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StartseiteForschung aktuellIm Kleinen beginnen08.08.2008

Im Kleinen beginnen

E-Voting-Verfahren für Vereine und Sozialwahlen

Informationstechnik. - Die Zukunft demokratischer Wahlen, die liegt nach Meinung mancher Experten im internetgestützten Wählen. Die aktuelle Entwicklung auf dem Gebiet diskutieren Experten derzeit bei einer Konferenz in Bregenz, organisiert von Robert Krimmer von Kompetenzzentrum für elektronische Wahlen in Wien. Krimmer berichtet über die Diskussionen im Gespräch mit Ralf Krauter.

Werden Wahlzettel bald durch Internetformulare abgelöst? (AP)
Werden Wahlzettel bald durch Internetformulare abgelöst? (AP)

Krauter: Herr Krimmer, wie gut hat Deutschland dabei abgeschnitten?

Krimmer: Deutschland ist im EU-weiten Ranking auf Platz sechs und hat sich hier sehr wacker geschlagen, weil es eben schon sehr gute Voraussetzung gibt in Deutschland. Es gibt eben die Briefwahl schon, es gibt die Möglichkeit, außerhalb des Wahllokals abzustimmen, aber auch sehr viel Erfahrung im privaten Umfeld. Da gibt es sehr viele Vereine, die bereits Internet-Wahlen durchgeführt haben, wie die Gesellschaft für Informatik, oder die G-21, das ist eine Zukunftsorganisation für den Einsatz vom Internet. Da hat sich Deutschland sehr hervorgetan. Doch, wo es vor allem hapert, ist die konkrete rechtliche Umsetzung für elektronische Wahlen. Dass man sich also schon Gedanken macht, wie kann ich rechtsgültige Wahlen auf lokaler Ebene vielleicht oder im Bereich von Interessenvertretungen, wie sie Sozialwahlen eben darstellen, einsetzen, und es gibt zwar Überlegungen, aber noch keine konkreten Erfahrungen. Das heißt, man hat tatsächlich den Unterschied gemacht zu eben Österreich, beziehungsweise dem Vereinigten Königreich, wo eben schon über sehr viel Erfahrung auf lokaler Ebene verfügen.

Krauter: Was genau ist das Ziel dieses E-Voting-Wettbewerbs, den sie jetzt zum Auftakt der Tagung in Bregenz veranstalten?

Krimmer: Ja, also unsere internationale Tagung von rund 100 Fachexperten hat zum Ziel, sich eben mit den Rahmenbedingungen, mit den konkreten Einsatzmöglichkeiten für elektronische Wahlen zu beschäftigen. Und ein erster Einstieg, dar ja elektronisches Wählen ja nicht aus Papier besteht, sondern es besteht rein aus elektronischen Bits und Bytes, ist es eben sehr wichtig, dass man sich das Ganze auch veranschaulicht. Und der E-Voting-Wettbewerb ist die ideale Gelegenheit, dass man sich überlegt, wie kann man denn elektronische Wahlen wirklich umsetzen. Man sieht also praktische Beispiele, von Studenten, von Forscherteams, die das also wirklich gleich vorzeigen, wie die Zukunft des Wählens aussehen wird.

Krauter: Sie haben drei Softwareprogramme ausgewählt, die gegeneinander antreten. Das soll unter anderem auch getestet werden, welche Software denn wirklich sicher ist. Ist das eines der Hauptziele dieser Studie, die Anfälligkeit einer solchen Software noch einmal zu prüfen?

Krimmer: Nein, es geht um ein gemeinschaftliches Weiterentwickeln. Wir werden hier noch nicht das System für die nächsten Bundestagswahlen haben, sondern wir werden hier ein System entwickeln, das für Wahlen, für Wahlen im privaten Bereich geeignet ist, für Wahlen, wo man auch sehr stark auf das Vertrauen der veranstaltenden Persönlichkeiten setzen kann. Hier wird also gemeinschaftlich die E-Voting-Systeme der Teilnehmer weiterentwickelt, also mit dem Versuch, eben auch den Gegner, unter Anführungszeichen, auf Schwachstellen hinzuweisen, verbessert sich die Gesamtsituation von den drei Mitbewerbern. Jeder hat seine spezifischen Stärken in seinem System, und dadurch kann der andere jeweils davon lernen. Es geht weniger darum, Schwachstellen zu identifizieren, sondern um die Stärken von den jeweiligen Systemen auch den anderen Systemen zur Verfügung zu stellen.

Krauter: Wie gut sind denn die Systeme, die jetzt antreten? Eine demokratische Wahl soll ja frei, persönlich und sicher sein. Ist das heute alles schon problemlos machbar?

Krimmer: Na ja, bei Wahlen geht es ja um das Einschätzen, welche Attribute mir am wichtigsten sind. Ist es mir besonders wichtig, dass nur wirklich wahlberechtigte Personen wählen können, oder ist mir wichtig, dass die Wahl absolut geheim ist. So wie es beim herkömmlichen Wählen auch immer ein Abwägen von den Attributen ist, kann man eben sagen, ich möchte eine Briefwahl machen, oder mache ich eben keine Briefwahl, sondern wähle nur im Wahllokal, wo ich also sicherstellen kann, dass der Wähler nicht beobachtet oder beeinflusst wird. Kann ich auch im technischen Bereich dieser Parameter unterschiedlich abstufen. Genau darin ist auch das besondere, was wir bei den Projekten festgestellt haben, dass wir also ein Verfahren festgestellt haben, aus Griechenland, das sehr stark auf die direktdemokratischen Komponenten setzt, das also hier auf zusätzliche Funktionen setzt, und dann wiederum auf eine ganz praktisch angewandte Lösungen für Vereine, wo es vor allem darum geht, dass einfach schnell die Abstimmung abgewickelt werden kann. Also, die Systeme, die heute schon vorhanden sind, eignen sich für den privaten Bereich, und auf denen kann man eben aufbauen. Die sind sicher noch nicht perfekt, deswegen gibt es ja eben genau diese Diskussion, deswegen macht man sich ja im Vorfeld Gedanken, bevor man sie wirklich einsetzt, aber sie sind schon sehr weit gediehen, so dass es schon einzelne Länder gibt, die erheblich ausgefeiltere Verfahren schon für echte Wahlen einsetzen.

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