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Einmal bei Olympia schwimmen

Wege ebnen in die sportliche Weltspitze und zum beruflichen Erfolg

Von Andrea Schültke

Einmal bei Olympischen Spielen an den Start gehen, davon träumen die Nachwuchsschwimmer.
Einmal bei Olympischen Spielen an den Start gehen, davon träumen die Nachwuchsschwimmer. (AP)

Die Flagge mit den fünf verschlungenen Ringen hängt über dem Bett. Marius Kusch träumt von Olympia 2016 in Rio. Dafür zieht er schon früh am Morgen seinen Bahnen im Schwimmbad. Danache ist Lernen angesagt. Der 18-Jährige besucht das Helmholtz-Gymnasium in Essen - ebenfalls eine Eliteschule des Sports.

Schulschluss am Helmholtz-Gymnasium in Essen. Fast 1000 Schüler strömen durchs Treppenhaus. Einer von ihnen: Marius Kusch, 18 Jahre alt, Schwimmer. Um zwei Uhr mittags hat der Oberstufenschüler schon einen kompletten Arbeitstag hinter sich:

"Normalerweise sieht mein Tag so aus, dass ich um viertel nach fünf aufstehe, frühstücke ich, um viertel vor sechs beginnt mein Training, dann bin ich um viertel vor sieben fertig, dusche, Internat, gegebenenfalls kann ich noch frühstücken, wenn die Zeit reicht und dann muss ich direkt zur Schule."

Die ist sechs Stunden später vorbei. Marius Kusch geht zum Essen in die Mensa des Schwimmbades, nur wenige Schritte von der Schule entfernt.

Heute auf dem Speiseplan:

"Reis, Fleisch, Gemüse. Typischer Sportlerernährung, viele Kohlehydrate. Das Essen ist sehr gut."

Marius Kusch stärkt sich. In knapp zwei Stunden ist wieder Training. Vorher warten noch die Hausaufgaben.

Die macht er in seinem Zimmer im Internat. Das moderne Gebäude sieht aus wie ein Hotel. Es liegt genau in der Mitte zwischen Schule und Schwimmhalle in einer kleinen Grünanlage. Alles nur wenige Schritte voneinander entfernt. Zusammen bilden die Einrichtungen hier die "Eliteschule des Sports".

Für die etwa 100 Hochleistungssportler an ihrer Schule darf das Lernen nicht zu kurz kommen. Darauf achtet Beate Zilles, Schulleiterin des Helmholtz-Gymnasiums:

"Weil wir der Meinung sind, auch wenn wir Leistungssportler haben, wird keiner dieser jungen Menschen allein über den Sport seinen Lebensunterhalt verdienen können, deshalb ist eine schulische berufliche Absicherung ganz wichtig und ich betone noch Mals, sie steht für uns im Vordergrund, bei aller Unterstützung für den Sport."

Das wissen auch ihre Schüler. Marius Kusch erlebt die Unterstützung zum Beispiel:

"Wenn man Wettkämpfe in der Schulzeit hat oder Trainingslager, dass man dann von der Schule befreit werden kann, aber das geht auch nur, wenn dann in der Schule auch wirklich alles passt."

Der verpasste Stoff muss auf jeden Fall nachgeholt werden, zum Beispiel mit den Nachhilfelehrern im Internat. Es gibt aber auch die Möglichkeit einer sogenannten Schulzeitstreckung. Wenn sich ein Sportler etwa auf wichtige Wettkämpfe wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele vorbereitet ist es möglich,

"Dass man die Schule zwar wahrnimmt, etwas langsamer laufen lässt mit mehr Befreiungen und ein Jahr wiederholt."

Marius Kusch kann Schule und Sport bisher gut verbinden. Dafür sorgt auch der Geschäftsführer des Internats, Horst Melzer. Er hält seinen 51 Leistungssport treibenden Hausbewohnern den Rücken soweit wie möglich frei. Motto:

"Schule muss sein, Sport soll aber dadurch nicht verhindert werden."

Als ehemaliger Schwimmtrainer von Weltmeistern wie Mark Warnecke und Christian Keller will er Wege ebnen in die sportliche Weltspitze und zum beruflichen Erfolg:

"Wenn in unserem Gesellschaftssystem junge Menschen heute bereit sind, den Weg eines Hochleistungssportler zu gehen, dann muss man sehen, welchen Aufwand er heutzutage betreiben muss, um erfolgreich zu sein. Und daneben bleibt dann eben nur noch die Zeit für die Schule. Im Grunde müssen wir ähnlich wie es vielleicht früher in diesen Kinder- und Jugendsportschulen der DDR war Schule und Leistungssport in einem engen Netzwerk zusammenzufassen, es geht halt anders gar nicht mehr zu meistern."

Ein "Staatsplanziel Leistungssportförderung" sei damit nicht gemeint. Schließlich nähmen die jungen Sportler ihre 60-Stunden Woche ja freiwillig auf sich. Auch Marius Kusch.

"Wenn man mit so 'ner Begeisterung hinter der Sache steht und es macht einfach wirklich viel Spaß, dann ist es überhaupt kein Problem."

Was er beruflich mal machen will, weiß der 18-Jährige noch nicht. Aber sein sportliches Ziel hat der Silbermedaillengewinner bei der Junioren-EM klar vor Augen: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio.

Als Motivation hat er sich die Flagge mit den Olympischen Ringen schon mal übers Bett in seinem Doppelzimmer gehängt.

Dieses Ziel treibt ihn auch am Nachmittag wieder nach nebenan ins Schwimmbad. Zum Training bei Henning Lambertz. Er ist einer der erfolgreichsten Schwimmtrainer in Deutschland. Für seine Arbeit ist das Konzept "Eliteschule des Sports" immens wichtig:

"Ich glaube Leistungssport bei uns funktioniert nur, wenn die Schule mit an einem Strang zieht. So wie das hier in Essen ist, mit Internat, Schule und Sport. Das ist wirklich so 'n Dreigestirn, die alle dieselben Interessen haben. Die Leute sollen natürlich auf der einen Seite ihr Abitur machen, das ist unsere vorrangige Sorge, aber auf der anderen Seite sollen sie dabei Hochleistungssport betreiben, ohne dass sie dabei in der Schule viel zurückstecken müssen."

Marius Kusch hat also alle Chancen auf beruflichen und sportlichen Erfolg. Und wenn er dann abends spätestens um zehn Uhr erschöpft im Bett liegt, fällt sein Blick auf die Olympischen Ringe über seinem Bett. Bis Rio sind es noch 1541 Tage.

Weiterführende Inforamtionen zu den Eliteschulen des Sports auf der Homepage des DOSB

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