• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 10:10 Uhr Kontrovers
StartseiteUmwelt und VerbraucherGestalten statt Schmollen29.06.2011

Gestalten statt Schmollen

Energiewirtschaft stellt sich auf den Atomausstieg ein

Deutschland werde zum Versuchsraum für den beschleunigten Umstieg auf erneuerbare Energiequellen und da könne sein Unternehmen nicht schmollend in der Ecke sitzen, so E.ON-Chef Johannes Theyssen. Auf dem Kongress "Den Umbau gestaltet" will sich die Branche auf den Atomausstieg einstellen.

Von Verena Kemna

Erneuerbare Energie mit Hilfe von Windrädern (Deutschlandradio - Daniela Kurz)
Erneuerbare Energie mit Hilfe von Windrädern (Deutschlandradio - Daniela Kurz)

Die Energiewende ist eine große Chance - zu dieser Einschätzung hat sich E.on-Chef Johannes Theyssen durchgerungen. Deutschland werde zum Versuchsraum für den beschleunigten Umstieg auf erneuerbare Energiequellen und da könne sein Unternehmen nicht schmollend in der Ecke sitzen. Für den Chef eines großen Energiekonzerns ist das eine neue Sichtweise. Wie sich die Branche auf das Thema einstellt, darum geht es heute bei einem Kongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft in Berlin mit dem Titel "den Umbau gestalten".

Etwa 1800 unterschiedliche Versorger sind im Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft vertreten, Stadtwerke ebenso wie große Atomkonzerne. Entsprechend dem Gesetzentwurf der Bundesregierung könne sich der Verband einen Atomausstieg bis 2022 vorstellen, erklärt die BDEW- Vorsitzende Hildegard Müller. Doch um eine Energiewende tatsächlich zu realisieren seien viele konkrete Maßnahmen nötig. Da ist der Ausbau der Stromnetze nur ein Beispiel.

Das heißt, wir brauchen intelligente und neue Netze, sowohl in den Verteilnetzen, vor Ort, bei den Menschen zuhause. Aber auch in den Übertragungsnetzen um zum Beispiel Windstrom von der Nordseeküste in die Verbrauchszentren im Süden des Landes zu bringen. Hierfür wird es eine Menge an Infrastrukturprojekten geben. Da sind bisher die Planungs- und Genehmigungsverfahren viel zu lang, acht bis zehn Jahre. Wir hoffen, dass wir viel schneller diesen Bau abwickeln können, so dass wir mit großen Schritten auf die Energiewende zugehen.

Die BDEW - Vorsitzende ist überzeugt davon, dass eine Energiewende ohne den Bau neuer Kohle- und Gaskraftwerke nicht zu schaffen ist. Bis 2020 seien zusätzliche Kraftwerkskapazitäten von bis zu 17000 Megawatt erforderlich. Der Bundesverband fordert Investitionsanreize für den Bau neuer konventioneller Kraftwerke.

Wir brauchen moderne Gas- und Kohlekraftwerke, allein schon, um auch manches im Bestand zu ersetzen, denn, was heute ans Netz geht, tut es mit wesentlich besseren CO2 Emissionen als in der Vergangenheit und wir werden sie noch viel länger brauchen als manch einer glaubt. Nur ein Beispiel, Photovoltaik steht nur rund 1000 Stunden pro Jahr zur Verfügung und 8700 Stunden hat das Jahr, das macht deutlich, welcher Bedarf an Verstetigung noch ist.

Eine derartige Energiewende ist ohne die Zustimmung der Menschen vor Ort nicht möglich.

Wir wollen das mit den Bürgern gestalten. Es ist unser aller Energiewende. Aber, wir werden auch auf Widerstände stoßen. Nicht jeder wird begeistert sein, wenn durch sein Grund und Boden eine Leitung geht, wenn in der Nähe ein Windrad gebaut wird und deshalb machen wir uns nichts vor, dass wir noch sehr viele Menschen werden überzeugen müssen. Aber ein ohne dieses geht nicht. Dann wird die Energiewende nicht funktionieren. Wir müssen jetzt gemeinsam an vielen Projekten an einem Strang ziehen.


Auch Claus Gebhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg sieht vor allem die Chancen der Energiewende. So haben die Stadtwerke Augsburg bereits vor über zehn Jahren begonnen, in der eigenen Region in erneuerbare Energien zu investieren, insbesondere Kraft-Wärme Koppelung, Wasser und Windkraft, sowie Photovoltaik. Ein zweiter Schwerpunkt heißt Energieeffizienz, vor allem in Schulen, Kaufhäusern, Wohnanlagen und Gewerberäumen.

Wir bauen dort hochmoderne hocheffiziente Heizungsanlagen. Oftmals gekoppelt mit Stromerzeugung. Wir bauen es nicht nur, sondern wir finanzieren das und betreiben das. In der Regel über 15 Jahre. Das ist im Sinne des Kunden, er muss nicht investieren und betreiben. Das ist im Sinne der Umwelt, weil es effizient ist und es ist natürlich auch zum wirtschaftlichen Vorteil unseres Unternehmens.

Die Augsburger Stadtwerke haben in diesem Bereich einen Marktanteil von 40 Prozent, der sich in den nächsten zehn Jahren noch verdoppeln soll. Eine umweltfreundliche Investitionspolitik, die die Augsburger Privatkunden mit überdurchschnittlich hoher Kundenbindung honorieren. Der Gesetzentwurf zum Atomausstieg sei ein Schritt in die richtige Richtung, meint Claus Gebhardt. Doch das Ausstiegsjahr 2022 dürfe nicht zum Dogma werden.

Wir müssen ja gleichzeitig drei andere Ziele mit erreichen neben diesem Ausstiegsziel und das ist der Klimaschutz, das ist die Versorgungssicherheit und das ist die Bezahlbarkeit. Da habe ich schon Sorge, ob wir, wenn wir dann Anfang des nächsten Jahrzehnts zurückblicken, sagen können, ja, wir sind dabei alle vier Ziele gleichzeitig zu erreichen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk