Mittwoch, 22.11.2017
StartseiteCampus & KarriereHandeln statt Resignieren25.07.2002

Handeln statt Resignieren

Medienwirkungsforscher fordern Konsequenzen nach dem Drama von Erfurt

"Mediengewalt: Handeln statt resignieren" – ganz bewusst haben die Medienwirkungsforscher um Dr. Werner Hopf von der Münchner Ludwig-Maximillians-Universität ein provokatives Motto für ihren heutigen Kongress gewählt. Denn nach Worten des Münchner Experten Werner Hopf steht zu befürchten, dass die Diskussion folgenlos im Sand verläuft.

Ein Aspekt, warum wir die Veranstaltung machen: dass sie jetzt schon sehen – am 26. April waren die Mordtaten von rs, jetzt im Juli ist schon die öffentliche Diskussion und das Interesse weitgehend abgeflacht. Wir wollen, das die Problematik langfristig weiter in der Diskussion bleibt, um endlich auch nachhaltig Konsequenzen zu ziehen.

Wie diese Konsequenzen auszusehen haben, darüber herrscht bei dem Medienwirkungsforscher Hopf und seinen Kollegen ein klares Bild: Gewaltdarstellungen in Spielen und Filmen gehören verboten.

Denn was nützen die besten Forschungsergebnisse, wenn nichts umgesetzt wird. Es ist ein langer Weg, um etwas zu ändern. und damit etwas geändert wird, ist der erste Schritt, das man den Stand der Forschung wahrnimmt. Und der ist teilweise erdrückend in seiner Beweislast.

Auf ihrem Kongress – einer Gemeinschaftsveranstaltung der Münchner und der Regensburger Universität – präsentieren die Forscher ihre Beweise. Zum Beispiel lassen sie Zahlen sprechen: Laut Statistik erhöht der Mediengewaltkonsum die Aggressivität und Gewalttätigkeit von Kindern und Jugendlichen um 10 bis 15 Prozent. Durch die oft stundenlange Beschäftigung mit Ballerspielen nehmen die Jugendlichen die Feindbilder und Handlungsmuster des Tötens mit auf, berichtet der Medienwirkungsforscher Hopf. Wie sie in Krisensituationen reagieren, ob sie ihr inneres Gewaltsystem aktivieren, ist letztlich eine Frage der Gesamtpersönlichkeit. Aber er sagt auch

... bei dieser Aktivierung des inneren Gewaltsystems spielen Computergewalt und andere Mediengewaltformen eine zentrale Rolle.

Die Wirkungen von Mediengewalt könne man natürlich nicht isoliert betrachten, fügt er hinzu. Sie stehen in einem Kontext von Gewalt in der Familie, unter Gleichaltrigen, in der Schule und im Rahmen des Gesellschaftssystems. Doch bedeutet nach Auffassung der Forscher ein Gewaltverbot in den Medien, eine Ursache von Gewalttaten unter Kindern und Jugendlichen zu beseitigen. Mit ihrer Resolution wollen sie deshalb dieser Forderung Nachdruck verleihen. Außerdem fordern sie eine Reihe weiterer politischer und pädagogischer Konsequenzen wie zum Beispiel die effektive Kontrolle der Gewaltangebote im Internet, eine schärfere Kontrolle des Jugendschutzes durch eine Bundesinstitution sowie die klare und eindeutige Information der Öffentlichkeit über den Stand der Wirkungsforschung. Denn auch damit steht es nach Worten des Münchner Experten Werner Hopf nicht zum Besten:

Ein Problem, das wir haben in Deutschland ist, das von medienpädagogischer Seite die Ergebnisse der Medienwirkungsforschung entweder nicht rezipiert werden oder falsch dargestellt werden. Und dahinter sehe ich bestimmtes Interesse. Die meisten Medienpädagogen zielen darauf ab, den Kindern das Aufwachsen mit Medien zu erleichtern und behaupten, diese Art Medienkompetenz sei grundlegend für demokratische, für berufliche Fähigkeiten. De facto passiert aber eine überwiegende Anpassung an die Medien, eine unkritische Medienkompetenz wird vermittelt, die nichts dem Jugendlichen hinsichtlich Hinterfragen der Medien, vermittelt.

Daher haben die Forscher um Werner Hopf auch nicht vergessen, die Forderung nach einer kritischen Medienerziehung für Eltern, Lehrer und Schüler in ihre Resolution aufzunehmen.

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Der Kongress Mediengewalt

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