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Was kommt nach dem Betreiberwechsel im Versuchsbergwerk Asse?

Förderturm Schachtanlage Asse II in Remlingen bei Wolfenbüttel
Förderturm Schachtanlage Asse II in Remlingen bei Wolfenbüttel (AP)

Atompolitik. - Zum Jahreswechsel übernimmt das Bundesamt für Strahlenschutz den Betrieb des Versuchsbergwerks Asse vom Helmholtzzentrum München. Gleichzeitig wird Atomrecht statt Bergrecht gelten. Der Wissenschaftsjournalist Björn Schwentker, erklärt im Gespräch mit Ralf Krauter, was das bedeutet.

Krauter: Herr Schwentker, wird in der Wechsel des Betreibers - 2009 soll ja, wie gehört, das Bundesamt für Strahlenschutz das Sagen haben - wird dieser Betreiberwechsel helfen, die Probleme in der Asse zügig in den Griff zu bekommen?

Schwentker: Ja, die spannende Frage wird in der Tat sein, wie schnell das Bundesamt für Strahlenschutz all das in die Tat umsetzen kann, was es versprochen hat. Denn es hat sich ja viel vorgenommen, beziehungsweise muss nach den neuen strengen Atomrecht viel tun. Es muss einfach sorgfältiger unter Tage arbeiten, es muss und soll besser dokumentieren, was dort eigentlich vor sich geht, es soll mehr Messungen der Radioaktivität dort unten geben. Und das ist alles viel Arbeit und eine große Herausforderung, für die es viele Leute braucht. Zwar wird auch das Bundesamt für Strahlenschutz dieselben Leute weiter beschäftigen, die in der Asse arbeiten - vor allem sind das Bergleute - aber es fehlen Fachleute. Zurzeit werden darum massenweise wirklich viele Stellen ausgeschrieben, und die Einstellungen laufen noch. Und ob das bis Januar alles durch sein wird, da sich die große Frage.

Krauter: Wir haben im Beitrag gehört, dass Bürokratie dem Betrieb gerade lähmt. Wie muss man sich das gerade vorstellen unter Tage. Ist da wirklich Menschenleere oder tote Hose?

Schwentker: Ganz menschenleer ist es nicht, aber viel los ist auch nicht. Im wesentlichen ist man dabei, dort eine Müllhalde entstehen zu lassen, die mehr oder weniger verwaltet wird. Der Grund dafür ist, dass im Moment erst mal nichts nach oben geschafft werden kann, was dort unten anfällt. Das liegt an der Umstellung des Rechtes. Nach dem neuen Atomrecht muss alles genauer vermessen werden, bisher hat man oft zwei radioaktive Stoffe geprüft, Cäsium-137 und Tritium, das sind zwei radioaktive Stoffe, von denen man wusste, dass sie dort vorkommen. Nach dem neuen Recht soll man nun quasi auf alle Stoffe prüfen, die überhaupt radioaktiv sein könnten. Und dafür braucht es neue überprüfbare Messepläne. Die gibt es noch nicht. Und so lange muss alles eben dort bleiben, was dort unten ist, Arbeitszeug, Handschuh, Spaten, Abwässer, auch wenn man nur die Hände damit wäscht. Und auch jede Menge Gebirgswässer, die dort in die Asse eindringen. Das sind immerhin 12.000 Liter pro Tag, die dann dort als Salzlake aufgefangen werden müssen.

Krauter: Das kann aber eigentlich nicht allzu lange gut gehen, wenn da ständig Wasser einströmt, das unten bleiben muss. Wie viel Wasser verträgt der Schacht denn noch?

Schwentker: Ja, das ist eine gute Frage. Die Antwort wäre eigentlich: gar keins mehr. Aber so kann man nicht handeln, denn man kann das Wasser, was dort anfällt, nicht einfach weg bringen. Die Asse läuft sozusagen über im Augenblick. Man hat untertage extra neue große Auffangbecken aus Metall angebracht. Man hat sie dort untertage geschmiedet, man konnte sie nicht vollständig runterbringen, denn früher war es alles einfach, man konnte die Lauge von untertage nach übertage pumpen und dann abfahren und in andere Bergwerke verfüllen...

Krauter: Die Lauge, das ist das Salzwasser?

Schwentker: Das ist das Salzwasser, das aus dem Gebirgswasser entsteht, wenn es durch das Steinsalz des Grubengebäudes tritt. Und diese Lauge, die wollen die anderen Bergwerke jetzt aber nicht mehr haben. Nachdem so viel über die Asse geredet wurde, besteht die Angst, dass diese Lauge kontaminiert ist. Wahrscheinlich ist sie das nicht, es hat in der Tat schon Messungen nach den neuen strengen Vorschriften des Atomgesetzes gegeben, man hat schon einige 1000 Liter dieser Lauge nach oben pumpen müssen, weil unten eben kein Platz mehr war, und die Messungen haben ergeben: es ist nicht kontaminiert. Und jetzt steht das da oben in angemieteten Containern, es werden noch mehr Container angemietet, aber der Platz ist begrenzt und in ein paar Tagen wird man das Problem haben, was tut man mit der Lösung. Bisher, man hat aber keine [Lösung, d. Red.].

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