
1. Satz (Allegro moderato e maestoso)(Ausschnitt)
Take: 06
Dauer: 2:34
LC 05537 Naxos EAN 8.572904 EAN 747313290475"


Sein Klavierquintett op. 14 schrieb Camille Saint-Saëns in den Jahren 1854/55. Es ist die Arbeit eines Zwanzigjährigen, ein großformatiges Werk von dreißig Minuten Spieldauer. Das Klavier tritt hier oft solistisch hervor und an den Pianisten werden entsprechend hohe Anforderungen gestellt. Was nicht verwundert, denn Saint-Saëns beherrschte das Instrument selbst brillant und wurde als reisender Klaviervirtuose gefeiert. Überhaupt schien ihm alles sehr leicht zu fallen. Ohne den Begriff "Wunderkind" überstrapazieren zu wollen: auf Saint-Saëns trifft er durchaus zu. Schon mit drei Jahren drückte er, ganz offensichtlich hoch begabt, die ersten Tasten auf dem Klavier herunter, bald kritzelte er kleine Kompositionen aufs Notenpapier, und mit dreizehn war er als Student am Pariser Konservatorium wieder einmal einer der Jüngsten. Auch Rückschläge konnten ihn nicht bremsen. Vergeblich bewarb er sich um den "Prix de Rome", ein begehrtes Stipendium, das besonders begabten Künstlern einen Studienaufenthalt in Rom ermöglichte. Aber das Multitalent Saint-Saëns schaffte es auch so: als Pianist, Organist, Musikwissenschaftler und Pädagoge. Vielseitig interessiert und umfassend gebildet stieg er auf in die Riege der bedeutendsten französischen Komponisten der Romantik und brachte es sogar zum Offizier der Ehrenlegion. Als Mitbegründer der "Société Nationale de Musique" setzte er sich für die Förderung der zeitgenössischen französischen Instrumentalmusik ein und leistete selbst wesentliche Beiträge dazu. Etwa mit dem Klavierquartett op. 41, einem Werk voller melodischer Einfälle.


"02. MUSIK: Camille Saint-Saëns
aus: Klavierquartett B-Dur op. 41
4. Satz (Allegro)(Ausschnitt)
Take: 04
Dauer: 3:03
LC 05537 Naxos 8.572904 EAN 747313290475"


Sein Klavierquartett op. 41 schrieb Saint-Saëns 1875, bei der Uraufführung in Paris wirkte er selbst als Pianist mit. In der Einspielung bei Naxos sind das Fine Arts Quartet, eine der ältesten Streichquartett-Formationen der USA, und die brasilianische Pianistin Christina Ortiz zu hören. Ihre Zusammenarbeit hat sich bereits vielfach bewährt, für Naxos spielten die Künstler u.a. auch die Klavierquintette von Gabriel Fauré, César Franck und Robert Schumann ein. Die Musiker sind also ein eingespieltes Team und verstehen sich offensichtlich blendend. Dabei ist es beruhigend, den anspruchsvollen Klavierpart in den Händen von einer Virtuosin wie Christina Ortiz zu wissen, sie meistert ihren Part einfach souverän.
Häufiger als jedes andere Kammermusikwerk von Saint-Saëns taucht seine erste Violinsonate auf den Konzertprogrammen auf. Die Geiger schätzen das effektvolle Stück, denn hier können sie in romantischem Ton schwelgen und sich unverhohlen immer wieder von der virtuosen Seite zeigen, wie es auch die junge französische Geigerin Fanny Clamagirand tut. Ihr, und der Pianistin Vanya Cohen, hat Naxos die Gesamtaufnahme der Werke für Violine und Klavier anvertraut, die erste Folge ist jetzt erschienen:


"03. MUSIK: Camille Saint-Saëns
aus: Violinsonate Nr. 1 d-Moll op. 75
1. Satz (Allegro agitato)(Ausschnitt)
Take: 01
Dauer: 2:40
LC 05537 Naxos 8.572750 EAN 747313275076"


Die 1984 geborene Fanny Clamagirand gehört zu den vielversprechendsten Talenten unter den Geigerinnen Frankreichs. Sie studierte am Pariser Konservatorium, am Royal College of Music in London und am Wiener Konservatorium. Der erste Preis beim renommierten Fritz Kreisler Wettbewerb in Wien 2005 brachte ihre Solokarriere mächtig in Schwung und führte u.a. zu Auftritten mit Gidon Kremer und Anne-Sophie Mutter. Auch ihr Debüt in Englands Kammermusiktempel, der Londoner Wigmore Hall, hat Clamagirand bereits erfolgreich absolviert. Mit der ebenfalls am Pariser Konservatorium ausgebildeten Pianistin Vanya Cohen hat sie sich vor einigen Jahren zu einem Duo zusammengetan, das jetzt mit den Werken für Violine und Klavier von Saint-Saëns sein Debüt auf CD gibt:


"04. MUSIK: Camille Saint-Saëns
aus: Violinsonate Nr. 1 d-Moll op. 75
4. Satz (Allegro molto)(Ausschnitt)
Take: 04
Dauer: 2:13
LC 05537 Naxos 8.572750 EAN 747313275076"


Wie ein perpetuum mobile geht die erste Violinsonate von Camille Saint-Saëns zu Ende. Da kann die Geigerin sehr gut zeigen, was sie "drauf" hat, wie reibungslos ihre Motorik funktioniert und wie schnell die Finger laufen. Fanny Clamagirand hat hier, im wahrsten Sinne des Wortes, alles im Griff. Sie widersteht jedoch der Versuchung, den Finalsatz der Sonate wie eine reine Virtuosennummer à la Paganini herunter zu spulen und dabei das Tempo um des puren Effektes willen ins Extrem zu.
Auf ihrer neuen CD stellen Fanny Clamagirand und Vanya Cohen noch eine Reihe kleinerer Stücke von Saint-Saëns vor, liebenswerte Miniaturen, etwa die Berceuse op. 38, zwei späte Elegien oder das der Belgischen Königin gewidmete Triptychon op. 136, ein etwas exotisch anmutendes Stück in drei Sätzen von 1912.

Saint-Saëns wurde geboren als Beethoven gerade acht Jahre tot war, er starb 1921 im hohen Alter von 86 Jahren, zu einer Zeit als sich Schönberg längst der Atonalität zugewandt hatte. Saint-Saëns war ein Mann zwischen den Welten und Zeiten, der dem musikalischen Fortschritt zwar offen gegenüberstand, im Herzen aber durch und durch Romantiker war und bleib. Niemand hat vielleicht seine Musik zutreffender eingeordnet als der bedeutende französische Schriftsteller und Musikkritiker Romain Rolland:

"Saint-Saëns‘ delikate Schreibweise, seine außerordentliche Mäßigung, seine sinnreiche Grazie, die in die Seele dringt und sich dort auf kleinen Pfaden fortbewegt, sie machen das Vergnügen einer schönen, klaren und ehrlichen Sprache und eines lauteren Denkens aus. Ihm ist der seltene Ruhm zuteil geworden, bereits zu Lebzeiten als ‚Klassiker‘ zu gelten".


"05. MUSIK: Camille Saint-Saëns
Élégie op. 160 (Ausschnitt)
Take: 06
Dauer: 2:20
LC 05537 Naxos 8.572750 EAN 747313275076"


Leidenschaftlich und mit verschwenderischem Ton schwelgt die Geigerin Fanny Clamagirand durch die Elegie op. 160 von Camille Saint-Saëns. Allein dieses kurze Stück vermag Appetit zu machen auf den berühmten französischen Komponisten, dessen Kammermusik vielerorts immer noch ein Schattendasein führt. Die zwei CDs von Naxos, eingespielt vom Fine Arts Quartet mit der Pianistin Christina Ortiz und dem Duo Fanny Clamagirand / Vanya Cohen, machen Lust auf mehr. Auf die nächste Folge der geplanten Gesamteinspielung darf man gespannt sein.

Mit diesen Empfehlungen verabschiedet sich am Mikrofon Norbert Hornig.

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