Mittwoch, 22.11.2017
StartseiteSprechstundeAktiv werden ist die beste Gegenwehr17.10.2017

Hilfe für Stalking-OpferAktiv werden ist die beste Gegenwehr

Ständige Anrufe, nächtliches Schellen an der Tür, das ungute Gefühl, beobachtet zu werden: Stalking-Opfer durchleiden oft ein monatelanges, manchmal sogar jahrelanges Martyrium. Betroffen sind meistens Frauen. Nur selten wagen Betroffene den Gang zur Polizei.

Von Mirko Smiljanic

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Eine Frau steht mit Telefon am Fenster und guckt durch die Gardine (dpa/picture alliance/Angelika Warmuth)
Stalking-Opfer leiden oft jahrelang unter den psychischen Folgen. (dpa/picture alliance/Angelika Warmuth)
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Polizeipräsidium Köln, im Büro der Opferschutzbeauftragten Gudrun Krämer. Sobald ihr Telefon klingelt, wird es erst für die erfahrene Kriminalhauptkommissarin. Wer sich hier meldet – überwiegend Frauen mittleren Alters, selten Männer – ist psychisch am Ende.

"Da war heute noch ein Fall, die schilderte, dass sie vor drei Jahren eine Internetbekanntschaft hatte, den Mann auch mal getroffen hat, ihm aber deutlich signalisiert hat, sie möchte nichts von ihm, er ließ aber keine Ruhe, dann war mal Pause und vor ein paar Tagen fing das Ganze wieder ab, dass er versucht hat, einmal auch erfolgreich, Kontakt mit ihr aufgenommen hat, und die so fertig ist mittlerweile, dass sie aus dem Internet unsere Nummer rausgesucht hat und sich hier gemeldet hat."

Keine leichte Aufgabe

Gudrun Krämer muss zunächst die Ratsuchenden beruhigen. Keine leichte Aufgabe vor dem Hintergrund des monatelangen Martyriums vieler Stalkingopfer. Nach und nach, vielleicht bei einem zweiten Gespräch, gibt sie praktische Tipps.

"Wir raten dringend, keinen Kontakt zu erwidern, auch zu einer Anzeigenerstattung, auch, wenn derjenige bekannt ist, eine Einstweilige Verfügung zu erwirken beim Familiengericht, Kontakt mit einer anderen Beratungsstelle noch aufzunehmen oder auch mit dem Weißen Ring, erklären was Polizei tun kann, 110 zu rufen, wenn direkte Konfrontationen sind."

Sollte beim Stalking das Internet eine Rolle spielen, bittet Krämer ihren Kollegen Dirk Beerhenke um Hilfe. Der Kriminalhauptkommissar verantwortet in der Abteilung Kriminalprävention den Bereich "Cybercrime". Die Geschichten, die ihm Stalkingopfer erzählen, beginnen oft ganz harmlos.

"In einer funktionierenden Beziehung bittet sie ihren Partner darum, das Smartphone einzurichten. Wird das Smartphone eingerichtet, ist derjenige, der das eingerichtet hat, auch in Kenntnis aller Passwörter. Kommt es dann im späteren Verlauf zu einer Trennung, hätte derjenige die Möglichkeit, sich bei den Accounts anzumelden und Unfug zu treiben, sprich, Fotos einzustellen oder etwas reinzuschreiben im Namen der Geschädigten, um die halt zu diskreditieren."

Nummernwechsel kann helfen

Wer sich von seinem Partner getrennt hat, sollte durchaus mal über die Möglichkeit nachdenken, das alte Smartphone wegzuwerfen. Zu leicht lassen sie sich manipulieren.

"Man würde anfangen vielleicht mit einer neuen Prepaidkarte, und wenn es vielleicht nur für einen gewissen Zeitraum ist, und mit einer neuen Telefonnummer und einer neuen Erreichbarkeit. Nur diese eine Nummer, und die würde ich nur ganz ausgesuchten Leuten geben, so ist die Empfehlung. Maximal einen neuen E-Mail-Account, auch einen neuen.

Elektronische Kommunikation reduzieren, wo immer es geht, rät Dirk Beerhenke, wird der Terror im Internet zu heftig, sollte das World Wide Web vielleicht mal für ein paar Wochen abgeschaltet werden.

Aktiv werden, statt sich zu verkriechen

Unabhängig von solchen Tipps ist aber für Gudrun Krämer eines ganz wichtig: Sich nicht verkriechen, im Gegenteil, nur wer aktiv wird, kann den quälenden Stalker abschütteln.

"Ich glaube, es ist eine gute Botschaft, zu sagen, du kannst schon Sachen machen, vielleicht eine Anwältin/Anwalt einzuschalten, eine Einstweilige Verfügung zu beantragen, die Anzeige zu erstatten, ich glaube, da kommen viele Leute schon raus."

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