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Erdbeben in Norditalien beschädigt Kulturgüter

Eingestürzte Kirchtürme in der Nähe der Weltkulturerbestadt Ferrara

Von Thomas Migge

Der durch das Beben zerstörte Glockenturm in Finale Emilia, Modena
Der durch das Beben zerstörte Glockenturm in Finale Emilia, Modena (picture alliance/dpa /ELISABETTA BARACCHI)

Nach dem schweren Erdbeben mit mehreren Toten in der norditalienischen Region Emilia Romagna befürchtet die Regierung nun auch große Schäden am Kulturerbe. Die Renaissancestadt Ferrara und ihre Umgebung gehören zum Weltkulturerbe der Unesco. Kunsthistoriker fordern einen besseren Schutz der Kulturdenkmäler.

In ihrem 90-jährigen Leben, so diese alte Frau aus Ferrara, habe es nie ein solches Erdbeben gegeben. Ein Beben der Stärke 5,9 auf der Skala Richter, ein schweres Erdbeben also. Vor allem der Großraum Modena-Ferrara ist betroffen. Ein Gebiet mit malerischen Ortschaften, die fast alle Barockkirchen, kleinere fürstlichen Residenzen und zahlreiche historische Wohngebäude aus der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts besitzen .

Wie zum Beispiel das Städtchen Brescello, in dem der Schriftsteller Giovannino Guareschi die Geschichten von Don Camillo und Peppone ansiedelte. Viele der Gebäude aus dem späten 18. und 19. Jahrhundert weisen Risse in den Wänden auf. Noch ist aufgrund des Umfangs der Schäden nicht abzusehen, welche Gebäude zu retten sind. Italiens Kulturminister Lorenzo Ornaghi sprach heute Nachmittag von einem "verheerenden Erdbeben".

Betroffen von dem Erdbeben ist vor allem die historische Kleinstadt Finale Emilia in der Provinz Modena. Ein Uhrturm aus dem 16. Jahrhundert ist vollständig eingestürzt. Barocke Kirchtürme haben so große Schäden erlitten, dass ein Sprecher der regionalen Altertümerbehörde bereits von nicht wieder gut zu machenden Schäden spricht. Kirchen, Klöster und Burgen, wie zum Beispiel auch in der Ortschaft San Felice sul Panaro, sind entweder komplett oder teilweise eingestürzt oder weisen so gefährliche Risse in den Außenwänden auf, dass ein Mitglied der gleich einberufenen Erdbebensonderkommission des Kulturministeriums in Rom den Abriss dieser Bauten nicht ausschließt. Eine komplette Bestandsaufnahme aller Schäden ist derzeit noch unmöglich. Aus einem besorgniserregenden Grund, erklärt der Geologe Mario Battuzzi aus Bologna:

"Das Beben begann mit zwei leichten Erdstößen und dann der große Knall. Wir befürchten jetzt, dass es noch heute oder in den nächsten Tagen zu Nachbeben kommen wird. Die könnten bereits angeknacksten historischen Gebäuden den Rest geben. Bis jetzt gab es hier so gut wie nie bedeutende Erdbeben".

Beschädigt wurden zum Glück nicht die kunsthistorisch bedeutsamen Bauwerke der Region Emilia Romagna, wie zum Beispiel der Palazzo dei Diamanti in Ferrara, eine der schönsten Renaissanceresidenzen Italiens, und die Rocca Sanvitale in Fontanellato, mit den berühmten Fresken des Renaissancemalers Parmiggianino. Die Tatsache, dass es in der Region bereits Ende Januar ein erstes leichtes Erdbeben gab, könnte bedeuten, darin sind sich Geologen einig, dass die geologisch in der Vergangenheit eher ruhige Emilia Romagna zukünftig mit weiten Erdstössen zu rechnen habe. Kunsthistoriker forderten deshalb bereits heute Nachmittag, dass die Regionalregierung ausreichend Geldmittel bereitstellen müsse, um wenigstens die wichtigsten historischen Baudenkmäler für die Zukunft sicherer zu machen.



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