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StartseiteForschung aktuell"Es ist kein gesundheitliches Risiko zu erwarten"05.01.2010

"Es ist kein gesundheitliches Risiko zu erwarten"

Experte für Terahertz-Technologie hält den Einsatz von Nacktscannern für vertretbar

Technik. - Seit dem missglückten Bombenanschlag an Weihnachten wird wieder über die Einführung sogenannter Nacktscanner an Flughäfen diskutiert. Was die Geräte leisten könnten, erklärt René Beigang, Professor vom Fraunhofer-Institut für physikalische Messtechnik in Kaiserslautern, im Interview mit Ralf Krauter.

Ein Schild weist auf den Körperscanner am Flughafen Schiphol in Amsterdam hin. (AP)
Ein Schild weist auf den Körperscanner am Flughafen Schiphol in Amsterdam hin. (AP)

Krauter: In Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" steht der Monarch eines Tages plötzlich nackt da, nachdem er zuvor Betrügern auf den Leim gegangen war. Weil der Kaiser eitel war, hatte er das auch irgendwie verdient. Aber gilt das auch für Millionen Fluggäste, die vielleicht schon bald auch in Deutschland neuartige Sicherheitsschleusen passieren müssen? Die sogenannten Nacktscanner, deren Einführung Sicherheitsexperten jetzt fordern, blicken nämlich bis auf die Haut und spüren Waffen und Sprengstoff selbst in der Unterhose auf. Terahertz-Scanner, so heißen die Geräte im Fachjargon, weil sie auf elektromagnetischer Strahlung beruhen, die frequenztechnisch zwischen Infrarotlicht und Mikrowellen angesielt ist. Professor René Beigang vom Fraunhofer-Institut für physikalische Messtechnik in Kaiserslautern ist Experte für Terahertz-Technologie und meine erste Frage an ihn war vorhin: Wie funktionieren die umstrittenen Körperscanner eigentlich?

Beigang: Ein Terahertz-Scanner oder vielleicht besser gesagt Mikrowellen-Scanner funktioniert auf zwei verschiedene Arten und Weisen. Es gibt einmal aktive und passive Scanner. Die passiven Scanner nutzen die vom Körper immer abgestrahlte Mikrowellenstrahlung aus und macht die im Prinzip sichtbar und damit auch die Körperkontur. Ein aktiver Terahertz- oder Mikrowellen-Scanner bestrahlt den Körper mit Terahertz- oder Mikrowellenstrahlung und schaut sich dann die reflektierte Strahlung an und macht daraus ein Bild.

Krauter: Was wird schon verwendet? Es sind ja schon Geräte im Test im Einsatz, in den USA aber auch in Lübeck in Deutschland zum Beispiel.

Beigang: Es werden beide Techniken verwendet. Für die sogenannte Portallösung, wo jemand sich in eine Kabine stellt oder durch ein Portal geht, werden ausschließlich aktive Terahertz- oder Mikrowellen-Scanner benutzt, die also die Person bestrahlen und dann aus dem reflektierten Licht ein Bild machen.

Krauter: Wie hoch ist die Strahlenbelastung dieses Prozederes? Kann man denn heute schon sicher sagen, dass keine Gesundheitsgefahr besteht?

Beigang: Sicher kann man natürlich nichts sagen, aber nach den bisherigen Erkenntnissen ist die Strahlenbelastung bei den Leistungsklassen, die man dort verwendet, vernachlässigbar und es ist kein gesundheitliches Risiko zu erwarten. Es gibt aber zurzeit aktuelle Untersuchungen, die dazu durchgeführt werden. Die Ergebnisse liegen jetzt aber noch nicht vor. Nur nach all dem, was man bisher dort weiß, ist die Belastung durch Mikrowellen- oder Terahertz-Strahlung in diesem Frequenzbereich vernachlässigbar und sollte keine gesundheitlichen Schädigungen hervorrufen.

Krauter: Das heißt, gesundheitliche Bedenken gegen den Einsatz der Scanner gibt es eigentlich nicht. Was würden sie denn tatsächlich bringen? Es waren ja widerstreitende Sachen zu lesen in den letzten Tagen. Die einen sagen, den Sprengstoff, den der Nigerianer in Schiphol durch die Kontrolle geschmuggelt hat, dieses Nitropenta, ein spezieller Plastiksprengstoff, den hätte man sowieso nicht detektieren können mit den existierenden Scannern. Stimmt das?

Beigang: Also da bin ich etwas anderer Meinung. Mit den Scannern, die zurzeit auf dem Markt sind, beziehungsweise, die in Kürze auf den Markt gebracht werden können, die auch von der Bundespolizei gerade gestestet werden, hätte man diesen Sprengstoff erkennen können.

Krauter: Kommen wir zu den ethischen Bedenken. Da geht es um Eingriffe in die Privatsphäre, weil die Menschen, die durch diese Schleuse laufen sozusagen bis auf die Haut splitternackt ausgezogen werden. Teilen sie diese Bedenken?

Beigang: Die Bedenken bestehen sicherlich und man muss sich fragen, was einem eine erhöhte Sicherheit dann wirklich wert ist. Es gibt aber auch Verfahren, die mehr oder weniger automatisch erkennen, wo Unregelmäßigkeiten am Körper sind und dann praktisch diese Stellen darstellen an einer Strichfigur oder an einem stilisierten Menschen. Und dadurch wird praktisch der Einblick in die Privatsphäre sehr herabgesetzt.

Krauter: Also Anonymisierung durch Abstraktion, das ist sozusagen die Devise. Nun haben Politiker wie zum Beispiel der CDU-Mann Wolfgang Bosbach gesagt, schon in einigen Monaten könnten solche verfeinerten Scanner, die eben nur Piktogramme zeigen, bereits auch an deutschen Flughäfen erprobt werden. Ist das denn aus Ihrer Sicht ein realistischer Zeitplan?

Beigang: Ich würde ihn, sagen wir mal, für optimistisch halten. Also ich denke, dass an diesen Methoden gearbeitet wird. Es ist aber nicht so ganz trivial für einen Computer, Unregelmäßigkeiten am menschlichen Körper zu erkennen. Der Mensch kann es durch bloßes Ansehen sofort erkennen, ob etwas dahin gehört oder nicht. Für den Computer ist das nicht ganz so einfach, weil es eben nicht den Standardmenschen gibt, sondern alle sehen anders aus. Und das erfordert einige Softwareentwicklung, um diese Dinge wirklich sicher zu machen.

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