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StartseiteCampus & KarriereGemeinsam lernen im Netz03.12.2009

Gemeinsam lernen im Netz

Educa 2009: Stand und Zukunft des Online-Networkens

Die Kontaktpflege auf Internetplattformen wie studiVZ oder Facebook ist für Studierende heute nicht nur Vergnügen, sondern kann auch ein wichtiger Karrierebaustein sein. Man kann Online-Netzwerke aber auch zum gemeinsamen Lernen einsetzen. Beispiele sind auf der Konferenz <papaya:link href="http://www.online-educa.com/" text="Online Educa Berlin" title="Online Educa Berlin" target="_blank" /> zu sehen.

Von Daniela Siebert

E-Learning mit Second Life auf der Konferenz Online Educa Berlin (David Ausserhofer/ICWE)
E-Learning mit Second Life auf der Konferenz Online Educa Berlin (David Ausserhofer/ICWE)
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Online Educa Berlin

Die Britin Gilly Salmon hat nicht den geringsten Zweifel: Dem E-Learning und damit auch dem Online-Networking von Studierenden gehört die Zukunft. Sie ist Professorin für E-Learning und Learning Technologies an der Universität von Leicester. Dort sind derzeit um die 7000 Fernstudierende eingeschrieben, zumeist in Master-Studiengängen. Sie leben weit weg von der Uni, sei es in den USA, der Karibik oder dem Mittleren Osten. Trotz dieser Entfernungen würden diese Studierenden in virtuellen Arbeitsgruppen zusammenarbeiten und damit gute Erfahrungen machen erzählt Salmon. Ihre Hochschule habe in diesem Jahr sogar den ersten Platz bekommen in einer Studierenden-Umfrage zu ihrer Zufriedenheit. Kein Wunder, wenn man hört, wie kreativ in Leicester das Internet genutzt wird:

"Unsere Archäologiestudenten treffen sich zum Beispiel in Second Life, wo wir für sie antike Gesellschaften rekonstruieren. Es geht also nicht nur darum, Diagramme anzugucken, sondern man vollzieht das damalige Leben nach, etwa das der Armeen, um das Lernen zu fördern."

Auch die Psychologiestudenten nutzen in Leicester Second Life, um Evakuierungssituationen zu üben.

Es gibt keinen, aber auch wirklich keinen Fachbereich, in dem sich Gilly Salmon den Einsatz von Online-Netzwerken nicht vorstellen kann. Natürlich spart eine Hochschule mit Online-Angeboten Geld. Sie kann dadurch aber auch eine Klientel erreichen, die sonst nicht studieren könnte. Das ist auch für Gilly Salmon entscheidend:

"Die Mehrzahl unserer Fernstudierenden ist voll berufstätig. Als Manager, Psychologen oder in anderen Berufen. Die könnten rein physisch gar nicht anders lernen. Das ist aber gar kein Nachteil, denn so lernt und arbeitet man gleichzeitig und wendet das Erlernte täglich im eigenen Kontext an. Sie können sich also auf eine Art mit anderen treffen, die unmöglich wäre, wenn sie für ein paar Tage auf den Campus kommen müssten."

Auch an deutschen Hochschulen werden zunehmend Online-Lösungen eingesetzt. Auch fürs Netzwerken. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist Michael Tighe. Er unterrichtet Wirtschaftswissenschaftler an der FH Köln im Masterstudiengang Cross Cultural Management. Die Studierenden kommen nur einmal pro Woche im Seminar zusammen. Den Rest der Zeit arbeiten sie über verschiedene Online-Anwendungen zusammen. Michael Tighe sieht darin eine Vorbereitung auf das wahre Leben:

"Meine Studenten werden in Zukunft häufiger in virtuellen Teams arbeiten. Jetzt mit der Wirtschaftskrise, viele Firmen: Die Reisebudgets sind nicht mehr vorhanden, man wird mit der zunehmenden Globalisierung mehr oder weniger gezwungen, virtuell zu arbeiten und ich möchte meine Studenten auf die Besonderheiten im Virtuellen vorbereiten, dass die eine Vorstellung haben, wie man virtuell auch effektiv arbeiten kann."

Weder Tighe noch Gilly Salmon haben Skrupel, dass durchs Online-Netzwerken auch Studierende ausgegrenzt werden könnten. Dabei müssen diese die notwendigen Computer und leistungsfähigen Internetanschlüsse meist selbst organisieren, da das asynchrone Internetarbeiten nicht immer über die Rechenzentren der Universitäten abgewickelt werden kann.

Graham Attwell, britischer E-Learning-Experte und Gastwissenschaftler an der Universität Bremen, sieht darin sehr wohl ein Problem:

"Ja, da gibt es ein Problem mit der digitalen Ausgrenzung. Ein anderes Problem ist, dass Computerkenntnisse immer wichtiger werden. Die Antwort ist aber nicht: Da gibt es ein Ausgrenzungsrisiko. Das gab es immer. Wir müssen Wege der Einbeziehung finden."

Ein Weg könnten billigere mobile Computer sein. Und Universitäten, die schnelle kostenlose WLAN-Netze bereitstellen.

Attwell ist überzeugt, dass Online-Networken die klassische Form des Lernens nicht ersetzen, aber dauerhaft ergänzen wird. Alle Technologien, die für soziales Netzwerken verwendet werden, könnten auch fürs studentische Teamwork genutzt werden glaubt Attwell und sieht auch Anzeichen, dass die Entwicklung in diese Richtung geht. Speziell mit Blick auf die Bildungspolitiker mahnt er, die Chancen in der jetzigen Umbruchphase zu nutzen:

"Es gibt Bedrohungen und Chancen für die Zukunft unseres Bildungssystems. Wir müssen diese Chancen und die Potenziale des Internets nutzen, um Bildungsmöglichkeiten auf all die auszudehnen, die sie haben möchten."

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