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Einmal arm, immer arm

Statistisches Bundesamt stellt den Sozialbericht 2011 vor

Von Vincent Neumann

Ein Mann sucht in einem Mülleimer an der Königsallee in Düsseldorf nach etwas Verwertbarem.
Ein Mann sucht in einem Mülleimer an der Königsallee in Düsseldorf nach etwas Verwertbarem. (AP)

Der Sozialbericht listet auf, wie es bestellt ist um den materiellen Wohlstand der Bevölkerung, um ihre Beschäftigung, aber auch um ihre Gesundheit und Bildung. Heute wurde der neue Bericht 2011 vorgestellt.

Antworten auf die vom Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" - das verspricht die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, bei der Vorstellung des Datenreports 2011. In ihren Augen zeigt der Sozialbericht für Deutschland, dass Wachstum und Wohlstand nicht zusammenhängen. Man könne nicht sagen: Je höher das Wachstum, desto zufriedener, gesünder oder gebildeter die Leute.

"Das würde für uns bedeuten, dass man diesen einen Indikator, der dann aus unterschiedlichen Dimensionen zusammengesetzt ist, die teilweise in ganz unterschiedliche Richtungen gehen, wieder auseinander reißen müsste, um zu sehen - um jetzt wieder ein Beispiel zu nehmen: Wie entwickelte sich die Gesundheit über den Lebensverlauf? Die entwickelt sich nämlich ganz anders als sich das Einkommen über den Lebensverlauf entwickelt, und wie sieht es mit der Lebenszufriedenheit aus, die sich wiederum anders entwickelt?"

Statt eines Indikators gibt es zahlreiche Einzelfaktoren. Die wirken aber in vielen Fällen zusammen, betont ihr Kollege Roland Habich:

"In der Gesundheitsberichterstattung sind die dramatischen Zusammenhänge - ich hab's dokumentiert - zwischen Bildung und Gesundheit, kann man aber auch zeigen zwischen Einkommenslage und Gesundheit, beispielsweise in der Lebenserwartung. Zwischen den untersten Gruppen und den obersten Einkommensgruppen können wir bei der Lebenserwartung Unterschiede von bis zu zehn Jahren feststellen."

In Deutschland ist inzwischen fast jeder Sechste armutsgefährdet - das heißt, er hat nach Zahlung von Sozialleistungen weniger als 929 Euro im Monat zur Verfügung. 30 Prozent dieser Menschen sind nach eigenen Angaben nicht in der Lage, zumindest jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit einzunehmen; ebenso viele leben bereits länger als fünf Jahre in diesem Zustand. Von einer "Verfestigung der Armut" bei gleichzeitig steigendem Reichtum spricht deshalb die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion "Die Linke", Katja Kipping, in einer ersten Einschätzung des Berichts.

Ein Festsitzen in Armut, oft auch in Arbeitslosigkeit. Das kann nach Ansicht von Sozialforscherin Allmendinger ebenso wie fehlende Bildung einen direkten Einfluss auf die Gesundheit haben:

"Das heißt auch, dass Erwerbsarbeit gesund hält, und dass dauerhafte Exklusion von Erwerbsarbeit krank machend ist und das zu einer niedrigeren Lebenserwartung führt Und das heißt leider auch, dass repetitive Arbeiten, die hauptsächlich weniger gebildete Personen über eine lange Zeit ihres Lebens zu machen haben, sehr krank machend und auch Lebenszeit-verkürzend sind."

Düstere Aussichten also für bildungsferne Schichten, und auch für die nächste Generation wird es nicht leichter: Nur zehn Prozent aller Gymnasiasten kommen aus Familien, in denen die Eltern einen Hauptschulabschluss oder gar keinen Abschluss haben. Dementsprechend ernüchternd fällt Jutta Allmendingers Fazit aus. Die Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Gesellschaft werden nicht größer, sondern immer kleiner. Wachstum und Wohlstand stehen eben nicht in direktem Zusammenhang.

"Wir sehen eine Verhärtung, weil weniger Personen rauskommen. Also die soziale Mobilität nach oben nimmt ab."

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