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Ende der Politik?

1. Der Kommunikationswissenschaftler Frank Böckelmann im Gespräch

Von Stefan Fuchs

Die Demokratie war von Anbeginn an die eigentliche Basis des auf die Zukunft gerichteten Projekts der Moderne. Nur wenn es den Menschen gelänge, die eigenen Angelegenheiten selbst in die Hände zu nehmen und mittels demokratischer Institutionen zum Gegenstand eines gesellschaftlichen Interessenausgleichs zu machen, war Fortschritt überhaupt denkbar.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist diese Hoffnung nahezu verflogen. Die politische Sphäre der westlichen Demokratien sieht sich einem doppelten Erosionsprozess ausgesetzt. Zum einen haben viele den Glauben verloren, dass politisches Engagement einen substanziellen Beitrag zur Lösung ihrer individuellen Probleme leisten kann, und sind überzeugt, dass die Politik das eigentliche Problem sei. Zum anderen können die Politiker objektiv die in sie gesetzten Erwartungen immer weniger erfüllen und die Politik hat einen schleichenden Machtverlust erlitten. Am Ende stehen sich in der Mediendemokratie apathische Wähler und sich voluntaristisch selbst inszenierende Politiker gegenüber.

In einer fünfteiligen Gesprächsreihe diskutiert Stefan Fuchs mit Politologen, Soziologen und Kommunikationswissenschaftlern. Gesprächspartner im ersten Teil der Reihe ist der Kommunikationswissenschaftler Frank Böckelmann.

Die Reihe "Ende der Politik?" läuft vom 31. Juli bis 28. August jeweils Sonntags um 9:30 Uhr.


Sonntag, 31.07.05
Kultur am Sonntagmorgen
Ende der Politik?
1. Ihre schleichende Privatisierung
Der Kommunikationswissenschaftler Frank Böckelmann im Gespräch mit Stefan Fuchs

Frank Böckelmann wurde 1941 in Dresden geboren, verbrachte seine Schulzeit in Stutt-gart und lebt seit 1960 in München. Er studierte Philosophie und Kommunikationswis-senschaft, assistierte dem Philosophen Arnold Metzger, gründete Literaturzeitschriften und betätigte sich in der Subversiven Aktion und im SDS. In den Siebzigerjahren verab-schiedete er sich von der Linken, schrieb Reportagen für twen und stern und Bücher über Alltag, Geschlechtsrollen und Massenkommunikation und floh vor der Hoch-schullaufbahn in die freie Medienforschung. Studien für öffentliche Auftraggeber, aus-gedehnte Wanderungen in Mitteleuropa und vielseitige publizistische Tätigkeit. Mither-ausgeber von Tumult – Zeitschrift für Verkehrswissenschaft. Letzte Veröffentlichungen: Die Gelben, die Schwarzen, die Weißen (Frankfurt am Main 1998); Deutsche Einfalt – Betrachtungen über ein unbekanntes Land (München 1999); Die Emanzipation ins Leere – Beiträge zur Gesinnungsgeschichte 1960-2000 (Berlin 2000); Wem gehören die Zeitungen? (Konstanz 2001); Subversive Aktion – Der Sinn der Organisation ist ihr Scheitern (mit Herbert Nagel, Frankfurt am Main 2002); Bertelsmann – Hinter der Fas-sade des Medienimperiums (mit Hersch Fischler, Frankfurt am Main 2004).


Zum Thememkreis Privatisierung der Politik/Ende der Demokratie? empfiehlt Frank Böckelmann die Lektüre der Schriften von Hans Herbert von Arnim, Jean Baudrillard, Panajotis Kondylis und (mit Einschränkung) von Robert Kurz und das Durchsuchen eines Sammelbandes:
Tanja Brühl/Tobias Debiel/Brigitte Hamm/Hartwig Hummel/Jens Martens (Hg.): Die Privatisierung der Weltpolitik. Entstaatlichung und Kommerzialisierung im Globalisie-rungsprozess. Bonn 2001.

Essay und Diskurs

PhilosophieDie neuen Gärten Epikurs

Abbildung einer Büste, die das Porträt des griechischen Philosophen Epikur (341-270 v.Ch.) zeigt.

Es wird gesunde Menschen geben und solche, die an Gott glauben. Die Gesunden werden in Sicherheit leben und die Kranken sich vor dem Bösen fürchten. Die Atheisten werden sich in einer Gemeinschaft wohlfühlen, während der vereinzelte Rest verwaltet wird.

Körperkult Schönheitskonkurrenz der Männer

Bodybilder stehen nebeneinander.

Sie verwenden Anabolika, Omnadren, Superanabolon, Testosteron und andere nicht ungefährliche Mittel, um den eigenen Körper optimal zu präsentieren.

AnalyseStaub

Eine Frau saugt mit einem Staubsauger den Fußboden eines Wohnzimmers.

Staub ist der Teil der Materie, der unerwünscht ist. Er wird von Putzkolonnen und mit Staubtüchern energisch bekämpft. Er ist einerseits allgegenwärtig, andererseits ist kaum etwas so flüchtig wie Staub. Er kommt mit Stürmen von weit her, überdeckt Landschaften, Städte und kriecht in jede vermeintlich noch so dicht abgeschlossene Ritze.

KunstwissenschaftTribunal über die Wirklichkeit?

PD Dr. Daniel Hornuff steht am Pult auf einer Bühne.

Zunächst wirkt die Frage nach dem Dokument auf den Kunstwissenschaftler Daniel Hornuff irgendwie anachronistisch: "Ist das Dokument nicht längst tot? Hat die Postmoderne in ihrem Drang, alles in Anführungszeichen und in die Tonlage der Ironie zu setzen, das Dokument nicht längst zu Grabe getragen?"

Literatur Der Leser als Ermittler

Der Krimi "Tannöd" (l) der Bestsellerautorin Andrea Maria Schenkel ist von einem Mordfall aus dem Jahr 1922 inspiriert, den auch der Journalist Peter Leuschner in seinem Buch "Der Mordfall Hinterkaifeck" untersuchte.

In Zeiten einer Entpolitisierung erscheint uns die Dokumentarliteratur der 1960er-/70er-Jahre schon fast als historisches Relikt. Gleichwohl hat das Dokumentarische in der heutigen Literatur wieder Konjunktur. Inwiefern kann das eigentlich sperrige, da die Illusion der fiktionalen Erzählwelt störende Dokument auch und gerade in der Spannungsliteratur Wirkung erzielen?

Architektursommer (4/4)Soziale Architektur

Der Architekt Francis Kéré begutachtet in dem burkinischen Dorf Gando den Baufortschritt an einem Bibliotheksgebäude.

Architektur könne sehr viel dazu beitragen, humanere und sozialere Lebensbedingungen etwa in Slums umzusetzen, sagte Andres Lepik, Direktor des Architekturmuseums München, im DLF. Am Beispiel von Projekten in Afrika erklärte er, wie wichtig eine Identifikation der Einheimischen mit den Bauten sei - und wie diese erreicht werde könne.