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StartseiteCampus & Karriere"Es gibt eine Aufbruchstimmung im Hochschulsektor Irans"27.07.2017

Hochschulzusammenarbeit mit dem Iran "Es gibt eine Aufbruchstimmung im Hochschulsektor Irans"

Nach Jahren der Schwierigkeiten in der internationalen Kooperation habe Iran großes Interesse, mit führenden Universitäten weltweit zu kooperieren, sagte Frens Stöckel vom DAAD im Dlf. Bestimmte Bereiche funktionierten aber immer noch nicht richtig - wie zum Beispiel der internationale Geldtransfer.

Frens Stöckel im Gespräch mit Kate Maleike

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Eine Studentin der Schulpädagogik schreibt am 17.10.2012 während einer Vorlesung in einem vollen Hörsaal in der Universität in Tübingen (Baden-Württemberg) mit. (picture alliance / dpa - Jan-Philipp Strobel)
Vom DAAD gebe es ein großes Interesse an Partnerschaftskooperationen mit iranischen Universitäten, so Frens Stöckel. (picture alliance / dpa - Jan-Philipp Strobel)
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Kate Maleike: Wissenschaft kann bekanntlich Brücken bauen, wenn es in der Politik zu Krisen kommt oder zu Konflikten. Und der Iran gehört zu den Ländern, die international im Spannungsfeld liegen. Sanktionen sind da Stichworte, umstrittene Atomprogramme – das sind alles prägende Entwicklungen im Jetzt. In Zusammenarbeit mit Deutschland soll nun Wissenschaft Brücken bauen tatsächlich, denn beiderseitig besteht großes Interesse an einer Verstärkung der Hochschulzusammenarbeit. Beim Informationszentrum des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Teheran laufen dazu jetzt die Drähte zusammen. Dr. Frens Stöckel leitet das Zentrum, guten Tag!

Frens Stöckel: Guten Tag, Frau Maleike!

Maleike: Wie macht sich denn dieses gestiegene Interesse an Ihrer Arbeit bemerkbar? Wer klopft bei Ihnen an?

Stöckel: Wir sitzen mit unserem Informationszentrum des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in [unverständliches Wort; Anmerkung der Online-Redaktion] von Teheran und wir haben ganz überwiegend iranische Studierende und Forscher als die Hauptzielgruppe, aber bekommen auch wöchentlich sehr viele E-Mails von deutschen Professoren, von deutschen International Offices, die sich über Kooperationsmöglichkeiten erkundigen wollen.

"Iran scheint en vogue zu sein in den letzten Jahren"

Maleike: Können Sie mal ein paar Beispiele geben, woran zum Beispiel die deutschen Universitäten Interesse haben, in der Zusammenarbeit mit dem Iran?

Stöckel: Wir haben natürlich das ganze Spektrum aufgefächert, wir haben großes Interesse an Partnerschaftskooperationen. Also, wir haben da ein großes Programm, der Hochschuldialog mit der islamischen Welt zum Beispiel oder auch Doppelabschlussprogramme, die gefördert werden können. Und da besteht großes Interesse, weil wir einen großen, quantitativ sehr großen Hochschulsektor im Iran haben mit viereinhalb Millionen Studierenden. Gleichzeitig ist Iran aber auch eine qualitativ sehr, sehr interessante Destination für deutsche Hochschulen, wir stehen also nach den gängigen Rankings im Iran so eigentlich an erster Stelle in der gesamten Mena-Region, also Mittlerer Osten, Nordafrika, vor der Türkei mittlerweile. Und nehmen wir Israel jetzt mal raus aus diesem Ranking, dann ist das hoch attraktiv für deutsche Hochschulen. Gleichzeitig haben wir aber natürlich auch Internationalisierungsinteresse bei deutschen Hochschulen, also dass auch iranische Studierende und Forscher an deutsche Hochschulen kommen und auch an die großen Forschungsinstitute. Und da sehen wir einen ganz interessanten Trend, also, dass es Iran mittlerweile in die Top Ten geschafft hat der Herkunftsländer von Bildungsausländern und interessanterweise auch bei den Wissenschaftlern, die an deutschen Instituten arbeiten, dass wir auch da mittlerweile in den Top Ten sind. Also, Iran scheint en vogue zu sein in den letzten Jahren.

Maleike: Über welche Forschungsfelder, über welche Gebiete sprechen wir denn da eigentlich? Sind das die Geistes- und Sozialwissenschaften eher oder sind es die MINT-Fächer?

Stöckel: Ja, also, Letzteres definitiv. Wir haben einen ganz großen Überhang an Ingenieurwissenschaftlern, das ist typisch für die gesamte Region, aber speziell auch für den Iran. MINT-Fächer sind also ganz klar an erster Stelle und man rechnet sich natürlich auch aus, dass man möglicherweise in Deutschland auch erste Berufserfahrung sammeln kann. Das ist gerade bei einer relativ hohen Akademikerarbeitslosigkeit im Iran derzeit auch eines der attraktiven Punkte.

"Wir haben seit einigen Jahren eine Aufbruchstimmung"

Maleike: Herr Stöckel, ich hatte ja eingangs gesagt und erwähnt die großpolitische Wetterlage, die nicht unproblematisch ist. Wie leicht oder wie schwerfällt es denn da jetzt den Hochschulen eigentlich, zusammenzuarbeiten?

Stöckel: Ja, das ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Als DAAD konzentrieren wir uns natürlich ganz, ganz klar auf den Bereich Wissenschaft, Hochschulkooperation, und speziell in diesem Bereich haben wir es mit Besonderheiten zu tun, zum Beispiel dass es immer noch nicht richtig funktioniert, der internationale Geldtransfer zum Beispiel. Das betrifft die deutschen Unis oder die Unis auf beiden Seiten, natürlich auch die Förderorganisationen wie den DAAD. Und ja, an meinem Beispiel kann man das vielleicht besonders deutlich sehen: Ich muss mein Gehalt jeden Monat von der Botschaft abholen, weil es einfach nicht möglich ist, da von Bank zu Bank international zu transferieren. Das blockiert natürlich Hochschulkooperation weiterhin. Es gibt auch noch andere Felder, wir haben also ein relativ striktes Visa-Regime natürlich, was die einzelnen Studierenden und Forscher auch oft vor größere Herausforderungen stellt, auch zeitlich ist das häufig ein bisschen problematisch. Allerdings ist die deutsche Botschaft in Iran auch auf Platz eins, was die Vergabe von Visa angeht mit, ich glaube, 50.000 bis 60.000 pro Jahr. Das heißt, es gibt da auch Kapazitätsprobleme. Nicht zuletzt gibt es auch natürlich noch das Thema [unverständliches Wort; Anmerkung der Onlineredaktion] der EU, das ist auch natürlich wichtig zu beachten für deutsche Universitäten, die sich dann da auch rechtlich beraten lassen sollten, wenn es um institutionelle Kooperation geht.

Maleike: Unter dem Strich, was würden Sie denn sagen: Kommt da jetzt so was wie Morgenluft in die deutsch-iranische Hochschulkooperation?

Stöckel: Was man tatsächlich spürt – und ich komme auch sehr viel im Land rum und besuche die Unis in allen möglichen Provinzen im gesamten Land –, dass es tatsächlich eine Aufbruchstimmung gibt im Hochschulsektor Irans. Wir haben also nach Jahren eigentlich der Schwierigkeiten in der internationalen Kooperation jetzt tatsächlich seit einigen Jahren eine Aufbruchstimmung, man hat sehr, sehr großes Interesse, sehr große Motivation, besonders auch mit führenden, forschungsstarken Universitäten weltweit zu kooperieren. Und das ist auch die offizielle Position des iranischen Forschungsministeriums, mit dem wir auch sehr eng zusammenarbeiten vor Ort.

Maleike: Iran und Deutschland wollen also die Hochschulkooperation ausbauen. Dazu war das Dr. Frens Stöckel vom Informationsbüro des DAAD in Teheran. Danke!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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