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Hoffnung für Sehbehinderte

Neue Therapien für Netzhauterkrankungen in Sicht

Von Frank Grotelüschen

Bei Retinitis Pigmentosa und Makuladegeneration gibt es Ansätze zur Behandlung.
Bei Retinitis Pigmentosa und Makuladegeneration gibt es Ansätze zur Behandlung. (Stock.XCHNG / Helmut Gevert)

Netzhauterkrankungen galten lange als unheilbar. Viele der Betroffenen erblindeten. Für manche dieser Erkrankungen gibt es seit einigen Jahren wirksame Therapien, für andere wird an hoffnungsvollen Ansätzen gearbeitet. In Hamburg diskutierten Experten und Patienten gemeinsam auf dem RETINA International World Congress.

"Wenn man sich vorstellt als Normalsehender: Man guckt durch eine verschmierte Windschutzscheibe im Auto – da kann man einen Eindruck gewinnen, wie man sich das Sehen vorzustellen hat."

Franz Badura leidet an einer erblichen Netzhauterkrankung, der Zapfen-Stäbchen-Dystrophie.

"Mein Sehen ist sehr stark lichtabhängig. Je heller es ist, desto besser kann ich sehen und desto schärfer kann ich sehen. Je dunkler die Lichtverhältnisse sind, desto unschärfer wird das."

Ein Schicksal, dem sich Badura nicht einfach ergeben will. Deshalb engagiert er sich bei Pro Retina – einer Patientenorganisation, die versucht, die Forschung aktiv zu fördern. Die häufigste Netzhauterkrankung ist die altersabhängige Makula-Degeneration, sagt Professor Frank Holz, Direktor der Universitätsaugenklinik Bonn.

"Die altersabhängige Makuladegeneration betrifft einen Fleck der Netzhaut, wo sich die Stelle des schärfsten Sehens befindet. Und die erleidet einen Funktionsverlust, wenn diese Erkrankung unbehandelt bleibt."

Zwar erblinden die Patienten meist nicht vollständig. Doch im späten Stadium können viele weder lesen noch Gesichter erkennen. Rund viereinhalb Millionen Menschen sind in Deutschland betroffen – eine Volkskrankheit. Immerhin: Seit einigen Jahren gibt es gegen die feuchte Form eine wirksame Therapie. Bei dieser Variante werden die Symptome durch Ödeme verursacht, die Feuchtigkeit absondern und dadurch die Netzhaut schädigen.

"Die Therapie der feuchten Form ist eine Erfolgsgeschichte in der Medizin. Es werden Hemmstoffe gegeben gegen einen wichtigen Botenstoff, der diese Feuchtigkeit entstehen lässt. Mit diesen Hemmstoffen kann diese Schwellung der Netzhaut zurückgeführt werden und so die Funktion erhalten."

Meist kann die Therapie eine weitere Verschlechterung aufhalten. Viele Patienten können sogar wieder besser sehen. Dennoch, sagt Frank Holz, gibt es ein Problem.

"Es ist mit einer oder wenigen Behandlungen nicht getan. Die Patienten müssen bei der Stange bleiben, müssen vielleicht lebenslänglich behandelt werden. Und das bedeutet Anstrengung, Belastung."

Im Schnitt wären acht Behandlungen pro Jahr optimal. Viele Patienten aber belassen es bei vier. Der Grund:

"Es ist ein Aufwand gerade für ältere Betroffene, Angehörige zu finden, die den Transport zur Augenarztpraxis organisieren. Es sind auch Kosten damit verbunden. Und so gibt es hier noch Probleme, die angepackt werden müssen, damit alle Patienten optimal versorgt werden."

Für eine andere Gruppe von Netzhauterkrankungen, die Retinitis Pigmentosa, gibt es zwar noch keine Therapie. Doch es gibt Hoffnung. So wie es aussieht, lässt sich die Erbkrankheit mit einer neuen Therapieform behandeln – der Gentherapie:

"Ein Gen ist mutiert und führt zu negativen Effekten. Es liegt nahe, dieses Gen durch ein gesundes Gen zu ersetzen, um dadurch wieder die Funktion herzustellen. Das ist der Ansatz der Gentherapie."

Sagt Hendrik Scholl, Professor an der Johns Hopkins Universität in den USA. Das Einschleusen des intakten Gens soll das Sehvermögen verbessern und die Degeneration aufhalten. Zurzeit laufen mehrere klinische Studien. Die Zwischenergebnisse sind ermutigend.

"Es wurden praktisch keine Nebenwirkungen festgestellt. Was man gesehen hat, war, dass es zum Teil erstaunliche Verbesserungen des Sehvorgangs ergeben hat, mit denen man nicht hat, ohne Weiteres rechnen können."

Allerdings wird es noch Jahre dauern, bis klar ist, ob das Verfahren zugelassen wird. Und: Diese Studien beziehen sich auf einen seltenen Gendefekt, den in Deutschland nur etwa 100 Menschen haben. Dennoch: Für Patienten wie Franz Badura stellen die Ergebnisse einen Hoffnungsschimmer dar.

"Das ist ein Meilenstein, der hier geschafft wurde."

Denn ist erstmal für einen Gendefekt eine Behandlung gefunden, sollte das auch für andere möglich sein.

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