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Gefahr aus dem Duschgel

Duftstoffe könnten Umwelt und Gesundheit schädigen

Von Brigitte Osterath

Was an Duftstoffen über den Abfluss nach Draußen gelangt, könnte der Umwelt nachhaltig schaden.
Was an Duftstoffen über den Abfluss nach Draußen gelangt, könnte der Umwelt nachhaltig schaden. (Stock.XCHNG / Fleur Suijten)

Umwelt.- Shampoos und Duschgels sind oftmals Chemikalien wie Citronellol, Cumarin oder Linalool beigesetzt. Die Stoffe sollen für den guten Duft auf der Haut sorgen. Allerdings können sie eine Gefahr für die Umwelt darstellen - und vielleicht auch für die Gesundheit.

Auf vielen Kosmetik- oder Reinigungsartikeln, zum Beispiel auf einer Shampooflasche, findet man unter den Inhaltsstoffen einfach nur das Wörtchen "Parfüm" oder "Duftstoffe". Unter diesen Oberbegriffen verbergen sich oft viele verschiedene Substanzen, die laut europäischer Richtlinie aber nicht extra benannt werden müssen, da ihre Konzentrationen meist nur sehr gering sind.

"Wenn man die alle aufführen müsste, dann hätten wir wahrscheinlich meterlange Liste auf vielen Kosmetikprodukten",

sagt der Chemiker Richard Bolek, Umweltwissenschaftler an der Universität Lüneburg. Er hat in seiner Doktorarbeit berechnet, wie viel Reinigungsmittel eine Klinik im Jahr verbraucht und welche Menge an Duftstoffen dadurch schließlich im Abwasser landet. Das waren Konzentrationen von einigen Nanogramm pro Liter − sehr wenig also. Allerdings weiß man von Arzneimitteln, dass diese in ähnlich geringen Konzentrationen im Abwasser eine Wirkung entfalten und Schäden anrichten können. Über die Duftstoffe weiß man hingegen kaum etwas: So ist es selbst für die Hersteller oft ein großes Rätsel, was am Ende mit ihren Produkten passiert:

"Für die gilt grundsätzlich, dass sie bei normaler Verwendung für die menschliche Gesundheit sicher sein müssen, normale Verwendung heißt also zum Beispiel für ein Duschgel: Sie reiben sich damit ein und spülen es gleich wieder ab. Für diese Anwendung soll es sicher sein, über längerfristige Auswirkungen wird eigentlich nichts gesagt."

Genau zu solchen längerfristigen Auswirkungen kann es aber kommen, denn leicht biologisch abbaubar waren nur ein Viertel der Duftstoffe, die Richard Bolek untersucht hat. Auch die Substanz Lilial verbleibt längere Zeit im Abwasser und kann dort weiterreagieren. Lilial, für den Chemiker Butylphenylmethylpropional, duftet nach Maiglöckchen. Im Abwasser wandelt es sich aber allmählich zu Lilialsäure um, wie Bolek entdeckt hat.

"Die Lilialsäure ist als Autooxidationsprodukt des Lilials selber entstanden, das heißt, da braucht es eigentlich kein weiteres Reagenz, sondern das entsteht von sich alleine, und halt auch in Wasser. Das heißt also, sobald Sie Lilial selber im Wasser haben, werden Sie wahrscheinlich auch irgendwo die Lilialsäure haben, die dort nach und nach gebildet wird."

Lilialsäure ist unter Toxikologen keine Unbekannte. Vor einigen Jahren hat eine andere Studie bereits Beunruhigendes über sie herausgefunden.

"Diese Substanz wurde an Ratten verfüttert und man hat feststellen können, dass bei den Ratten bei einer Konzentration von 50 mg/kg die Spermienproduktion vollständig gestört worden ist. Ich hab leider noch nicht gefunden, dass weitere Konsequenzen draus gezogen worden sind, vermutlich, weil die Konzentration einfach zu gering war, als dass man sagte, dass der Mensch davon direkt betroffen wird. Was natürlich passiert, wenn es ständig eingeleitet wird und wenn wir eine chronische Exposition haben, das heißt, wenn ständig dieser Schadstoff in die Umwelt entlassen wird, das steht auf einem anderen Blatt und - ja, weiß man nichts dazu."

Auch die neue europäische Chemikalienverordnung Reach wird an der Gesetzeslage in Zukunft wohl nicht viel ändern: Reach schreibt zwar vor, dass die Chemikalienhersteller mögliche Folgen ihrer Produkte auf die Umwelt abschätzen müssen − allerdings nur bei Substanzen, von denen erhebliche Mengen hergestellt werden. Duftstoffe sind aber bereits in sehr geringer Konzentration stark wirksam: Ihre Jahresproduktionsmengen liegen daher vermutlich in den meisten Fällen unter den Grenzwerten, ab denen Stoffe nach Reach genauer zu untersuchen sind. Richard Bolek sieht beim Thema Duftstoffe die Verbraucher gefragt: Die Nachfrage bestimme schließlich den Markt.

"Ich persönlich habe zum Beispiel ein duftstofffreies Duschgel für mich zu Hause, wir haben duftstofffreies Waschmittel, wir versuchen weitestgehend auf diese Substanzen zu verzichten, weil sie eigentlich keinen nachhaltigen Reinigungszweck erfüllen, sondern rein dafür da sind, um eine gute Stimmung zu erzeugen, oder um einen einfach ans Produkt zu binden, weil es so gut riecht."

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