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StartseiteCampus & KarriereExkursion nach Afrika14.09.2007

Exkursion nach Afrika

Studierende erforschen in Äthiopien das Unkraut Parthenium

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder Afrikas. Obwohl es in seinem Hochland aisreichen fruchtbare Anbaufläche gäbe, leidet das Land unter Nahrungsmittelengpässen. Dafür sind neben Trockenheit, schlechter Infrastruktur und Geldmangel auch eingeschleppte Pflanzen verantwortlich. Besonders schnell breitet sich das Unkraut Parthenium aus. Sechs Studierende aus Berlin haben die Pflanze jetzt vor Ort erforscht.

Von Thomas Guthmann

Die Untersuchung der in Äthiopien gesammelten Pflanzenproben findet in Deutschland statt. (AP)
Die Untersuchung der in Äthiopien gesammelten Pflanzenproben findet in Deutschland statt. (AP)

Dr. Taye Tessema, zuständig für invasive Pflanzen im nationalen Pflanzenschutzzentrum zeigt auf ein Stück Weideland. Überall blüht eine einzige Pflanze. Es scheint, als ob das fast hüfthohe Gewächs mit seinen feinen Blättern und weißen Blüten angebaut würde. Dabei ist Parthenium keine Kulturpflanze, sondern ein Unkraut. Vor rund dreißig Jahren wurde die Pflanze nach Äthiopien eingeschleppt, heute überwuchert sie zunehmend Anbauflächen und bedroht nicht nur die Landwirtschaft, wie Tessema erklärt:

" Das Unkraut betrifft nicht nur die Anbauflächen für Getreide, wo es auftritt, breitet es sich im gesamten Ökosystem aus, auch auf Weideflächen. Damit ist auch die Viehhaltung betroffen. Durch die Verbreitung der Pflanze namens Parthenium ist zudem die Biodiversität bedroht. Denn die Pflanze wächst an unterschiedlichen Standorten. Sie verbreitet sich über Fernstraßen, breitet sich dann auf die Felder und Weiden aus und verdrängt die einheimischen Pflanzen. Zudem verursacht die Pflanze allergische Reaktionen bei Mensch und Tier. "

Um mehr über das Unkraut zu erfahren, reisten sechs Studierende der Humboldt-Universität Berlin nach Äthiopien. Die Kooperation kam durch einen persönlichen Kontakt zustande, denn Taye Tessema hat selbst in Berlin promoviert. In einem dreimonatigen Aufenthalt im Land beschäftigten sich die Studierenden intensiv mit dem Unkraut. Ihre Forschungsarbeiten behandeln verschiedene Aspekte des Phänomens Parthenium. Es geht um die volkswirtschaftlichen Auswirkungen, die allergenen Stoffe, die das Unkraut enthält und über mögliche biologische Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Parthenium. Für Julia Janke, eine der Studierenden, war der Forschungsaufenthalt in Äthiopien aus mehreren Gründen attraktiv:

" Ich fand vor allen Dingen das Thema sehr interessant, ich finde es auch interessant, an einem Thema mitzuarbeiten, dass so eine Relevanz hat, dann war es auch spannend, nach Äthiopien zu fahren. Es war sehr interessant, dort arbeiten zu können, weil ich denke, dass man Land und Leute auf ne ganz andere Art kennen lernen kann, als wenn man da als Touristin hinfährt. "

Julia Janke sammelte in Äthiopien Pflanzenproben. Viele der Versuche konnte in Äthiopien nicht durchgeführt werden, weil die Labors dafür nicht ausgestattet sind. Auch eine Erfahrung, die die Studierenden in Äthiopien machen mussten. So bleibt das Urteil über den Aufenthalt auch zweigeteilt:

" Ich war wirklich überrascht von der Herzlichkeit der Menschen da, superfreundlich, wir sind total herzlich empfangen worden, auch den Menschen, denen man auf der Straße begegnet waren alle total nett, offen und herzlich und das war wirklich wunderschön. Ich kann aber auch nicht verheimlichen, dass es sehr anstrengend war. Wir hatten alle ein bisschen körperliche Probleme, sowohl was die Mageninfekte anging auch mit der starken Höhenlage kamen wir nicht alle gut zu recht. Das Arbeiten war auch anstrengend, ich bin zum Beispiel über weite Strecken in dem Land gefahren auf sehr holprigen Straßen, dass war auf jeden Fall sehr anstrengend unterwegs zu sein, das Material zu sammeln. "

Zurück in Berlin, ist sie nun dabei, die gesammelten Proben auszuwerten. Sie untersucht Krankheitserreger, die in Parthenium vorkommen. Die Ergebnisse sollen neue Erkenntnisse über biologische Bekämpfungsmöglichkeiten des Unkrauts bringen.

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