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StartseiteEuropa heuteHalal gleich rein01.09.2010

Halal gleich rein

Produkte entsprechend der islamischen Speiseregeln boomen

Fünf bis sechs Millionen Muslime leben in Frankreich. Obwohl nicht streng gläubig, fasten die meisten doch im Ramadan und achten beim Essen zunehmend auf die Reinheit der Produkte. Entsprechend gekennzeichnete Halal-Produkte erobern die Supermärkte.

Von Burkhard Birke

Immer mehr Muslime wollen beim Einkauf Halal-Produkte  (AP)
Immer mehr Muslime wollen beim Einkauf Halal-Produkte (AP)

Die Fernsehwerbung hat eine neue Zielgruppe entdeckt: Fertig-Lasagne Halal
wird zur besten Sendezeit angepriesen, Lasagne, Halal, rein – erlaubt, entsprechend den Vorschriften des Islam.

"Verboten ist Euch das von selbst Verendete sowie Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer Name angerufen ward als der Allahs."

Heißt es in Sure 5, Vers 3 des Koran. Bliebe zu ergänzen, dass auch Alkohol und Gegärtes tabu sind, was nicht heißen muss, dass die Muslime unter Frankreichs Gourmets auf Köstlichkeiten wie Foi Gras – Gänsestopfleber - verzichten müssten. Nadil Arabe preist ihre ohne Alkohol und Blut präparierte Delikatesse an.

"Halal bedeutet eine Öffnung. Man braucht keine Angst vor Halal zu haben.
Um die Eröffnung eines Halal-Hamburger-Restaurants wurde ein Skandal gemacht, dabei kann jeder Franzose einen Halal-Burger essen, umgekehrt können Muslime aber keinen normalen Hamburger essen. Wir müssen in beide Richtungen tolerant sein."

Weniger die Toleranz als die Profitsucht lässt Halal boomen. Fünf bis sechs Millionen Muslime leben in Frankreich. Obwohl nicht streng gläubig, fasten die meisten doch im Ramadan und achten beim Essen zunehmend auf die Reinheit der Produkte. Traditionell waren nach islamischem Schlachtritus hergestellten Fleisch- und Wurstprodukte nur beim kleinen muslimischen Fleischer um die Ecke oder auf speziellen Märkten zu finden. Das hat sich geändert.

"Das sind französische Kunden, die wollen Gänseleberpastete, Spagetti Bolognese und Hasche-Parmentier essen. Und diese Kundschaft will ganz einfach dort einkaufen, wo alle anderen auch ihre Einkäufe tätigen."

Sprich im Supermarkt, meint Abdel Raman Bouzid von der Kette Casino, die sogar ihre eigene Halal-Marke kreiert hat. Auf fünf Milliarden Euro im Jahre bei zehnprozentigen jährlichen Zuwachsraten wird das Geschäft mit Halal-Produkten in Frankreich geschätzt. Damit ist dieser Markt doppelt so groß wie der mit Bio-Produkten. In Paris eröffnete unlängst ein Supermarkt, der nur Halal anbietet, in Roubaix verkauft ein Ableger einer Hamburgerrestaurantskette nur noch Halal-Burger und in Paris und anderen größeren Städten wächst die Zahl der Halal-Restaurants. Dort wird Tiramisu ohne Cognac oder Amaretto und überhaupt kein Alkohol serviert, was einige Kunde auch abschreckt.

Ganz bewusst verzichtet Kamel Zahidi auf Werbung mit dem reinen Halal-Charakter seines Restaurants:

"Dazu ist es noch zu früh. Wir wollen neutral bleiben. Viele Leute sind noch nicht offen dafür. Die täuschen sich darüber, was Halal bedeutet."

Deshalb gab es auch Proteste, als das erste reine Halal-Burgerrestaurant in Roubaix eröffnet wurde.

Zu Wort meldete sich aber auch Frankreichs berühmteste Tierschützerin, Brigitte Bardot, die vor allem die islamische Praxis des Schächtens, also des Schlachtens, Ausblutens der Tiere ohne Betäubung anprangert

"Kein Gott, keine Religion verlangt, dass Tiere für unser Überleben beim Schlachten gequält werden. In Frankreich gibt es Ausnahmen für die Herstellung für koscheres - und Halal-Fleisch – das finde ich entsetzlich!"

Progressive Geistliche distanzieren sich durchaus von der traditionellen Schlachtpraxis. Die Moscheen Lyons, Marseilles und Paris haben auch Leitlinien erstellt. Es gibt allerdings keine einheitlichen Regeln in Frankreich.

"Jeder Hersteller, jeder Schlachtbetrieb kann sein Produkt Halal nennen. Das ist ein sehr heikles Thema. Es geht um riesige Summen Geld."

Antoine Bonnel, Direktor des Halal-Lebensmittelsalons bezweifelt deshalb, dass es auf absehbare Zeit eine einheitliche Kennzeichnung geben wird. Seine Hoffnung ruht nun auf Brüssel: Die Kommission müsste EU-weit verbindliche Kennzeichnungsregeln für Halal-Produkte aufstellen.

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