Umwelt und Verbraucher / Archiv /

Fassbrause ist nichts für Kinder

Ein Sommergetränk mit Nostalgieeffekt

Von Peter Kolakowski

Fassbrause wird oft mit "alkoholfrei" deklariert, obwohl geringe Alkoholmengen enthalen sind.
Fassbrause wird oft mit "alkoholfrei" deklariert, obwohl geringe Alkoholmengen enthalen sind. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)

Ein gutes Dutzend Anbieter mischt inzwischen mit beim Geschäft mit der Fassbrause. Das Getränk mit dem Retrocharme gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, preiswert ist es nicht und auch nicht unbedingt frei von Alkohol - obwohl es als alkoholfreies Getränk beworben wird.

Gerade für Kinder gilt sie als wohlschmeckende Alternative zu vielen stark zuckerhaltigen Getränken wie Cola oder Fruchtnektare - die Fassbrause. Ein schon seit Jahrzehnten bekannter Durstlöscher erklärt Isabelle Keller, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn.

"Also Fassbrause im Allgemeinen oder traditionell war früher einfach eine Limonade mit Frucht- oder Kräuterauszügen und Malzextrakt, in der Regel Malzsirup, etwas Geschmack Gebendes mit dabei."

Doch die Fassbrause, die die Hersteller, in der Hauptsache Brauereien da zusammenmixen, hat nicht unbedingt etwas mit dem traditionell hergestellten Brausegetränk zu tun. Der Begriff Fassbrause ist nämlich nicht gesetzlich geschützt, sodass sich unter dem Namen Mischgetränke verschiedenster Art wiederfinden.

"Es ist wirklich ein Mode- und Trendgetränk geworden, und man findet immer häufiger nicht nur diesen Malzextrakt, sondern Bierbrauprodukte, also die beim Bierbrauen entstehen, meistens eben alkoholfreies Bier oder verwandte Substanzen."

Immer mehr Brauereien bieten Fassbrause als alkoholfreies Erfrischungsgetränk in verschiedenen Geschmacksrichtungen an. Unter dem Begriff Fassbrause kann sich also ein Biermischgetränk oder auch eine Brause verbergen. Dabei enthält auch sogenanntes alkoholfreies Bier Alkohol, nämlich bis zu 0,5 Prozent, weshalb auch dieses Bier, wie auch Fassbrause, für trockene Alkoholiker absolut tabu ist. Eltern, die ihren Kindern eine Fassbrause gönnen, sind sich meist nicht darüber im Klaren, dass hier Alkohol ausgeschenkt wird. Isabell Keller:

"Das ist auch die Krux für den Verbraucher und gerade, wenn man es Kindern zu trinken geben möchte. Wenn es nur eine Limonade ist, mit Kräuterauszügen, Fruchtauszügen, dann kann man das gerne - nicht in hohen Dosen - ab und zu den Kindern gerne mal geben. Wenn da aber jetzt alkoholfreies Bier mit drin ist, dann wird es problematisch. Ein weiterer Punkt, was ich eben kritisch sehe, wenn es eben nach Bier schmeckt, dann gewöhnen sich die Kinder natürlich auch an den Geschmack von Bier und das sollte nicht sein."

Durch die Deklaration "alkoholfrei" würden die Konsumenten getäuscht, kritisieren Verbraucherschützer. So fordert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, dass Käufer bei der Auslobung "alkoholfrei" ein Getränk erwarten können, das 0,0 Volumenprozent Alkohol enthalte. Dies müsse auch für alkoholfreies Bier gelten. Biere mit geringem Alkoholgehalt bis 0,5 Prozent und eben auch Fassbrause mit Alkohol sollten durch andere Bezeichnungen wie "wenig Alkohol" oder "alkoholarm" von echten alkoholfreien Getränken zu unterscheiden sein. Zusätzlich sollte der tatsächlich enthaltene Restalkoholgehalt auf dem Etikett gekennzeichnet werden. Isabell Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung rät daher zu genauso wohlschmeckenden Alternativen, damit sich Kinder und Erwachsene ohne Bedenken zuprosten können.

"Das Durstlöschergetränk Nummer eins ist immer noch Wasser, es kann natürlich auch das Mineralwasser sein, es kann natürlich der Spritzer Zitrone drin sein, es können Früchte- oder Kräutertees sein, die man kühl stellt. Oder man macht Eiswürfel mit rein. Kinder lieben es, wenn bunte Eiswürfel mit drin sind, wenn man einfach Orangen- oder Traubensaft einfriert und die dann zum Wasser oder Früchtetee mit rein gibt. Das sieht gut aus und animiert die Kinder zum Trinken."

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Umwelt und Verbraucher

Billige Kohle aus KolumbienUmweltverschmutzung und ein blutiges Geheimnis

Ein Minenarbeiter in Kolumbien verlässt eine Kohlemine, in der er mehrere Stunden lang gefangen war

Die größte Kohlemine der Welt liegt in Kolumbien und prägt das Gesicht einer ganzen Region. Schwarz und staubig ist die Luft. Das ist der Preis, den Arbeitskräfte und Bevölkerung dafür zu zahlen haben, dass auch deutsche Kraftwerke günstig Strom produzieren können.

Was hilft gegen Wildkaninchen? Jagen, vergiften oder vertreiben

Ein junges europäisches Wildkaninchen

Wildkaninchen können auf einem Beet in kürzester Zeit Tabula rasa machen. Ein Problem, das neben vielen Hobbygärtnern auch Verantwortliche für kommunale Grünflächen umtreibt. Es gibt unterschiedliche Methoden, den Nagern den Appetit zu verderben. Was wirklich hilft, macht Mühe und ist nicht ganz preisgünstig.

Leipziger AuenwaldStreit um den Eisvogel

Ein Eisvogel sitzt mit einem kleinen Stichling im Schnabel am 25.01.2013 auf einem Ast über einem Wassergraben im Oderbruch nahe Mallnow (Brandenburg).

Eines der größten Auwald-Gebiete zieht sich mitten durch Leipzig. Dort lebt und brütet der seltene Eisvogel. Naturschützer fordern deswegen Einschränkungen für den Bootsverkehr. Doch Wassersportler wollen das Gewässer nutzen, und auch die Stadt - vor allem für Touristen.