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StartseiteForschung aktuellEnergiequelle Sparen22.11.2007

Energiequelle Sparen

Wissenschaftler betonen erneut enormes Potential

Energie. – Die Mahnung, dass vor allem Energiesparen nennenswertes Potential bei der Bewältigung unserer Energie- und Umweltprobleme habe, ist schon ziemlich alt. Eine Konferenz am Wuppertal hat jetzt noch einmal Beispiele für das Energiesparen vorgestellt.

Von Volker Mrasek

Etliche Kraftwerke könnten durch Energiesparen überflüssig werden. (Jan Uwe Stahr)
Etliche Kraftwerke könnten durch Energiesparen überflüssig werden. (Jan Uwe Stahr)

Schon der Titel der Konferenz sollte deutlich machen, wie groß das Potential ist, Energie durch kluges Nutzerverhalten einzusparen. Man habe es hier mit einem "schlafenden Riesen" zu tun, lasen die Tagungsteilnehmer in der Einladung. Um dann vor Ort von konkreten Erfolgsprojekten zu erfahren – zum Beispiel bei der Bundeswehr. Die Streitkräfte sind seit rund einem Jahr auf einer ganz besonderen Mission. Sie trägt einfach nur den Buchstaben E. Tom Küster, stellvertretender Leiter der Abteilung Strom-Effizienz bei der nordrhein-westfälischen Energieagentur:

"Das E steht für Energie, Effizienz, Einsparungen, Emissionen. Aber auch für das Engagement, das jeder leisten muss bei der Bundeswehr."

350.000 Bedienstete hat die Bundeswehr und mehr als 1600 Kasernen und andere Liegenschaften im ganzen Land.

"Es gibt ja Strom, Wärme und Treibstoffe. Der Treibstoff ist bei der Bundeswehr außen vor. Es geht nicht darum, weniger mit den Fahrzeugen durchs Gelände zu fahren. Das ist nicht unser Auftrag. Bezugspunkt der Mission E ist es, die Strom- und Wärmeverbräuche in diesen 1600 Liegenschaften zu reduzieren."

Das ist auch gelungen in den zwölf Monaten, seit es die Kampagne beim Bund gibt. Und zwar durch Aufklärungsarbeit der Energieagentur. Küster:

"Es gibt viele Online-Angebote, wir machen Wettbewerbe, wir machen Veranstaltungen, wir machen Energieberatung. Es geht nicht darum, Haustechnik zu verbessern, um Gebäudedämmung oder, oder, oder. Das macht die Bundeswehr auch, aber nicht im Rahmen der Mission E. Wir kümmern uns um die Nutzer. Und da geht es um diese Kleinigkeiten, beispielsweise in der Mittagspause seinen Monitor auszuschalten, die Steckerleiste auszuschalten, wenn ich in den Feierabend gehe und so weiter. Aber auch da liegen die Potentiale zwischen fünf und 15 Prozent. Man kann da also viel holen."

Noch seien nicht alle Daten ausgewertet, sagt Tom Küster. Doch vorläufige Zahlen hat der Missionsbeauftragte der Energieagentur schon parat:

"Die Wärmeverbräuche müssen witterungsbereinigt werden. Die Daten müssen erst mal alle erhoben werden. Ich hab’ nur Ergebnisse aus zwei von vier Wehrbereichen. Und durch Liegenschaftsmanagement, Sanierung und Sensibilisierung der Nutzer haben wir in den ersten neun Monaten knapp 13 Prozent Energie eingespart. Knapp 13 Prozent. Ausrufezeichen!"

Dass auch eine noch stärkere Reduzierung des Energieverbrauchs möglich ist, demonstrierte die Ruhrgebietsstadt Hattingen. Die Verwaltung rief vor wenigen Jahren eine Aktionswoche aus. Alle Mitarbeiter erhielten eine Energieberatung, außerdem abschaltbare Steckdosenleisten und Thermometer, um die Raumtemperaturen zu messen und gegebenenfalls abzusenken. Ergebnis: Die Hattinger Behörden drosselten ihren Energieverbrauch binnen kürzester Zeit um ein Viertel. Solche Aktionswochen führen inzwischen weitere Städte und Betriebe durch.

Auch den deutschen Universitäten und Fachhochschulen kann man ausrichten: Mitunter braucht es keine Forschungs-, sondern bloß eine Informationskampagne, um Fortschritte auf dem Energiesektor zu erzielen:

"In Nordrhein-Westfalen gibt’s ja viele große Hochschulen. Und der Anteil am Energieverbrauch der Liegenschaften, der öffentlichen Liegenschaften– da sind die Hochschulen mit 40 Prozent dabei."

Ellen Matthies forscht an der Ruhr-Universität Bochum. Auch dort lief im letzten Wintersemester eine konzertierte Aktion. Und es gelang, den Heizenergie-Verbrauch um sechs Prozent zu drosseln, wie die Umweltpsychologin in Wuppertal berichtete:

"Vor der Intervention haben über 20 Prozent gesagt: Ich lüfte eigentlich nie durch Stoßlüften, sondern wenn ich lüfte, dann stelle ich das Fenster auf Kippe. Kann man 20 Prozent Energieverluste dadurch haben. Dieser Anteil ist erheblich zurückgegangen. Andere Punkte sind, dass bei längerer Abwesenheit die Heizung auch runtergedreht werden kann. Und gerade im wissenschaftlichen Bereich gibt es eine Menge Leute, die sind dann eben in der vorlesungsfreien Zeit auf Konferenzreisen. Und eben auch da macht es Sinn, dann die Heizung in dem Raum runterzudrehen."

Inzwischen ist Ellen Matthies dabei, Energiespar-Programme auch für andere Hochschulen zu entwickeln. Das Einsparpotential durch ein verändertes Nutzerverhalten sei enorm, sagt die Psychologin. Allerdings werde es sich nach den Erfahrungen der Forschung nie völlig ausschöpfen lassen:

"Wenn 50 Prozent es tatsächlich schaffen, sich zu verändern – das ist schon viel!"

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