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Ideen-Pingpong

Bei "Speed-Inspiration"-Veranstaltungen werden Probleme im Dreiminutentakt ausgetauscht

Von Sven Barske

Nach drei Minuten Gespräch ertönt ein Gong, und die Veranstaltungsteilnehmer suchen sich eine neue Station.
Nach drei Minuten Gespräch ertönt ein Gong, und die Veranstaltungsteilnehmer suchen sich eine neue Station. (Stock.XCHNG / Sigurd Decroos)

Nach dem Vorbild des Speed-Dating gibt es in Hamburg seit Kurzem eine neue Veranstaltungsform: "Speed-Inspiration" heißt sie. Hier trifft man im Dreiminutentakt auf neue Gesprächspartner, mit denen man sein drängendstes Problem erörtert – egal ob es sich um Privates oder Berufliches handelt.

"Hahahaha! Das ist ne gute Idee! Das ist total lustig!"

Anna, Designerin und Ende 40, ist auf der Suche nach Ideen. Seit 17 Jahren wartet sie darauf, dass ihr Freund ihr einen Heiratsantrag macht. Nun sollen andere ihr sagen, wie sie ihn wohl endlich dazu bringen könnte. Die Ideen machen ihr gute Laune – auch wenn sie nicht immer einverstanden ist.

"Hahahaha, ich dachte, von Männern kämen richtig gute Ideen. Aber die Männer haben noch weniger Ideen."

Wir sind bei einer Ideenvermittlung. "Speed-Inspiration" nennt sich der Abend, nach dem Vorbild des Speed-Dating. Hier trifft man im Dreiminutentakt auf immer neue Gesprächspartner, denen man sein drängendstes Problem vorlegt – egal ob es sich um ein privates oder berufliches handelt.

Konkret sieht das so aus: Die zwanzig Ideensucher verteilen sich paarweise auf zehn Gesprächs-Stationen. Wer auf einem grünen Platz steht, lässt sich beraten. Auf einem roten Platz zu stehen heißt, Rat zu geben – beziehungsweise Ideen zu produzieren. Nach drei Minuten Gespräch ertönt ein Gong, und die Veranstaltungsteilnehmer suchen sich eine neue Station. Wer vorher auf Rot stand, stellt sich nun auf Grün und umgekehrt. Und schon beginnt das nächste Gespräch. Für Aufwärmphasen und Höflichkeitsrituale ist keine Zeit. Was natürlich Absicht ist, wie Deva Tamminga vom Veranstalterteam bestätigt:

"Die kurze Zeit hilft halt, dass man nicht lange grübelt, dass man nicht anfängt zu werten, sondern dass man spontan raus haut. Und dann kann man eigentlich ein ganz tolles Vertrauen in die eigene Kreativität gewinnen, dass man merkt: ist eigentlich ziemlich gut, was dabei rauskommt."

Dass schätzungsweise die Hälfte der Teilnehmer gar kein drängendes Anliegen hat, sondern in irgendeiner Weise zu den Veranstaltern gehört, fällt dabei gar nicht negativ ins Gewicht. Denn zu den Regeln der Speed-Inspiration zählt auch, konstruktiv mit allem umzugehen, was das Gegenüber sagt. Selbst wenn es sich nach einem herbeikonstruierten Problem anhört.
Und tatsächlich: Von Gongschlag zu Gongschlag werden die Gespräche offener, unter Zeitdruck fallen die Hemmungen, die Ideen beginnen zu sprudeln. In die konzentrierte Atmosphäre mischt sich zunehmend so etwas wie Euphorie.

"Es hat so richtig Pling gesagt, und dann wusste ich endlich, wo ich ansetzen muss und wie's jetzt weitergeht und so weiter."

Erfunden wurde die Speed-Inspiration von der Hamburg Kreativ Gesellschaft, einer Einrichtung der Hamburger Kulturbehörde, die die Kreativwirtschaft in der Hansestadt fördern soll. Die Kreativwirtschaft aber scheint bislang noch nichts mitbekommen zu haben von der neuen Veranstaltungsform: Bei Lichte betrachtet sind es vielleicht zehn Leute, die ihren Weg zu dieser zweiten Speed-Inspiration-Veranstaltung gefunden haben. Die Organisatoren lassen sich indes nicht entmutigen und wollen weitere Abende folgen lassen.

Und auch die Teilnehmer zeigen sich nach zwei Stunden Ideen-Pingpong vom Konzept der Speed-Inspiration überzeugt. Auch die Bühnenautorin Kristina, die erzählt, hier gar keine neuen Ideen bekommen zu haben. Dafür, sagt sie, seien ihr alle ihre eigenen Ideen bestätigt worden. Und das sei schließlich auch was wert.

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