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StartseiteForschung aktuellHIV-Heilung noch in weiter Ferne29.06.2007

HIV-Heilung noch in weiter Ferne

Reaktionen auf dem Deutsch-österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt

Aidsforschung. – Die Genschere gegen Aids hat auch auf dem Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt/Main für Aufsehen gesorgt. Die Experten warnten aber noch einmal explizit vor voreiliger Euphorie. Noch habe das vorgestellte Verfahren nur in der Petrischale gewirkt. Der Wissenschaftsjournalist Martin Winkelheide bewertet den Ansatz im Gespräch mit Arndt Reuning.

Aids-Kranke werden auch in absehbarer Zeit keine berechtigte Hoffnung auf Heilung haben können. (AP Archiv)
Aids-Kranke werden auch in absehbarer Zeit keine berechtigte Hoffnung auf Heilung haben können. (AP Archiv)

Reuning: Herr Winkelheide, wie haben die Experten dort denn die Neuigkeiten aufgenommen von der Molekülschere gegen HIV?

Winkelheide: Nun, überwiegend positiv. Sie sagten, eine Veröffentlichung im Fachmagazin "Science" von deutschen Aids-Forschern, das kommt nicht jeden Tag vor. Insofern würde das einmal mehr zeigen, dass Deutschland doch eine wichtige Rolle spielt bei der Grundlagenforschung, bei der Aids-Forschung, obwohl die Forschung chronisch unterfinanziert sei. Auf der anderen Seite gab es aber auch kritische Stimmen, die sich vor allen Dingen ein bisschen daran rieben, dass da plötzlich so die Vision einer Heilung einer HIV-Infektion im Raum steht, oder zumindest am Horizont angeblich sich abzeichne. Sie sagen, na, das sind doch sehr große Worte. Da muss man doch sehr vorsichtig sein. Ein wichtiger Versuch, aber ein Grundlagenversuch, der im Reagenzglas an einzelnen Zellen stattfindet.

Reuning: Im Beitrag ist es schon etwas angeklungen, aber was sind denn die Hauptschwierigkeiten auf dem Weg zu einer Therapie, die reif ist für die Praxis?

Winkelheide: Es gibt ja zwei Möglichkeiten, wie man diesen Ansatz weiter treiben könnte. Die eine ist im Beitrag schon angesprochen worden, dass man wie bei einer Gentherapie damit Blutstammzellen weiterbehandelt, und diese Blutstammzellen bauen dann ein neues Immunsystem auf, das dann nicht angreifbar ist für HIV. Genauer gesagt, dass die Erbinformation, die HIV in eine Zelle einschleusen würde, wieder herausgeschnitten würde uns damit verschwinden würde. Das setzt aber voraus, dass die Erbinformation für diese neuen Moleküle, die molekularen Schere, die TRE-Rekombinase, tatsächlich von Zellgeneration zu Zellgeneration weitergegeben würde und dass das Gen nicht unterwegs auf einmal plötzlich verschwindet, was eben aber passieren kann. Das heißt, dass es tatsächlich stabil in diesen Zellen verankert wird und weitergegeben wird, und dass dann auch immer von jeder Zellgeneration diese Molekülschere auch gebildet wird. Das wäre die Voraussetzung dafür. Also da gibt es noch eine Menge technischer Herausforderungen. Die andere Vision wäre, das weiterzuentwickeln, in Richtung einer Behandlung. Und das ist noch viel, viel komplizierter, denn man weiß, das HI-Virus befällt eben nicht nur Zellen des Immunsystems. Es kann auch sein, dass es eben Zellen befällt, die dann in einer Art Winterschlaf zurückfallen, und dort ruhen die Viren, in den Zellen, und die Zellen machen keine neuen Viren. Die Forscher nennen das latente Reservoirs des Virus. Und wie man an diese Zellen herankommen soll, das verstehen auch viele Forscher nicht.

Reuning: Alles in allem also noch ein weiter Weg, der möglicherweise gar nicht ans Ziel führt. Welche Therapien gibt es denn heute schon, die wirklich reif sind für die Praxis?

Winkelheide: Na ja, bislang ist man ja vor allen Dingen auf Medikamente angewiesen, wie die Vermehrung des Aids-Virus blockieren, und das funktioniert im Prinzip auch ganz gut. Man hat eine Reihe neuer Wirkstoffe entwickelt, die auch problematische Viren bekämpfen, also solche, nicht resistent sind gegen mehrere Wirkstoffe, und eine zweite wichtige Entwicklung ist, dass man bekannte Wirkstoffklasse so weiterentwickelt, dass sie auch gegen diese resistenten Viren wirken. Auf der anderen Seite versucht man Wirkstoffe zu entwickeln, die weniger Nebenwirkungen haben, das heißt, dass man bessere Kombinationen für die Patienten zusammenstellen kann, ich je nachdem, mit welchen Vorerkrankungen diese Patienten auch zum Arzt gehen, denn HIV-Patienten werden auch älter, das heißt, sie leiden auch unter denselben Krankheiten, wie Menschen im Alter zwischen 50 und älter, und da muss man sich darauf einstellen in der Medizin, das versuchen die Mediziner, das versucht die Ex forschen.

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