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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenKulturgeschichte des Gebens und Nehmens26.12.2013

Geschenke und GefälligkeitenKulturgeschichte des Gebens und Nehmens

Die ideellen Werte stehen beim Schenken angeblich im Vordergrund, doch kaum ist der Stress mit den Weihnachtsgeschenken vorbei, wird nicht nur über Umtausch, sondern auch über den nächsten Geburtstag oder das nächste Mitbringsel nachgedacht. Schenken hat eine lange Tradition.

Von Andrea und Justin Westhoff

Verpacktes Geschenk an einem Weihnachtsbaum. (dpa/Jan-Philipp Strobel)
Ein Weihnachtsgeschenk (dpa/Jan-Philipp Strobel)

"Schenken ist also ein sozialer Kitt, im Grunde genommen sind es ja Waren, die man sich sonst als Erwachsener zumindest meist selbst kaufen könnte, und erst durch die Verpackung wird signalisiert, dass es sich um ein Geschenk handelt."

"Also wenn ich zum Geburtstag einlade, und dann kommen die E-Mails oder Anrufe, was ich denn haben möchte, befremdet mich das."

"Ich demonstriere dem anderen ja ein Vertrauen, dass ich also bereit bin, etwas von mir fortzugeben, in der ganz diffusen Erwartung nur, möglicherweise etwas mal zurück zu bekommen."

"Bundeskanzleramt, Foyer, eine Ausstellung über Staatsgeschenke. Eine Vitrine zeigt Staatsgeschenke an Konrad Adenauer, da sieht man zum Beispiel einen Hut aus Silber oder eine kostbare Schatulle, die er vom türkischen Ministerpräsidenten 1954 erhalten hat."

"Hier muss man auch genau gucken, wie lange kann ich eigentlich den Begriff schenken verwenden und wann geht’s dann eben auch in diese Kategorie Tauschhandel über."

"Das ist ja nicht, dass man kein Geschenk nehmen darf, die Gefahr ist bloß groß, wenn man das nicht deutlich reguliert, dass die Grenzen zur Korruption sehr gering werden."

Schenken ist eine uralte Tradition, von unterschiedlichen Zeiten und Kulturen geprägt: mal ein strenges religiöses Ritual, mal eine politische Geste, dann wieder ein ganz individueller Akt. Auf jeden Fall braucht es einen besonderen Rahmen, der das Geben und Nehmen aus dem alltäglichen menschlichen Umgang heraushebt, sagt die Professorin Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums in Berlin.

"Ein Anlass kann sein, dass ein neuer Herrscher inthronisiert wird. Dann lädt man alle ein, etwas anders ist, dass man Bauwerke bei der Öffnung, bei der Fertigstellung feiern will. Es kann auch unter Umständen mal anlässlich einer Beerdigungszeremonie sein, es kann aber auch sein, dass man besonders erfolgreich Beute gemacht hat und dann einfach abgeben möchte und auch abgeben muss, weil man so vom Glück bedient worden ist, um sich gemeinschaftlich zu freuen, was eine wichtige Rolle ist, aber es kommen dann auch ganz – ich sag mal normale – "rites de passages" im Leben eines Menschen dazu, das kann eine Hochzeit, eine Eheschließung sein, das kann irgendein Event im Leben des Menschen sein, den er nicht alleine begehen möchte, aber grundsätzlich: Solche Zeremonien haben viele Menschen auf der Welt."

Die Wurzeln des festlichen Gabentausches reichen weit zurück in der Menschheitsgeschichte. Und es gibt auch nicht eine, sondern mehrere Ursprungstheorien, die von unterschiedlichen Wissenschaftszweigen favorisiert werden.

Eine lateinische Redensart: "Ich gebe, damit Du gibst". Do ut Des – vom Ursprung und Sinn des Schenkens

Nach Meinung von Soziobiologen hat sich das Schenken aus dem Werben um einen Partner und dem Brutpflegeverhalten entwickelt. Es liegt zwar nicht in der menschlichen Natur, wird aber sehr früh erlernt: Schon Kinder merken, dass das freiwillige Abgeben, das Teilen, die Beziehung zu anderen fördert und Aggressionen hemmt. Die berühmteste wissenschaftliche Abhandlung zum Thema ist der Essay "Die Gabe" des französischen Soziologen und Ethnologen Marcel Mauss von 1923, der das Schenken in "archaischen" Gesellschaften untersucht hat. Immer noch eine anregende Lektüre, findet Professor Frank Adloff vom Institut für Soziologie der Universität Erlangen-Nürnberg.

"Die Grundidee von Marcel Mauss war, dass Schenken keine Handlung ist, die abgeschlossen ist in dem Moment, wo geschenkt wurde, sondern dass daraus bestimmte Dinge dann folgen: Erstens muss das Geschenk angenommen werden, und zum Zweiten kann man beobachten, dass in der Regel nach einer Weile etwas zurückkommt."

Für diese Art von Gabentausch prägte Mauss den Begriff "Schenkökonomie“. Hier geht es aber nicht um ein wirtschaftlich berechnendes Geben und Nehmen, sondern um Vertrauen:

"Also unter Freunden ist es ja so: In dem Moment, wo ich helfe, erwarte ich ja keine konkrete Erwiderung, sondern es ist das Vertrauen darauf, dass die Freundschaft weitergeht. Oder ich vertraue darauf, dass insgesamt in einer Gesellschaft indirekt vielleicht auch Dinge erwidert werden. Wenn ich dem einen helfe, dann muss er mir nicht qua Erwiderung etwas zurückgeben, sondern es kann ja auch sein, dass mir das von einer ganz anderen Seite zurückkommt. Und deswegen ist es so ein Vertrauen ganz allgemein in die Gültigkeit von der Wechselseitigkeit, der Reziprozität, sagen wir in der Soziologie."Im Nationalpark Canadas gibt es bizarre Felsen zu sehen. (Eva Firzlaff)"Geschenke zerbrechen Felsen", sagt ein altes spanisches Sprichwort. (Eva Firzlaff)

Marcel Mauss hat im Schenken eine Art "Gesellschaftsvertrag der Naturvölker" gesehen, eine Geste der Gastfreundschaft, die Frieden unter Fremden stiften sollte. Jakob Grimm sah das schon im 19. Jahrhundert ganz ähnlich. Er ging als Sprachwissenschaftler einfach vom Wort aus: "schenken" bedeutet im Althochdeutschen "schief halten, eingießen" – und schrieb

"… daß unsere gastfreien vorfahren aus dem darreichen des trunks den abstracten begriff des gebens überhaupt ableiteten."

Auch heute noch haben Gastgeschenke in den meisten Kulturen eine besondere Bedeutung. In archaischen Gesellschaften waren sie übrigens ganz unsymbolisch und konkret: Benachbarte Stämme gaben vom Eigenen etwas ab, Nahrungsmittel zumeist, aber auch: Frauen. Denn Schenken sollte nicht nur Frieden stiften unter Nachbarn, sondern vor allem einen Ausgleich bringen, meint Viola König.

Das beste Beispiel dafür ist der "Potlatsch" bei den indianischen Stämmen der Nordwestküste Amerikas. Bekannt geworden als exzessives "Fest des Schenkens" sei es ursprünglich eher ein sehr bedachtes "Geschenkeverteilungsritual" gewesen, so die Ethnologin.

"Wir haben es hier mit Gruppen zu tun, die im Wesentlichen vom Fischfang und von den Früchten des Meeres oder des Wassers und der Flüsse leben, ein wenig auch von der Jagd, und wo einzelne Dörfer saisonal bedingt in manchen Jahren nicht genug zum Überwintern hatten, und dann von der Nachbargesellschaft ausgeholfen werden musste und dann man wieder reziprok eben Geschenke gab, um sich zu revanchieren. Das heißt, da wird eigentlich Besitztum und Eigentum, egal ob nun ein guter Lachsfang oder Decken oder Totempfähle was auch immer, da wird, Gut verteilt – "Gut" großgeschrieben."

"Geschenke locken, heißt's, die Götter selbst."– der griechische Tragödiendichter Euripides

Auch im religiösen Kontext zeigen sich Spuren der "Schenkökonomie": Ein wichtiger Ritus in allen Religionen ist das Opfern. Die Götter gelten zwar als übermächtig – vor allem die Naturgewalten wurden ihnen ja zugeschrieben – trotzdem versucht man, sie mit Gaben gnädig zu stimmen. Der Psychologe und Experte für die Geschichte des Schenkens, Dr. Friedrich Rost von der FU Berlin:

"Das heißt, dass man gemerkt hat, dass man mit Geschenken Allianzen schmieden kann, also Vorformen des Vertrags, und dementsprechend hat man auch versucht, die Götter über Gaben zu bestechen, sag ich jetzt mal, und zu verpflichten, ihrerseits gute Gaben zu geben."

Auch das christliche Weihnachten kann durchaus als ein Opferfest gedeutet werden: Als Dank zunächst für das "Gottesgeschenk", die Geburt Christi.

"Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über dem Orte stand, wo das Kindlein war. Und als sie in das Haus gekommen waren, sahen sie das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten ihm; und sie taten ihre Schätze auf und opferten ihm Gaben: Gold und Weihrauch und Myrrhe."

Der weihnachtliche Geschenketausch verknüpft die Idee des Dankopfers mit der des Ausgleichs: Deshalb bedachte man die Armen mit Almosen, und selbstverständlich beschenkte man sich auch innerhalb der Familie – in der Überzeugung nämlich, dass alle guten Gaben von Gott kommen. Daran erinnert heute noch der Brauch, Kindern  gegenüber so zu tun, als ob all die schönen Dinge unterm Weihnachtsbaum das "Christkind selbst gebracht hätte.

"Wer ein Rind geschenkt erhält, muss ein Pferd zurückgeben."- ein altes chinesisches Sprichwort

Es gibt aber nicht nur eine Theorie vom Ursprung des Schenkens. Deshalb kann die Idee vom ausgleichenden Gabentausch nicht generalisiert werden:

"Wir haben halt auch in manchen Fällen gesellschaftliche Konstellationen, in denen das genau auf das Umgekehrte hinausläuft, auf Hierarchie, auf Asymmetrie."

... sagt der Soziologe Frank Adloff.

"Wenn man sich vorstellt, dass es in Gesellschaften einfach Schichten, früher sagte man Klassen, gibt, und die einen können mehr geben als die anderen. Und das stiftet eine Asymmetrie in der Gesellschaft: Diejenigen, die mehr geben können, bekommen dafür eine gewisse Form der Anerkennung, und die anderen, die werden in die niedrige Position gedrückt, einfach dadurch, weil sie nicht erwidern können."

Friedrich Rost vertritt sogar die Auffassung, dass – jedenfalls die europäische – Schenkkultur nicht so viel mit Gastfreundschaft zu tun hat:

"Klar ist, dass nur schenken kann, wer etwas übrig hat, und das muss er sich vorher irgendwo angeeignet haben. Und eine meiner Thesen ist, dass eben der kriegerische Adel anderen Menschen das weggenommen hat, was er dann verschenkt hat, es wurde nur so viel gebrandschatzt und kriegerische Auseinandersetzungen geführt, damit man noch freigebiger schenken konnte."

Geschenke als Zeichen von Wohlstand und gesellschaftlichem Ansehen, verbunden mit der Pflicht zur Erwiderung – all das führt dazu, dass das Schenken zu einem Ritual der Verschwendung mutiert.

Schenkkultur hat nicht so viel mit Gastfreundschaft zu tun

Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür wiederum sind die Potlatsch-Feste der nordamerikanischen Indianer. Denn aus dem friedlichen "Güterverteilungsfest" ihrer Ahnen war mit der Zeit ein irrwitziger Schenkwettstreit geworden.

"Immer mehr Feste werden ausgerufen, zu denen die Stammeshäuptlinge sich gegenseitig einladen. Und dann versuchen sie, den "Gast" mit ihrem Besitz zu übertrumpfen. Sie überhäufen ihn mit Geschenken oder zerstören ihr Hab und Gut: Sie zerschlagen ihre Boote oder wertvolle Kupferplatten; verbrennen große Mengen Fischöl, Pelze und kunstvoll gewebte Decken, manchmal sogar Pferde und Sklaven! Und der Kontrahent muss in gleicher Weise handeln oder als Besiegter davonschleichen."

Diese Exzesse haben vor allem mit der Ankunft der Europäer zu tun, sagt die Ethnologin Viola König.

"Das hat was mit Machtprotzerei zu tun, also mit männlichen Anführern. Dass also dann auch nicht alte Chefs waren, sondern auf einmal relativ junge Leute in so einen echten Wettstreit gegangen sind, und den Anderen beschämen. Als die Europäer kommen, kommen Werkzeuge auf einmal, die es ermöglichen, dass man sehr, sehr viel mehr materielles Kulturgut herstellen kann als vorher. Man hat Äxte, man hat Messer, man kann Holz sehr viel besser in größeren Mengen überhaupt abholzen, schnitzen, man hat andere Materialien von Europäern, die man mit dazu verwenden kann, und dann geht man dazu über, sich gegenseitig fast in den Ruin zu treiben."

Ende des 19. Jahrhunderts schließlich wird der Potlatsch zuerst in Kanada, dann auch in Alaska von den dortigen Regierungen verboten.

"Ab den 1950ern hat man das dann sukzessive wieder erlaubt, und heute ist es ja ein sehr stark festgelegtes Ritual, also ich würde sagen, heute hat man im Grunde wieder das Gleichgewicht gefunden, für das diese Geschenkverteilungsfeste ursprünglich mal gedacht waren."

Und bei uns? Es gibt Wirtschaftswissenschaftler, die den weihnachtlichen Kaufrausch, eigentlich ja nur Gabentausch, als "Orgie der Selbstvernichtung" bezeichnen. Rund 30 Prozent des Jahresumsatzes machen die Geschäfte in der Adventszeit aus, gut 15 Milliarden Euro.

"Ein Fest der Verwandten und Wahlverwandten, ein Fest, das verbindet, wenn Menschen sich besuchen und beschenken mit schönen Dingen, vor allem jedoch mit Zuwendung. "

"Ich geb’ immer so bis 50 Euro aus, also für jedes Geschenk."

"Ein Collier von Tiffanys, ein Designer-Pelzmantel von Sacks oder High Heels von Schuhdesignern wie Manolo Blanick, allesamt klassische Präsente für statusbewusste Menschen mit dickem Geldbeutel. "

"Und dann kaufen wir, was das Zeug hält."

Die ursprüngliche Idee, dass Schenken eine Art "Investition" für die Zukunft ist, sie bleibt auf jeden Fall. Womöglich steckt dahinter ja die magische Überzeugung:

"Wer gibt, dem wird gegeben"

Zwischen Philanthropie und Korruption – Art und Bedeutung des Schenkens heute.

"Ohne dass in der Gesellschaft dauernd gegeben und genommen wird – auch außerhalb des Tausches – würde überhaupt keine Gesellschaft zustande kommen.“ – der Soziologe Georg Simmel, 1958.

Geben und Nehmen als soziales Handeln jenseits rein ökonomischer Interessen – das gibt es auch in der modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, meint der Soziologe Frank Adloff.

"Und da bewegen wir uns in dem Bereich, dass es um das Spenden geht, dass es um Stiften geht, dass es um Hilfeleistungen geht, was einfach organisiert wird heutzutage im sogenannten Non-Profit-Sektor oder in der Zivilgesellschaft. "

"Es sind Leute, die gezielt ihr Geld ohne große Aufregung verteilen wollen "

"Anders als viele chinesische Superreiche, die die Öffentlichkeit scheuen, lässt sich Chen gerne dabei filmen, wenn er Gutes tut, wie er vor einem riesigen Berg von Spendengeldern steht."

"Warum ich das alles tue? Ich komme aus einer sehr armen Familie. "

"Mit seinen genialen Entwicklungen hat er unser aller Leben verändert, mit seinen Visionen und seinem sozialen Engagement will er die Welt verändern: Bill Gates. "

"Die Stadt erlebt seit Monaten ein Wunder: Menschen bekommen Geld geschenkt, wissen aber nicht von wem."

"Zehntausend Euro insgesamt und ein Zeitungsartikel von der Hospizstiftung für Braunschweig, und das hatte der Spender halt kopiert …"

"Es sieht so aus, als ließen die Deutschen sich wirklich anrühren von der Not auf den Philippinen bei der Aktion "Deutschland hilft"

Denen zu schenken, die es brauchen, das hat eine lange Tradition: Almosen gehören in vielen Religionen zu den Grundpflichten. Und auch hier gibt es den Gedanken der Gegenseitigkeit.

"Was immer du auf Erden verschenkst, es wird dich in den Himmel begleiten"

... heißt es im Koran. Auch im Christentum gibt es die Hoffnung, dass milde Gaben und gute

Taten den Weg ins Paradies ebnen. Vor allem im Mittelalter wurde die Kirche daher mit äußerst großzügigen Schenkungen bedacht.

"Irdisches für Ewiges."

Das dürfte heute kaum noch ein Motiv sein, aber eine gewisse Spendenbereitschaft ist meistens da. Frank Adloff hat sich mit den Beweggründen eingehend befasst:

"Wir müssen eigentlich, um das zu verstehen, das Spendenverhalten genauer analysieren, wer eigentlich dazwischen ist. Und das sind die ganzen Spenden sammelnden Organisationen. Und die tun eigentlich etwas, was dem Geben nämlich vorweg geschaltet ist, das Erbitten. Dass von Katastrophen berichtet wird, und dass die Menschen, um die es geht, einerseits gezeigt werden, und dann wird gezeigt, wie kann man als Einzelner konkret helfen, so, und dann schaffen sie es in der Regel, altruistische Motive bei uns zu wecken."

Adloff forscht über selbstloses Verhalten. Er ist sich sicher, dass es Altruismus im besten Sinne tatsächlich gibt, ausgelöst durch Empathie und Mitgefühl, wenn man mit dem Leid Anderer direkt konfrontiert wird. Und auch durch eine Art moralischer Verpflichtung als Mitmensch. Anonyme Wohltäter zum Beispiel gibt es häufiger, als man denkt: Da ist der Unbekannte, der zur Weihnachtszeit Umschläge mit jeweils 50 Pfund in Einkaufswagen von Kunden eines Londoner Kaufhauses steckt – versehen mit einer kleinen Nachricht, wonach er mehr Geld habe, als er braucht. Ein anderer Anonymus spendet mittlerweile seit 20 Jahren der Stadt Görlitz Jahr für Jahr eine Million Euro für Sanierungsarbeiten. Und in Braunschweig verschickt ein moderner Nikolaus Geldumschläge, oft mit Tausenden, an bedürftige Familien oder an engagierte Kirchengemeinden, für Unglücksopfer oder für Kinderprojekte – inzwischen sind es insgesamt schon 200.000 Euro.

Spenden als soziale Tat hat nicht nur ein christliches Vorbild, es gab das schon in der Antike: Erinnert sei nur an Maecenas, den schwerreichen römischen Förderer der Künste, dessen Name Programm geworden ist. Vielleicht tat er es aus „Philanthropie“. Aber im Allgemeinen bestimmt heute wohl nicht nur die „Liebe zu den Menschen“ das Schenken im großen Stil. Oft genug sieht man, dass Spendengelder dann am üppigsten fließen, wenn das Image der Geber etwas angekratzt ist. Mäzene und Stifter bekommen eine Gegenleistung, sagt auch der Soziologe Frank Adloff.

Spenden als soziale Tat gab es schon in der Antike

"Im Grunde verschafft man sich zusätzliches Ansehen. Also man hat natürlich eine gewisse Position, wenn man über bestimmte Ressourcen verfügt, über Geld verfügt. Dann kann ich mehr Dinge damit tun als andere, die über  weniger verfügen. Und in der Regel ist ja sogar auch ein gewisser Wohlstand mit Ansehen verbunden. Nun kann ich dieses Ansehen noch in einen ganz anderen Bereich hinein transformieren, wenn ich philanthropisch tätig werde, dann kann ich mich zeigen als jemand, der gemeinwohlorientiert ist. Dann bin ich nicht nur am Profit orientiert und dort erfolgreich, sondern ich bin obendrein ein erfolgreicher Philanthrop."

Bill Gates fällt einem da natürlich zuerst ein. Allerdings ist diese Schenkkultur in den USA auch weit verbreitet. Melinda und Bill Gates sind, zusammen mit dem Milliardär Warren Buffet, Gründer des "Giving Pledge", einer Stiftung mit einem Vermögen von 35 Milliarden US-Dollar und sicherlich der weltweit bekannteste Spendenklub. Die Mäzene fordern weitere amerikanische Milliardäre dazu auf, die Hälfte ihres Vermögens für gute Zwecke zu spenden. Vierzig von ihnen haben sich dem bisher schon angeschlossen. Das Geld geht in die AIDS-Prävention, an Bildungsprojekte oder Kinder-Impfprogramme in Afrika. Durchaus mit Erfolg:

"Es sterben sehr viel weniger Kinder", sagt Bill Gates, "weniger Familien leben in Armut, mehr Kids gehen zur Schule – aber wir haben noch eine Menge zu tun."

Für sein Engagement gib es weltweit Lob, aber wie bei allen reichen Philanthropen auch kritische Fragen, etwa: Woher haben die Superreichen ihr Vermögen denn eigentlich? Oder: Tragen wirklich alle unterstützten Projekte zu einer besseren Welt bei? Zudem liegt auf der Hand, dass man für großzügige Geldgaben Macht und Einfluss bekommen, böse Zungen sagen: kaufen kann. Auch Stiftungen sollten deshalb kontrolliert werden, fordert Professor Frank Adloff:

"Ich sehe jetzt nicht eine große Gefahr wirklich, dass philanthropische Organisationen massiv im Korruptionsverdacht stehen könnten. Der entscheidende Punkt ist dort vielmehr, dass ich denke, die Gesellschaft sollte ein Mitspracherecht daran haben, was eigentlich getan wird und was vielleicht auch sinnvoll wäre, mit dem gestifteten Geld mittel- und langfristig zu tun. Weil natürlich es nicht nur das private Geld des Stifters ist, was die Stiftung hinterher verausgabt, sondern das Ganze ist ja steuerlich bezuschusst, im Grunde ist es eine Art von Subvention, die wir alle den Stiftungen ermöglichen."

Offenbar sollte man einem geschenkten Gaul eben doch ins Maul schauen, um zu sehen, ob der einen wirklich tragen kann und nicht selbst zur Last wird.

"Wer Gaben nimmt, der ist nicht frei"eine alte deutsche Redensart.

Schenken, dieses komplizierte soziale Gebilde aus Geben, Nehmen und Erwidern, es kann gerade in Wirtschaft und Politik eine gute, aber eben auch heikle Angelegenheit sein. Hier gibt es zudem beachtliche kulturelle Unterschiede, die oft die Differenz zwischen Geschenk und Bestechung ausmachen. Japan zum Beispiel ist "das Land des Schenkens": 26-mal im Jahr kauft die durchschnittliche japanische Familie Präsente. Die japanische Sprache kennt ungefähr 35 verschiedene Ausdrücke dafür, die spezielle Anlässe widerspiegeln: auch zum Beispiel wenn jemand auf Reisen geht, zur Genesung, zu Neujahr oder als Beileidsbekundung. Und es gibt die traditionellen „Sommer- und Winterschenkfeste“, bei denen vor allem  Geschäftspartner und Vorgesetzte bedacht werden. Geschenke sind aus dem gesellschaftlichen und auch Geschäftsleben der meisten Länder nicht wegzudenken. Sie drücken Respekt, Ehrerbietung und Wertschätzung aus. Als Kulturwissenschaftler weiß Professor Jürgen Marten das, aber er ist auch Jurist und stellvertretender Vorsitzender der Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland:

"Es ist natürlich so, dass das in gewisser Weise zur Kultur gehört – was nicht dazu führen darf, dass wir in einer gewissen zentraleuropäischen Arroganz dann sagen: „Korruption ist Bestandteil von bestimmten Kulturen“. Und natürlich ist die Gefahr, dass so eine Geschenkkultur – in Anführungsstrichen – auch sehr viel leichter möglicherweise zur Korruption führt, die ist ja groß. Und das Entscheidende ist: Es muss öffentlich sein, es muss sichtbar sein, es muss transparent sein."

Auch hierzulande sind Geschenke in Geschäftsbeziehungen üblich. Bei Kundenbesuchen oder Verkaufsmessen, zu Jubiläen und vor allem zu Weihnachten beziehungsweise Neujahr werden gern werbewirksame Präsente verteilt. Sie sind aber mittlerweile im Wert begrenzt, um nicht den Verdacht der Bestechung zu nähren.

"Wenn es heißt, ein Mensch sei unbestechlich, frage ich mich unwillkürlich, ob man ihm genug geboten hat."

Das soll Joseph Fouché gesagt haben, Politiker und einer der berühmtesten Drahtzieher im Hintergrund der Französischen Revolution.

"Die Höhe einer Gabe ist nicht so entscheidend. Das hängt vom sozialen Umfeld ab und das hängt auch ab von den Motiven, die dahinter stecken. Ich bin zum Beispiel ganz dagegen, dass Beamte oder Amtsträger irgendwas kriegen; diese ganze Aufregung darüber, wie hoch darf denn das Geschenk sein oder nicht, das kann man sich alles ersparen; wieso muss jemand, der in einem Amt tätig ist, einen Kugelschreiber geschenkt kriegen? Bei dem Kugelschreiber ist ja auch das Entscheidende eigentlich nicht der Wert, sondern dass da immer der Name des Schenkers draufsteht, an den der immer erinnert wird, wenn er eine vernünftige Entscheidung unterschreibt oder so. Korruption ist ja nach unserer Definition die Ausnutzung einer bestimmten Machtfunktion zur Erlangung eines illegitimen und illegalen Vorteils."

In der griechisch-römischen Antike stand Korruption für den Niedergang von Moral und Sitte: die Bestechung von Wählern, Richtern und Beamten. Im Mittelalter sprach man eher von Nepotismus, Vetternwirtschaft, und beklagte diese auch, die Bestechung bei der Wahl des Kaisers war allerdings eine übliche Praxis. Selbst als in Großbritannien im 17. Jahrhundert der Parlamentarismus aufkam, wurden – ohne großes Unrechtsbewusstsein – Parlamentssitze gekauft. In den USA blühte politische Korruption in Form von Stimmenkauf. Zumindest in dieser Hinsicht brachte 1883 der "Corrupt and Illegal Practices Act" eine Wende. Dennoch ist bis heute dieses Geben und Nehmen, um etwas Bestimmtes zu erreichen, überall gang und gäbe. Das hat oft auch mit kulturellen, politischen und lokalen Gegebenheiten zu tun, betont Jürgen Marten:

"Natürlich darf man da nicht blauäugig sein, natürlich wissen wir ja, dass man unter Umständen in einem afrikanischen Land gar kein Krankenhausbett kriegt, wenn da nicht gezahlt wird, sodass man diejenigen, die da Korrupteure sind, nicht einfach negativ anklagen darf, sondern da muss man die Verhältnisse und die Bedingungen ändern. Also uns erzählen ja immer wieder die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die bei Katastropheneinsätzen die Hilfsgüter ins Land kriegen wollen, dass, wenn die nicht etwas zahlen, dass das nicht geht, und das ist natürlich ein Konflikt, aber es ist natürlich alles Korruption."

Deutschland hat sich laut Korruptionsbericht 2013 leicht verbessert auf Platz 12

Deutschland hat sich laut Korruptionsbericht 2013 von Transparency International leicht verbessert auf Platz 12, liegt damit aber weiter nur im Mittelfeld der wohlhabenden Industrieländer.

"Und es gibt natürlich darüber hinaus einen großen gesellschaftlichen Bereich und Verhalten, was wir als korruptiv bezeichnen, was aber gar nicht mit dem Strafrecht zu tun hat und nicht sanktioniert ist, sondern was politisch bewertet werden muss und politisch verhindert werden muss."

Zum Beispiel Luxusreisen inklusive Bordellbesuche, die Versicherungsvertretern gewährt werden, und Schmiergelder, die Betriebsräte vom Management bekommen. Oder auch Journalisten, die wohlwollende Artikel über Ferienorte, Autos oder Restaurants schreiben, und dafür Rabatte, eine Vorzugsbehandlung im Hotel oder andere "kleine Aufmerksamkeiten" erhalten. Oder Ärzte, die von Medizingeräteherstellern "beschenkt" werden oder von Pharmafirmen Forschungsprämien und Kongressreisen bekommen. Die meisten Bestochenen glauben allen Ernstes, dass sie nicht beeinflusst würden. Aber mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Annahme von Gefälligkeiten das Gefühl auslöst, Gegenleistung erbringen zu müssen. Besonders unangenehm fallen schließlich Geschenke an Politiker und Parteien auf. Klassisches Beispiel: die 1999 aufgedeckte CDU-Spendenaffäre. Mehr als peinlich ferner: Deutschland hat die UN-Konvention gegen Bestechung von Abgeordneten auch zehn Jahre nach ihrer Verabschiedung als eines von wenigen Ländern nicht ratifiziert.

"Für manch einen wird da gerade ein Riesen-Tam-Tam um ein paar Hundert Euro veranstaltet, für andere geht es um die grundsätzliche Frage: Hat Christian Wulff sich korrupt verhalten, hat er sich kaufen lassen?"

"Karl-Heinz Schreiber war der Typ, der jeden und alles geschmiert hat, er hat den Fiskus betrogen, wo es nur ging und hat ein ausgeklügeltes System geschaffen, nur um Steuern zu hinterziehen – sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung."

"Spenden als soziale Tat hat nicht nur ein christliches Vorbild, es gab das schon in der AntikeEbesteht der Verdacht, dass verbotenerweise Waffen nach Mexiko und Libyen geliefert wurden; jetzt stellt sich heraus, dass Heckler und Koch in den vergangenen Jahren Tausende von Euro an CDU und FDP gespendet hat, und erneut ermittelt die Staatsanwaltschaft, dieses mal wegen des Verdachts der Bestechung eines Amtsträgers."

"Diese Nähe der Politik zur Industrie sorgt auch für Konfliktstoff, so wie im Fall der Industriellenfamilie Quandt, die jetzt 690.000 Euro an die Kanzlerinnenpartei gespendet hat."

"Die Spende ist umstritten, weil sie zeitlich zusammenfällt mit dem Streit um schärfere Abgasnormen in der EU. Die Bundesregierung hatte erst gestern eine Einigung der EU-Umweltminister auf strengere Normen verhindert."

 Ad absurdum geführtes Prinzip der "Gabe"

Bei Wahl- und Steuergeschenken ebenso wie bei Parteispenden wird das Prinzip der "Gabe" im Grunde ad absurdum geführt: Tatsächlich profitieren hier Geber und Nehmer, und die eigentliche Zeche muss am Ende jemand anders bezahlen. Professor Jürgen Marten, stellvertretender Vorsitzender von Transparency Deutschland:

"Wir haben ja immer wieder eine Reform der Parteienfinanzierung gefordert. Und natürlich wissen wir ja, dass solche Großspenden natürlich Beeinflussung auslösen. Deshalb sagen wir auch da: Großspenden müssen gedeckelt werden, 50.000 Euro pro Jahr pro Unternehmen, pro Person, reichen eigentlich aus. Korruption ist ja nun auch nicht etwas, was sich alle leisten können. Also hier wird der faire wirtschaftliche Wettbewerb zum Beispiel ersetzt durch einen Wettbewerb der Korrupteure. Das viel Schlimmere bei der Korruption ist ja, dass dadurch auch Projekte installiert worden sind, die langfristig negative Folgen haben, dass Korruption langfristig gesehen etwas Schädliches ist."

Doch zum Glück: Nicht jede Gabe im politischen Leben hat etwas Anrüchiges. Es gibt weiterhin das als edel empfundene Schenken und Beschenktwerden, das zu den wichtigsten Ritualen bei Staatsbesuchen gehört. 26. Juni 1963, John F. Kennedy besucht Berlin.

"Der Wagen des Präsidenten steht bereit, wie sehen – elegant wie immer – die Gattin des Regierenden Bürgermeisters Frau Ruth Brandt."

"Der Regierende Bürgermeister wird nun einige Worte sprechen."

Willy Brandt: "Herr Präsident, im Namen aller Berliner heiße ich Sie herzlich willkommen."

Aktuelle Reportage: Bundeskanzleramt, Ausstellung über Staatsgeschenke; in einer Vitrine mit Geschenken für die Bundeskanzlerin gibt es zum Beispiel eine Reproduktion der Rede von John F. Kennedy 1963 vor dem Schöneberger Rathaus, unter anderem die von ihm selbst geschriebene Karte mit:

"I take pride in the words: "Ich bin ein Berliner".

Dieses Präsent, die Redevorlage, hat Barack Obama der Kanzlerin 2013, 50 Jahre nach dem geschichtsträchtigen Besuch Kennedys, überreicht. Staatsgeschenke stellen eine uralte Tradition dar. Sie sollen Spannungen zwischen Ländern abbauen, Verbundenheit signalisieren, für die eigene Politik werben. Manchmal sind sie außerordentlich wertvoll, wie etwa das Bernsteinzimmer, das Friedrich Wilhelm I. dem Zaren Peter dem Großen 1716 geschenkt hat. Mitunter eher kurios: Honecker bekam 1980 von Fidel Castro eine eigenhändig gefangene Languste, die dann präpariert im Naturkundemuseum ausgestellt wurde.

Honecker bekam 1980 von Fidel Castro eine eigenhändig gefangene Languste

Und oft sind die Geschenke zwischen Präsidenten oder Regierungschefs durchaus persönlicher Natur:

"In einer Vitrine sieht man eine Pfeife, die Willy Brandt von Bruno Kreisky, dem österreichischen Bundeskanzler, erhalten hat; übrigens hat auch Helmut Schmidt, in dem Fall von Harold Wilson, dem britischen Premier, eine Pfeife erhalten."

Staatsgeschenk für die Bundeskanzlerin, Originalausgabe eines Buches über Radioaktivität von Marie Curie bei einem Antrittsbesuch 2007 in Berlin vom französischen Premier François Filon, Referenz natürlich an die Physikerin Angela Merkel."

"Was persönlich ist, bestimme ich", hat Konrad Adenauer einst gesagt. Doch heute dürfen die Oberhäupter persönliche Präsente nicht einfach behalten, denn der offizielle Charakter ist vom privaten nicht zu trennen. Staatsgeschenke an Deutschland werden im Fundus von Schloss Bellevue beziehungsweise des Bundeskanzleramtes in einem Tresorraum aufbewahrt: Hier stapeln sich Porzellan, Teppiche, edle Füllerfederhalter oder silberne Zigarettenetuis, aber auch ein Kamelsattel oder ein Barschrank aus Vietnam. Lebende Tiere kommen selbstverständlich in den Zoo. Besonders kostbare Präsente werden an Kunstsammlungen oder Museen weiter gegeben. Oder die Staatsgaben können von der Öffentlichkeit direkt bestaunt werden, wie seit 2008 in der Ausstellung im Foyer des Bundeskanzleramtes.

"Von den älteren Bundeskanzlern gib es nur sehr wenige Staatsgeschenk-Stücke, die in der Ausstellung zu sehen sind, bei Kiesinger zum Beispiel zeigt sich, dass Orden immer Staatsgeschenke waren und bis heute auch noch verliehen werden.

"Ludwig Erhard hat zwei Hüte bekommen, einen Doktorhut, verliehen vom Weizmann Institute of Science in Israel und einen typischen Texashut, einen Stetson, von Lyndon B. Johnson 1963 beim Besuch auf der texanischen Ranch des US-Präsidenten."

"Helmuth Kohl hat bei einem Frankreichbesuch 1988 von François Mitterand ein sehr schönes Mokkageschirr erhalten; er hat aber auch Dinge erhalten, die mehr auf antike Ausgrabungen hinweisen oder auf Kunst und Kunsthandwerk."

Motorsäge für George W. Bush

Waren Geschenke zwischen Staaten früher oft landestypische Kunstgegenstände, so ist es seit einiger Zeit durchaus üblich geworden, auch auf höchster Ebene Praktisches und Nützliches zu geben wie Klinikausstattung oder landwirtschaftliches Gerät für ärmere Länder – Schenken als soziales Handeln im besten Sinne des Wortes. Diplomatische Geschenke sind eben immer auch ein Element der Außenpolitik. Sehr häufig schließlich haben die offiziellen"Mitbringsel" Symbolcharakter.

China schenkte Taiwan, das es als abtrünnige Provinz ansieht, 2008 ein Panda-Pärchen, um die Beziehungen zu verbessern. Aus der Tradition, diese beliebten chinesischen Bären zu verschenken, entstand der Begriff "Panda-Diplomatie". Helmut Schmidt bekam schon 1980 zwei der edlen Tiere von den Chinesen.

"Bundeskanzler Helmut Schmidt erhielt zum Beispiel den Schlüssel für Perus Hauptstadt Lima als Erinnerung an seinen Besuch im Andenstaat."

1886 erhielten die USA die Freiheitsstatue, die mit ihrer vergoldeten Fackel bis heute 46 Meter über den Hafen von New York ragt, ein Geschenk Frankreichs zur

Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Großbritannien. Manchmal ist die Symbolik der offiziellen Staatsgeschenke doch subtiler, als offiziell gewollt: Gerhard Schröder überreichte 2004 George W. Bush eine Motorsäge, gedacht einfach als "Geste unter Männern". Was für Präsente gilt, ist beim persönlichen Schenken nicht anders: Es hat archaischen Charakter, ist kulturell verschieden Ritualen unterworfen, und vor allem sind Geschenke mit widerstreitenden Emotionen verbunden.

"Happy Birthday!"

"Wir sehen den Trend, dass Gutscheine verschenkt werden, wir sehen es aber auch im Bereich Bargeld, ein anderer Trend ist sicherlich der zu einer gewissen Höherwertigkeit."

"Das kann eine Hochzeit, eine Eheschließung sein, das kann ein Event im Leben des Menschen sein, den er nicht alleine begehen möchte."

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft sind die Deutschen in bester Kauflaune. Psychologie und Procedere – Über das Wie und das Was des Schenkens

"Das soll etwas symbolisieren, und zwar eine Form von Dankbarkeit vielleicht, es soll die Liebe, die Zuwendung ausdrücken, also die Beziehung markieren, kann man sagen, und damit natürlich auch festigen."

Schenken ist etwas Feierliches, das signalisiert schon die Verpackung. Sicherlich, auch die kleine Aufmerksamkeit zwischendurch erfreut, aber in der Regel sind es bestimmte Anlässe, zu denen entweder kollektiv Geschenke ausgetauscht oder Einzelne mit besonderen Gaben bedacht werden. Ähnlich wie bei Begrüßung und Abschied gibt es dabei kulturell sehr unterschiedliche Rituale, sagt der Kulturwissenschaftler Dr. Friedrich Rost von der FU Berlin, der die heimischen Schenksitten untersucht hat:

"Bei der Handschenkung, also jemand gibt ein Geschenk an jemand anderen, ist natürlich damit verbunden, dass das mit netten Worten begleitet wird, aber auch nicht unterwürfig – „ich hab hier ne Kleinigkeit für dich“ oder so, aber auch nicht: „Ich hab hier ein tolles Geschenk für dich“, und in unserer Kultur ist es ja üblich, das Geschenk mit einem gewissen Dank erst einmal anzunehmen und auch es auszuwickeln, und dann ist nach unseren Etikettteratgebern Haltung das wichtigste, also kein Entsetzen, Entzücken darf immer geäußert werden, aber auch nicht zu stark, wenn noch andere anstehen mit ihren Geschenken, dass man nicht sagt, "hier dieses Geschenk ist mein allerliebstes“, das würde die anderen Geber verletzen."

Geschenke in Korea unbedingt beidhändig übergeben

 In Korea zum Beispiel sollte man Geschenke mit beiden Händen überreichen oder entgegennehmen, in China und Japan müssen sie stets verpackt sein, und zwar so, dass man den Inhalt nicht erkennt. Und keinesfalls weiß darf die Verpackung sein, oder schwarz oder blau, das alles sind Farben des Todes.

Manche Sitten lassen sich leicht befolgen – wenn man sie kennt, andere sind gewöhnungsbedürftiger, erzählt Viola König, die Direktorin des Ethnologischen Museums in Berlin, die längere Zeit in Mexiko gelebt und gearbeitet hat:

"Einige Jahre lang, während ich da Feldforschung gemacht habe, habe ich auch immer so Weihnachtsgeschenke gebracht, und hatte die Erwartung gehabt, dass da irgendwie am 24. oder allerspätestens am 25., dass diese Geschenke mal kollektiv ausgepackt werden, und dass man sich gegenseitig zeigt, was man bekommen hat. Überhaupt nicht. Und auch den verbalisierte Dank, den ich erwartet habe, der kam auch nicht. Also man hat das große Essen Weihnachten. Nur die Geschenke werden hingelegt. Und sie werden irgendwann mal von dem Beschenkten, ohne dass andere dabei sind, ausgepackt."

Dass Geschenke nicht angesehen und gezeigt werden, liegt an der beidseitigen Angst, das Gesicht zu verlieren. Besonders orientalische Kulturen fürchten das. Und hier ist noch etwas anderes, nämlich die rituelle Zurückweisung sehr ausgeprägt: Mehrmals, dreimal meist, weisen die Beschenkten eine Gabe von sich. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass sie sie nicht annehmen wollen:

"Wenn man ein Geschenk ablehnt, dann kommt das einer Kriegserklärung gleich, so hat es zumindest Marcel Mauss ausgedrückt, es ist eine Ablehnung des Wohlwollens, das der Geber offensichtlich durch seine Gabe zeigt, dementsprechend wird es zumindest zu einer peinlichen Situation führen."

Anders aber als zu Zeiten des französischen Ethnologen Marcel Mauss regelt man das heute doch meist pragmatisch: Der Geschenkeumtausch gehört inzwischen zum Weihnachtsfest wie Baum, Gans und Jingle Bells. Auf mehr als 700 Millionen Euro beziffert eBay den Wert offenbar ungeliebter Präsente, die dort zur Versteigerung angeboten werden. Es gibt aber legale Gründe, eine Gabe zurückzuweisen: wenn die erwartete oder erhoffte Gegenleistung nicht möglich ist, im Geschäftsleben etwa, oder wenn sie als Bestechung gewertet werden kann, schließlich, wenn ein Geschenk "unschicklich" ist. Jedenfalls früher, sagt Schenkforscher Rost:

"Es war natürlich klar, wenn ein Liebeskontakt sich anbahnt, dass man der Dame nicht gleich Dessous schenkt, auch Parfüm ist etwas, was Ehefrauen vorbehalten ist."

Schenken ist eben nicht nur rituelle Praxis, sondern ein hoch emotionaler Akt, interessant für Ethnologen und Soziologen, aber auch und vor allem für Psychologen.

Dem Schenken wohnt eine gewisse Ambivalenz inne. Und das hat sich tief ins menschliche Bewusstsein eingegraben, wie Sprichwörter und Redensarten aus aller Welt zeigen:

"Gabe schielt stets nach Entgelt." – "Geschenke binden die Gelenke."

"Was man kauft, bekommt man billiger als ein Geschenk."

"Es ist keine eine Suppe so teuer als die, die man umsonst isst."

"Das Annehmen von Geschenken von einem Fremden oder nicht nahestehenden Personen ist immer gefährlich, wir haben mal ein Experiment gestartet, in dem wir versucht haben über einen Schauspieler, Geschenke an Wildfremde zu geben und hinterher die Menschen, die in diese Situation gebracht wurden, zu befragen, was sie bewogen hat, das Geschenk doch anzunehmen oder eben abzulehnen. Und in den meisten Fällen wurde abgelehnt."

Manchmal macht sich das Unbehagen an der Symbolik eines Geschenks fest, häufiger noch am Wert: Wenn ein Präsent dem Anlass gemäß zu groß oder zu teuer ist, kann es den Beschenkten beschämen oder auch bedrängen, erklärt die Kasseler Psychologieprofessorin Heidi Möller:

"Das führt ja ein Oben-Unten ein: Wenn ich in einer Üppigkeit verschenke, markiere ich mich selbst ja als großzügig, als freigebig, als dem anderen wohlgesonnen, und das hat ja erstmal keine Entsprechung im Gegenüber, und das heißt, dass der andere sich zunächst mal klein fühlt, und sich im Grunde schon drauf einstellen kann, da wird irgendwann der Tag kommen, wo die Quittung geschrieben wird für diese übermäßige Beschenkung."

Wert eines Geschenks hängt vom kulturellen Kontext ab

Allerdings hängt der Wert eines Geschenks wiederum sehr vom kulturellen Kontext ab. Und natürlich ist er auch zeit- und situationsabhängig. Die Älteren werden sich erinnern: Früher, in Kriegs- und Krisenzeiten gab’s zu Weihnachten warme selbst gefertigte Socken, Handschuhe oder sogar einen Pullover, wenn man Glück hatte; Äpfel, Birnen, Nüsse vielleicht oder eine einzelne Süßigkeit, die jemand eisern zusammengespart oder mühsam organisiert hatte; ein gebrauchtes Buch – welch’ ein Glück, oder ein einzelnes weiteres Teil für die alte Puppenstube oder Eisenbahn. Weil Geschenke nach einem – wie auch immer bemessenen – Wert beurteilt werden, lösen sie häufig Gefühle wie Eifersucht und Neid aus. Besonders Eltern versuchen das zu vermeiden, bemühen sich gerecht zu schenken. Ein heikles, oft vergebliches Unterfangen, weiß die Psychologin Heidi Möller aus eigener Erfahrung.

"Wenn ich mit meiner Mutter in die Stadt ging und sie hat mir irgendwas Schönes gekauft und zwei Minuten später sagte, „Jetzt müssen wir aber für deine Brüder auch noch was kaufen, damit das gerecht ist“, dann war die Freude eigentlich hin. Schön wäre es, wenn das gelingt, dass Kinder sehen, okay: Jeder kriegt das, was er braucht, und nicht das, was gleichviel gekostet hat."

Für Kinder sind Geschenke noch ein ganz unmittelbarer Liebesbeweis, eine Anerkennung ihrer Person. Der damit verbundenen Verwicklungen und Forderungen sind sie sich zunächst nicht bewusst und könnten sich freuen – eigentlich:

"Wenn die Kinder artig sind, kommt zu ihnen das Christkind. Wenn sie ihre Suppe essen Und das Brot auch nicht vergessen, wenn sie, ohne Lärm zu machen, still sind bei den Siebensachen, beim Spazierngehn auf den Gassen, von Mama sich führen lassen, bringt es ihnen Gut’s genug, und ein schönes Bilderbuch."

Heinrich Hoffmann sagt es in seinem "Struwwelpeter“ unumwunden: Schenken war, früher zumindest, ein probates Erziehungsmittel, nicht nur zu Weihnachten. Und auch in den Gaben spiegelte sich die Pädagogik: Puppenstube, Küche, Kaufladen für Mädchen, Zinnsoldaten, Eisenbahn, Autos für die Jungen. Heute verschwimmen diese Grenzen zwar, geblieben aber ist das Bemühen vieler Eltern, "Sinnvolles" zu schenken, was dennoch Freude bereitet. Denn darum geht es eben auch beim Schenken – und nicht nur für Kinder.

"Es gibt ja kein größeres Glücksgefühl, als wenn ich zum Geburtstag oder zu Weihnachten etwas bekomme, was ich mir schon ganz lange wünsche, weil das ja bedeutet, mein Gegenüber, der Schenker, die Schenkerin, hat sich mit mir beschäftigt, die hat sich vorgestellt, was mich wohl freudig stimmen wird und hat sich entsprechend die Mühe gemacht, und das macht Menschen sehr glücklich."

... kann aber die Schenker in arge Bedrängnis bringen: sei es, weil sie immer weniger Zeit haben, auf die Wünsche und Bedürfnisse des anderen zu achten, oder weil der Kreis der "Gaben-Nehmer" immer größer wird und man deren Wünsche gar nicht kennen kann. Und manchmal stellt einem auch noch die Psychologie ein Bein, wenn man nämlich eine Botschaft aussendet, die so gar nicht gemeint war. Allerdings ist Symbolik gar nichts Objektives, sagt Friedrich Rost. Es sind subjektive Zuschreibungen, und das auch noch von zwei Menschen:

"Sowohl derjenige, der etwas gibt, versucht eine Gabe individuell auszusuchen und macht sich Gedanken, und wählt dann ein Geschenk eben aus und hofft natürlich, dass es gut ankommt, und derjenige, der ein Geschenk bekommt, der hat natürlich auch sofort Assoziationen, was hat er sich denn dabei gedacht, und meist wird nicht kommuniziert über diese Zuschreibungen, die mit dem Geschenk verbunden sind. Und das macht es ja wohl einerseits spannend, auf der anderen Seite macht es auch die Enttäuschung aus."

Die Problematik der Geschenke-Symbolik ist eigentlich schon uralt, ein bisschen davon scheint heute noch im Aberglauben auf:

Niemals Schuhe verschenken – damit läuft der Beschenkte davon

Und bloß keine Messer – die zerschneiden die Freundschaftsbande. Aber ein symbolischer Pfennig als Gegengabe macht aus dem gefährlichen Geschenk ein unverfängliches Geschäft.

Rosenstrauß (Deutschlandradio - Daniela Kurz)Geschenkklassiker: ein Strauß bunter Rosen (Deutschlandradio - Daniela Kurz)Und Blumen sprechen ihre ganz eigene Sprache – die heute allerdings fast völlig vergessen ist. "Willst Du kosen, schenke Rosen...", klar, aber ansonsten ...

"Aster: Wirst Du mir auch ewig treu bleiben so wie ich Dir?"

"Geranie: Heute Abend warte ich auf Dich in der Gartenlaube!"

"Lilie: Unschuld und Bescheidenheit wohnen in Deiner Brust."

"Krokus: Lass’ mir acht Tage Bedenkzeit."

Aus: Richard von Helmhorst’ Broschüre "Neueste Blumensprache", Anfang des 19.Jahrhunderts.

Heute macht man es sich zunehmend leichter mit dem Schenken, durchaus im ehrlichen Bemühen, dem anderen Freude zu bereiten und nicht zu enttäuschen: Man fragt einfach nach den Wünschen oder teilt sie einander mit. Nicht nur Kinder schreiben heute auf, was sie geschenkt haben möchten. Mitte der 1920er Jahren entwickelte das Chicagoer Kaufhaus Marshall Field’s die Idee des "Hochzeitstisches", ursprünglich um allen Gästen Porzellan, Silber- und Glaswaren zu präsentieren, die sich ein Hochzeitspaar wünschte. 1993 stieg die Kaufhauskette Targets in den USA mit dem ersten virtuellen Hochzeitstisch ins lukrative Geschäft ein – heute wird das Hochzeitsschenken in fast allen Industrieländern über das Internet organisiert. Früher lag der Fokus auf dem Geber: "Was schenke ich?" Heute geht es meist pragmatisch darum: "Was wünscht sich der Nehmer?" Das Erbitten von Geschenken mag ein Zeichen von Individualismus sein. Kurioserweise führt das aber dazu, dass die Wünsche heute immer uniformer werden: die neueste Elektronik, Uhren, Schmuck oder das gerade angesagte Spielzeug für die Kleinen. Und bei Erwachsenen geht es oft noch pragmatischer zu: Sie schenken sich Gutscheine oder gleich Geld, damit jeder sich seine Wünsche passgenau selbst erfüllen kann. Vergessen die Vorbehalte früherer Generationen.

"Geldgeschenke waren insbesondere im bürgerlichen Bereich immer damit verbunden, dass man die Dienstboten mit Geld beschenkte, und dementsprechend war es innerhalb der Familie verpönt."

... erinnert der Berliner Schenkforscher Dr. Friedrich Rost:

"Und es war im Grunde genommen nur alten Menschen überhaupt erlaubt, für die Enkel Geld zu schenken, damit sie eben nicht noch ein Geschenk besorgen müssen."

In anderen Kulturen dagegen waren und sind Geld-Geschenke ganz üblich: In China zum Beispiel werden zum Neujahrfest Banknoten in roten Kuverts verschenkt. Oder bei türkischen Hochzeiten – hier aber zelebriert man das Schenken, auch wenn es "bloß" Geld ist, in ganz ritueller Weise. TAKI heißt die feierliche Zeremonie, von der es mehrere Varianten gibt: Bei einer traditionellen türkischen Hochzeit in Deutschland stellen sich Braut und Bräutigam in die Raummitte, wo alle Gäste sie sehen können, daneben die Trauzeugen und die Eltern. Jeder gibt sein Geldgeschenk entweder in einen geschmückten Korb oder steckt es dem Brautpaar an. Früher war es üblich, dass jeder Schenkende per Mikrofon angekündigt und beklatscht wurde, aber inzwischen wollen es die meisten Familien etwas diskreter.

Schenken ist eine wunderbare, aber auch eine Angelegenheit, die viel Widersprüchliches enthält: Freude, Wohlwollen, Liebesbezeugung – und zugleich Fessel, Abhängigkeit, zuweilen sogar Illegales. Es sind Rituale, die erfreuen und zugleich schrecklich anstrengen  können, weil man so viel falsch machen kann. Und manchmal gibt es richtig "giftige" Gaben, wie sie Wilhelm Busch in seinem Gedicht von den drei alten Tanten beschreibt:

"Die erste alte Tante sprach: 


"Wir müssen nun auch dran denken, was wir zu ihrem Namenstag

dem guten Sophiechen schenken."

Darauf die zweite Tante kühn:

"Ich schlage vor, wir entscheiden uns für ein Kleid in Erbsengrün, 


das mag Sophiechen nicht leiden."



Der dritten Tante war das recht:


"Ja", sprach sie, "mit gelben Ranken!

Ich weiß, sie ärgert sich nicht schlecht und muss sich auch noch bedanken."

Sie sind gar nicht so selten, diese Geschenke mit bösem Hintersinn: Im Kleinen kann das schon der Wecker für den ständig zu spät kommenden Kollegen sein oder ein Deodorant, ein "Knigge" oder ein "Duden" und nicht zu vergessen die Kindertröte, die Eltern – oder auch Nachbarn – in den Wahnsinn treibt. Aus der Geschichte kennt man das "Danaer- Geschenk", jenes Pferd, das die Griechen den Trojanern schenkten und das deren Untergang besiegelte. Und ganz aktuell kann man sich bei einem Schenkberatungsportal Ideen für "Rachegeschenke" holen.

Fast etwas wehmütig hat der französische Ethnologe Claude Levi-Strauss einmal geschrieben:

"Bis heute hat die Menschheit davon geträumt, jenen flüchtigen Augenblick zu fassen und festzuhalten, da es erlaubt war zu glauben, man könne das Gesetz des Tausches überlisten, man könne gewinnen, ohne zu verlieren, genießen, ohne zu teilen.“

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