• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 13:30 Uhr Zwischentöne
StartseiteCampus & KarriereForscher aus dem Ausland13.12.2007

Forscher aus dem Ausland

Das novellierte Zuwanderungsgesetz und seine Folgen

Seit knapp zwei Wochen können Forschungsinstitute sie nutzen, die neue EU-Forscherrichtlinie. Sie ermöglicht ihren Mitgliedsstaaten, selbst Aufnahmevereinbarungen mit ausländischen Forschern abzuschließen. Bislang prüften die Ausländerbehörden, ob für die ausländischen Forscher Bedarf bestand. Diese Kompetenz ist nun auf die Universitäten selbst übergegangen. Die Humboldt-Stiftung lud zu einem Workshop zu den neuen Richtlinien ein.

Von Kersten Knipp

Bislang galt es gerade für Wissenschaftler aus Nicht-Eu-Staaten erhebliche Hürden zu überwinden. (AP)
Bislang galt es gerade für Wissenschaftler aus Nicht-Eu-Staaten erhebliche Hürden zu überwinden. (AP)

Die Länder der Europäischen Union stehen im Wettbewerb - untereinander, aber auch mit den anderen Regionen der Welt. Sie konkurrieren um Arbeitsplätze, Umsätze, aber auch um talentierte Forscher. Die nämlich werden in Europa rar. Dies hat auch darum Konsequenzen, weil der Kontinent künftig, einen beachtlichen Teil seiner Wirtschaft auf Wissenschaft gründen will. Es kommt darum durchaus auch auf Masse an, berichtet Gerhard Duda von der Hochschulrektorenkonferenz:

"Und das Ziel dieser Richtlinie war, einen Beitrag zu leisten, damit Europa das berühmte Drei-Prozent-Ziel erreicht, spricht drei Prozent des Bruttosozialproduktes für Forschung. Und man war sich darüber im Klaren, dass man dafür einfach mehr Forscher braucht, um dieses Ziel zu erreichen."

Für die Forscher selbst bringt die neue Richtlinie erhebliche Vereinfachungen. Bislang galt es gerade für Wissenschaftler aus Nicht-Eu-Staaten erhebliche Hürden zu überwinden. Aber auch, wenn die genommen waren, mussten die Forscher erhebliche Einschränkungen hinnehmen, berichtet Barbara Sheldon von der Humboldt-Stiftung:

"Es gab mitunter auch Schwierigkeiten, wenn Forscher eine Einreisegenehmigung hatten für ein bestimmtes Land in Europa, dann wurden sie zu einer Konferenz in ein anders eingeladen, und es gab manchmal Schwierigkeiten, von dem einen Land in das andere zu reisen. Nun ist aber ein Forscherleben von Mobilität gekennzeichnet, das wird immer wieder gefordert auf politischer Ebene, deshalb müssen auch die Rahmenbedingungen so sein, dass man mobil sein kann als Forscher."

Wer sich nicht in der einen Weltregion nicht bewegen kann, geht in eine andere - und nimmt natürlich auch sein Wissen dorthin mit. Eine restriktive Einreise- und Bewegungsfreiheit kann sich Europa darum gar nicht leisten, berichtet Gerhard Duda:

"Denn sind wir nicht die einzigen, die talentierte Forscher suchen, denn das ist ein heißes Rennen geworden, ein globalisiertes Rennen, das muss man sagen - die USA, Kanada, auch China inzwischen und andere - Australien, Neuseeland, alle suchen talentierte Forscher. Und es wird sehr davon abhängen, dass wir nicht nur einfache Regeln für die Zuwanderung aufstellen, sondern auch attraktive Bedingungen bieten für Forschung, aber auch in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht."

Die erhoffte Attraktivität wirkt sich sehr konkret aus, nicht zuletzt auch für die Kommunen. Für Peter Braun, den Amtsleiter des Einwohneramts Bochum, hat die Richtlinie nicht nur wissenschaftliche Folgen:

"Das ist also ein Wettbewerbsstandortsfaktor par Excellence. Wir haben in Bochum mittlerweile sehr breit Technologien ausgebaut, wir haben diese Konversion, wie man das so schön nennt, also den Umbau von Kohlebergbau und so weiter zu Technologienzentren, das haben wir wunderbar hinbekommen, und deshalb sind wir natürlich auch bestrebt insgesamt, ausländische Wissenschaftler für uns eben in Bochum das attraktiv zu machen. "

Dies hat sich offenbar noch nicht überall herumgesprochen. Das neue Gesetz, so Tina Odenthal von der Universität Bonn, soll den Kommunen auch die Bedeutung der Wissenschaft für Europa vor Augen führen:

"Wobei wir eine große Verbesserung sehen, ist, dass die Forscherrichtlinie den Status des Forschers stärker ins Bewusstsein rückt. Die Erleichterungen, die es auch vorher schon gab für Wissenschaftler wurden vielleicht in einzelnen Auslandsvertretungen oder Ausländerämtern nicht immer so umgesetzt, wie es vom Gesetz vorgesehen war, da es nicht so im Bewusstsein der Mitarbeiter dort stand. Durch die neue Forscherrichtlinie, das eigene Forschervisum erhoffen wir uns, dass der Status des Forschers stärker in den Vordergrund rückt, dass eben dann auch ein Bewusstsein entsteht und dass die Erleichterungen dann auch immer umgesetzt werden."

Die Konsequenzen der neuen Richtlinie sind erheblich. In Bochum, berichtet Peter Braun, führen sie zu einer erheblichen Steigerung der ausländischen Wissenschaftler:

"Wir haben im Moment etwa jährlich etwa 700 Gastwissenschaftler bei uns an der Uni, und ich gehe mal davon aus, je mehr diese Konversation letztendlich weiter entwickelt, dass wir da so etwa auf eine Größenordnung von etwa 1000 Wissenschaftlern im Jahr kommen."

Wissenschaft als Standortfaktor. Nicht zuletzt zeigt die neue Richtlinie, dass Geld und Geist eben doch zusammengehören - viel enger wohl, als bislang angenommen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk