Umwelt und Verbraucher / Archiv /

Grün geworden oder grün gewaschen

Bahn kündigt höheren Ökostromanteil im Fernverkehr an

Von André Zantow

Die Deutsche Bahn gehört zu den Stromverbrauchern in Deutschland, die am meisten verbrauchen.
Die Deutsche Bahn gehört zu den Stromverbrauchern in Deutschland, die am meisten verbrauchen. (AP)

Besitzer einer Bahncard oder einer Zeitkarte fahren laut Deutschre Bahn ab April mit Strom aus erneuerbaren Energien. Die restlichen Kunden können über einen freiwilligen Aufpreis ebenfalls umweltbewusster fahren. Kritiker bewerten diese Ankündigung der Deutschen Bahn allerdings nicht als ausreichend konsequent.

"Die Bahn fährt grün" so könnte ein Werbe-Slogan lauten ab dem 1. April. Denn jede Fahrt im Fernverkehr – also mit einem ICE, IC und EC - erfolgt dann für die regelmäßigen Bahnkunden mit Strom aus erneuerbaren Energien. Und das ohne Aufpreis, erklärt Berthold Huber, Vorsitzender des Fernverkehrs der Deutschen Bahn:

"Für die Bahnkunden verändert sich, dass wir allen Kunden, die Stammkunden bei uns sind, die also entweder Geschäftsreisende sind, die eine Bahncard besitzen, die eine Monats- oder Jahresfahrkarte haben, dass die nur noch CO2-frei verreisen. Das heißt, dass wir sämtlichen Strom, den diese Kunden bei ihren Fahrten verbrauchen, aus regenerativen Energiequellen beziehen."

Fünf Millionen Menschen zählen zu den regelmäßigen Kunden, die eine Bahncard oder eine Zeitkarte haben. Sie machen etwa 75 Prozent der Gesamtkunden aus. Also sind 75 Prozent der Fahrten im Fernverkehr ab April mit Strom aus Erneuerbaren. Und die restlichen Kunden können freiwillig über einen Aufpreis von einem Euro ebenfalls umweltbewusster fahren, sagt Fernverkehrs-Chef Huber. Mit dem Aufpreis kaufe die Bahn dann grünen Strom nachträglich ein.

"Wir stellen fest, dass die Kunden immer größeren Wert darauf legen umweltbewusst zu verreisen. Und deswegen haben wir uns entschieden bis 2016, das ist unser Ziel im Fernverkehr, Strom komplett CO2-frei zu produzieren, CO2 gar nicht erst entstehen zu lassen."

Der erste Schritt im April ist aber viel zu klein und nicht konsequent, meint Gerald Neubauer von Greenpeace. Er begrüßt grundsätzlich, dass mehr Ökostrom in den Bahnmix einfließt:

"Allerdings sehe ich da einen gewissen Teil an Verbrauchertäuschung. Welcher Verbraucher macht denn einen Unterschied zwischen Fernverkehr, Nahverkehr und Güterverkehr. Das, was die Bahn hier möchte, ist einfach der Slogan ‚100 Prozent Ökostrom‘ und sie setzen dann darauf, dass die Verbraucher nicht mehr so genau hingucken, und was einfach ehrlich wäre, wäre die Bahn als Ganzes zu behandeln und darüber zu sprechen, dass die Bahn zurzeit eben erst 22 Prozent Erneuerbare hat und 45 Prozent Kohle und über 20 Prozent Atomstrom."

Diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2011. Aktuell liegt die Bahn bei einem Anteil an Erneuerbaren von 24 Prozent. Bis 2020 soll er auf 35 Prozent steigen. Das ist exakt auch das Ziel der Bundesregierung für ganz Deutschland. Die Bahn ist also nicht über die Maßen ambitioniert. Und sie nutzt auch weiterhin klimaschädliche Kohle.

"Was wir als Umweltverbände besonders kritisieren, ist, dass die Bahn auch Strom aus einem neuen Kohlekraftwerk von E.ON beziehen möchte. Das ist das Kohlekraftwerk Datteln. Dieses Kraftwerk würde jedes Jahr sechs Millionen Tonnen CO2 ausstoßen und die Bahn ist einer der wichtigsten Kunden. Und solange die Bahn auf neue Kohlekraftwerke setzt, können wir solche Ankündigungen bei den Erneuerbaren schlicht nur als PR-Gag werten."

Das neue Kohlekraftwerk Datteln 4, nahe Dortmund, produziert noch keinen Strom. Aufgrund von Planungsfehlern gibt es gerade eine juristische Auseinandersetzung. Aber der Betreiber E.ON kämpft um die Genehmigung. Auch die Bahn hält daran fest. Denn die alten Kohlekraftwerke in Datteln produzieren etwa 20 Prozent des gesamten Bahnstroms. Weg mit dem Kohlestrom, fordert Greenpeace. Wir setzen jetzt im Fernverkehr zu 75 Prozent auf Erneuerbare, antwortet Bahn-Manager Huber.

"Insbesondere Wasserkraft und Windkraft."

Der grüne Bahn-Strom kommt zum kleinen Teil aus neuen Windkraftanlagen nördlich von Berlin, den Löwenanteil macht die Wasserkraft aus. Drei Verträge hat die Bahn dazu abgeschlossen. Im vergangenen Jahr mit RWE über 900 Millionen kWh, mit E.ON über 600 Millionen kWh und zuletzt mit dem österreichischen Anbieter Verbund über 300 Millionen kWh. Damit steigt laut Bahn der Wasserkraft-Anteil am Bahnstrom auf insgesamt 20 Prozent. Insgesamt liegt der Anteil der Erneuerbaren bei der Bahn bei 24 Prozent. Damit ist ein grünes Image für den gesamten Staatskonzern, schwer zu verkaufen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Umwelt und Verbraucher

WeltklimaberichtAtmosphärenforscher: "Keine schnelle Lösung möglich"

Ein Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde, Brandenburg

Wissenschaftler warnen, dass die Erde zwischen dreieinhalb und fast fünf Grad Celsius wärmer werden könnte, als sie es in der vorindustriellen Zeit war. Marc Lawrence, wissenschaftliche Direktor am Potsdamer Forschungsinstitut, forderte im DLF eine globale Zusammenarbeit.

StudiePumpspeicher und ihre Bedeutung für die Energiewende

Blick auf das Pumpspeicherkraftwerk Waldeck I am Edersee bei Edertal-Hemfurth

Ein Mosaikstein zum Gelingen der Energiewende könnte auch der Ausbau von Speicherkapazitäten sein, wie zum Beispiel von Pumpspeicherwerke. Denn Wind- und Sonnenenergie müssen gespeichert werden für Zeiten, in denen eben kein Wind und keine Sonne sind. Die Deutsche Energieagentur hat nun eine Studie zum Thema vorgestellt.

KohlekraftwerkeTreibhausgase nicht mehr in die Atmosphäre blasen

Grevenbroich - RWE Braunkohlekraftwerken Frimmersdorf

Einer der größten Treiber der Erderwärmung ist die Nutzung fossiler Energien. In seinem jüngsten Bericht empfiehlt der Weltklimarat IPCC deshalb für Kohlekraftwerke die CCS-Technologie. Die Abkürzung steht für Carbon Capture and Storage - also Kohlendioxid aus den Abgasen filtern und unterirdisch speichern.