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Seit 17:30 Uhr Nachrichten
StartseiteWunden der Erde - TagebuchForstwirtschaft im Weld Valley24.11.2011

Forstwirtschaft im Weld Valley

Peter McQuillan ist ein schmächtiger Mann mit grauen Haaren und Brille. Um neun Uhr morgens klingelt er und nimmt mich mit auf eine Exkursion ins Weld Valley, einige Dutzend Kilometer südwestlich von Hobart.

Von Monika Seynsche

Der Weld River im Südosten Tasmaniens (Monika Seynsche / Deutschlandradio)
Der Weld River im Südosten Tasmaniens (Monika Seynsche / Deutschlandradio)

Wir fahren durch sanfte Täler voller Apfel- und Kirschbäume auf den Wald zu, der dunkelgrün am Horizont auftaucht. Dort angekommen biegt Peter McQuillan auf eine Schotterstraße ab, die sich zwischen gewaltigen Eukalyptusbäumen und dichtem Unterholz hindurchschlängelt.

Abgeholzte Waldflächen (Monika Seynsche / Deutschlandradio)Abgeholzte Waldflächen (Monika Seynsche / Deutschlandradio)Nach einigen Hundert Metern stoßen wir auf eine Lichtung. Es sieht aus wie ein Schlachtfeld. Einen Meter hoch ist der Boden bedeckt von totem Holz, Rinde und Ästen. Das bleibe nach der Abholzung übrig, erzählt der Ökologe der Universität von Tasmanien. Die wertvollen Baumstämme seien wahrscheinlich schon lange zu Holzschnitzen verarbeitet. Der Rest werde bald verbrannt, um einen günstigen Nährboden für die Samen der beiden Eukalyptusarten zu schaffen, die die Forstverwaltung kurz nach dem Feuer aussäen werde. In 15, 20 Jahren werde dann wieder alles abgeholzt.

Diese Art der Forstwirtschaft sei alles andere als nachhaltig, sagt der Forscher. Die alten Wälder Tasmaniens würden einfach zerstört, und durch fast reine Monokulturen ersetzt, die für viele, nur noch auf Tasmanien vorkommende Tier- und Pflanzenarten keinen Lebensraum mehr böten. Wir fahren weiter durch Wälder, die mit Narben übersät sind. Immer wieder blinken zwischen Baumdickichten leere, graue Flächen auf.

Die Rodungen hinterlassen eine fragmentierte Landschaft (Monika Seynsche / Deutschlandradio)Die Rodungen hinterlassen eine fragmentierte Landschaft (Monika Seynsche / Deutschlandradio)Später am Tag bringt mich Peter McQuillan zurück nach Hobart. Während er das Auto durch die Vororte von Hobart steuert, zeigt er immer wieder auf einzelne Häuser rechts und links der Straße. Dort sei Charles Darwin zum Abendessen eingeladen gewesen, und da hinten in dem Haus habe er ebenfalls gespeist. Das Spiel wiederholt sich mindestens fünfmal. Wenn man bedenkt, dass Darwin nur zwei Wochen in Hobart verbracht hat, muss er sehr beliebt gewesen sein. Oder es gab im Februar 1836 in Tasmanien nicht so viel Auswahl an Dinnergästen, die man einladen konnte. In dem Haus da drüben habe Charles Darwin seinen 27. Geburtstag gefeiert.

Am späten Nachmittag bin ich mit einer Forscherin verabredet, die untersucht, welche Umweltauswirkungen der Abbau von Sand auf die Ökosysteme der betroffenen Inseln hat. Ich habe ihr im Vorhinein unzählige Emails geschrieben, um ihr zu erklären, wer ich bin, was ich von ihr möchte und was für ein Sender der Deutschlandfunk ist. Am Ende hat sie eingewilligt, sich immerhin mit mir zu treffen, um sich darüber zu unterhalten, ob sie mir ein Interview gibt oder nicht. Sie ist entweder paranoid oder sie hat sehr schlechte Erfahrungen mit Journalisten gemacht.

Wir treffen uns also zum Tee und sie stellt wieder die gleichen Fragen, die ich ihr schon per Mail ausführlich beantwortet hatte. Ich beantworte sie wieder.
Fish and Chips im Hafen von Hobart (Monika Seynsche / Deutschlandradio)Fish and Chips im Hafen von Hobart (Monika Seynsche / Deutschlandradio)Es kostet mich 15 Minuten, meinen gesamten Charme und einen guten Teil meiner Nerven, sie davon zu überzeugen, dass ich keine sensationslüsterne Klatschreporterin bin, deren einziges Ziel es ist, ihr jedes Wort im Mund herumzudrehen. Um mein Nervenkostüm nach dem Interview wieder etwas aufzubauen, schlendere ich zum Hafen von Hobart und gönne mir die besten Fish & Chips der Welt.

Die Recherchereise wurde mit Mitteln der Robert Bosch Stiftung im Rahmen der Initiative Wissenschaftsjournalismus gefördert.

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