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Seit 09:30 Uhr Nachrichten
StartseiteSport am WochenendeEntwicklungshelfer auf Reisen15.07.2012

Entwicklungshelfer auf Reisen

Der Bamberger Gerhard Zimmermann möchte Minigolf zu einer globalen Marke formen

Gerhard Zimmermann verfolgt ein großes Ziel: Er möchte Minigolf aus der Nische ins Rampenlicht führen. In Deutschland sind bereits 11000 Spieler in 300 Vereinen aktiv. Nun möchte er ähnliche Strukturen auch in anderen Ländern etablieren, dafür ist er ständig auf Reisen, zum Beispiel in Israel.

Von Ronny Blaschke

Noam Zeichner (links), der israelische Minigolf-Chef, und Gerhard Zimmermann (rechts), Weltsportpräsidenten im Minigolf, bei einem Rundgang durch Ashdod (Deutschlandradio - Ronny Blaschke)
Noam Zeichner (links), der israelische Minigolf-Chef, und Gerhard Zimmermann (rechts), Weltsportpräsidenten im Minigolf, bei einem Rundgang durch Ashdod (Deutschlandradio - Ronny Blaschke)

Gerhard Zimmermann ist einer von wenigen Deutschen, die an der Spitze eines internationalen Sportverbandes stehen. In seinem Amt verfolgt der Bamberger ein großes Ziel: Er möchte Minigolf aus der Nische ins Rampenlicht führen. In Deutschland sind bereits 11000 Spieler in 300 Vereinen aktiv, von der Kreisklasse bis zur Bundesliga, Ein Einkaufszentrum in Ramat Gan, einem Vorort von Tel Aviv. Auf einem abgesperrten Parkplatz sind acht Minigolfbahnen montiert. Gerhard Zimmermann umklammert einen Schläger, mustert die Anlage, fixiert den Ball. Neben ihm hat sich ein Halbkreis gebildet. Junge Familien stellen ihre Einkaufstaschen ab und beobachten Zimmermanns Körperhaltung. Sie kennen Fußball, Tennis, Basketball, aber Minigolf? Davon haben sie in Israel noch nicht viel gehört.

Seit mehr als vierzig Jahren hat sich Gerhard Zimmermann dem Minigolf verschrieben. Der 57-Jährihe hat dutzende Titel gesammelt. Er hat die Nationalteams Deutschlands trainiert, auch die der Schweiz, Griechenlands und Dänemarks. Seit 2003 leitet er den Deutschen Minigolfsport-Verband, seit 2011 auch den Weltsportverband. In der öffentlichen Wahrnehmung wird Minigolf auf Freizeitspaß reduziert – für Gerhard Zimmermann ist Minigolf Leistungssport, vielleicht sogar eine Wissenschaft.

"Und im Spitzenspielerbereich sind es hunderte von Bällen, und im Anfängerbereich sind es zehn bis 20, die man auch erstmal lernen und verstehen muss, wo man sie einsetzen kann. Weil bei verschiedener Witterung und verschiedener Außentemperatur reagieren diese Gummimaterialien auch ganz anders. Die werden sicherlich katalogisiert und vermessen, wie hoch sie springen, wie schwer sie sind, wie hart sie sind. Und das ist echte Tüftelarbeit. Das muss man lieben und dann wird man da relativ schnell erfolgreich. Das ist ein bisschen prädestiniert für Leute, die sich gern mit sich selbst beschäftigen."

Schon Mitte des 15. Jahrhunderts soll der chinesische Kaiser Xuande eine Art Golf gespielt haben. Jahrhunderte später beanspruchte ein gewöhnlicher Golfplatz mit 18 Löchern rund 50 Hektar. Die Kosten wuchsen, meist kamen die Aktiven aus gehobenen Schichten der Gesellschaft. So entstand die Idee, eine kleinere und damit günstige Lösung zu schaffen. Bei den Olympischen Spielen 1904 wurde eine dem Minigolf ähnliche Disziplin vorgestellt. In den 1920er und 1930er Jahren entstanden viele kleine Golf-Anlagen, auf diesen Bahnen wurden Hindernisse montiert, Märchenfiguren, Windmühlen, Netze. Ab den 1950er Jahren etablierte sich Minigolf auch in Mitteleuropa. Allein 2011 wurden auf den 3000 deutschen Minigolf-Anlagen rund 20 Millionen Besuche registriert.

Gerhard Zimmermann berichtet von dieser Geschichte auch auf seiner Werbetour in Israel. Der promovierte Pharmazeut sitzt nun im Büro des Bürgermeisters von Ashdod, gemeinsam mit Noam Zeichner, dem Chef des israelischen Minigolfverbandes, der 2011 als jüngstes Mitglied in den Weltverband aufgenommen wurde. Ashdod liegt südlich von Tel Aviv, in wenigen Monaten soll dort auf einem Hügel mit Meerblick eine der weltweit modernsten Minigolfanlagen eröffnen. Zimmermann und Zeichner brauchen die Unterstützung der Politik, sie stellen Minigolf als vielseitiges Feld vor, zwischen Leistungssport und Hobby. 3,4 Millionen sind 2011 nach Israel gereist, diese Zahl wird weiter steigen. Und so soll auch Minigolf das Angebot für die Gäste erweitern.

"Es kann wirklich Kind und Kegel spielen. Es wird inzwischen auch, vergleichen wir es mal mit Kinobesuch, als relativ preisgünstige Familienbeschäftigung fürs Wochenende betrachtet. Behinderte können spielen, es können Leute spielen, die beim Reck den Feldumschwung nicht schaffen, also etwas Korpulentere. Also jeder, der sich irgendwie mit Minigolf beschäftigen will, der kann das auch. Und das macht unseren Sport natürlich von der Basis her sehr breit."

Ab den sechziger Jahren entwickelte sich in Deutschland ein geregelter Spielbetrieb, in der Einzel- und Teamdisziplin. Auf unterschiedlichen Bahnen wurde das gleiche Ziel verfolgt: mit wenig Schlägen den Ball ins Loch zu befördern. Seit Jahrzehnten gehören die Deutschen zur Weltspitze, bei den Weltmeisterschaften 2011 in Stockholm gewannen sie zehn von 14 möglichen Medaillen. Gerhard Zimmermann versucht die rund 60 Kaderathleten nachhaltig zu fördern.

"Und dann muss man natürlich auch im körperlichen Bereich fit sein, weil solche großen Turniere gehen über vier Tage à zwölf Stunden. Da fällt einer, der konditionell nicht drauf ist, der fällt nach eineinhalb Tagen um. Es wird mit Mentaltrainern gearbeitet inzwischen. Es ist verglichen mit anderen Sportarten sicherlich nicht weniger aufwändig."

Der israelische Minigolfchef Noam Zeichner führt seinen deutschen Kollegen Zimmermann durch die Altstadt von Jerusalem. Bislang ist Minigolf vor allem eine europäische Sportart, mit wenigen Außenstellen, in den USA, Japan oder Australien. Zimmermanns Weltverband organisiert 1500 Turniere im Jahr, meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Er möchte ein Netzwerk zwischen Politik, Wirtschaft und Sportverbänden knüpfen, damit weitere Anlagen entstehen. Wie zuletzt in der Türkei oder im Kosovo. Doch gute Anlagen sind teuer.

"Wir haben bisher in Afrika noch nicht Fuß fassen können. Das gehört zu meinen Hauptaufgaben, unsere derzeit 44 Mitgliedsnationen zu erweitern, was dann der Ausgangspunkt ist für weitere Ziele. Mit IOC anerkannte Sportart, vielleicht auch mit dem großen Ziel vor Augen, irgendwann mal gegebenenfalls mit dem Golfverband an Olympischen Spielen teilzunehmen. Ich denke, als Sportart selber brauchen wir uns hinsichtlich Spannung, auch hinsichtlich der medialen Darstellbarkeit nicht verstecken. Da gibt es andere Sportarten, die ich noch weit hinter uns sehe. Von daher werde ich da nicht aufgeben."

Im kommenden August finden im niedersächsischen Bad Münder die Jugend-Weltmeisterschaften statt, im Sommer 2013 spielen auf der selben Anlage dann die Erwachsenen um die WM-Titel. Eine bessere Werbeplattform kann sich Gerhard Zimmermann kaum vorstellen.

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