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Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteKultur heuteIngenieur und intellektueller Kopf13.02.2012

Ingenieur und intellektueller Kopf

Eine Retrospektive auf den Mobile-Künstler Alexander Calder in Den Haag

Ein Meister der sogenannten kinetischen Plastik - das war der US-Künstler Alexander Calder. Seine Drahtgebilde zeigt derzeit das Gemeentemuseum in Den Haag. Calders Beziehung zu Piet Mondrian ist dabei für die Kritikerin Christiane Vielhaber die eigentliche Entdeckung der Ausstellung.

Karin Fischer im Gespräch mit Christiane Vielhaber

Die Skulptur "Yucca" des US-amerikanischen Künstlers Alexander Calder. (picture alliance / dpa)
Die Skulptur "Yucca" des US-amerikanischen Künstlers Alexander Calder. (picture alliance / dpa)
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Gemeentemuseum Den Haag

Karin Fischer: Es ist die größte Alexander-Calder-Retrospektive in den Niederlanden seit 1969, und sie präsentiert einen der bedeutendsten Erfinder der modernen Skulptur in der Luft: denn so könnte man die beliebten "Mobiles" ja auch bezeichnen. Das Gemeentemuseum in Den Haag präsentiert jetzt die Drahtgebilde des Künstlers, auch im Zusammenhang, wenn ich das richtig verstehe, mit Piet Mondrian, dessen Werk Calder in Paris 1930 kennenlernte. Frage an Christiane Vielhaber: Diese Beziehung leuchtet ziemlich ein, oder?

Christiane Vielhaber: Ja, und das ist die große Entdeckung dieser Ausstellung. Ich muss sagen, bei uns in Deutschland kennen wir ja eigentlich auch nur den Meister dieser putzigen Gebilde, die in den 50er-Jahren in jedem Kinderzimmer hingen, aber natürlich nicht Originale von ihm, sondern das, was es so in pädagogisch wertvollen Bastelläden gab. Dass Calder ein Ingenieur war, ein intellektueller Kopf, für den Sartre das Vorwort für einen Katalog geschrieben hat, der von Duchamp den Begriff überhaupt erst 1932 gekriegt hat, "Mobiles", das galt allerdings für die ersten motorgetriebenen Skulpturen von Calder und da sieht man, dass er eigentlich Ingenieur war und Kinetik und Physik hauptsächlich studiert hat und damit einfach umdenken konnte. Man sieht aber auch, dass er schon ganz früh für die Kinder seiner Schwester Spielzeug aus Draht gebastelt hat und er dann auch mal gesagt hat, ich kann eigentlich nur in Draht denken. Und dann sieht man zum Beispiel einen Großteil seiner 200-figurigen Zirkustruppe, die er, als er 1926 nach Paris kam, dann gebastelt hat, und man sieht Fotos von Performances, die er für seine Freunde gemacht hat, die also ein bisschen wie Marionetten aussehen. Dabei sieht man dann zum Beispiel eine Josephine Baker und die hat eine Brust, die sehen so aus wie die BHs von Gaultier, also aus so Drahtspiralen. Dann sehen sie aber auch, wie er angefangen hat: zunächst impressionistisch, und dann kommt das nachgebaute Atelier von Mondrian, den er in Paris besucht hat. Und dann kommt es letztlich zur wirklichen Abstraktion: Erst mal fasziniert von den Primärfarben, mit denen Mondrian gearbeitet hat, und dann von diesen schlichten Formen. Calder bleibt zwar immer organisch, sie können immer noch Blütenform oder Blattform erkennen, sie können teilweise auch Tierformen, die da so herumschweben, erkennen. Aber diese klaren Farben und letztlich auch die immer stärker abstrakt werdenden Formen und Gebilde, das hat er Mondrian zu verdanken und letztlich auch seiner Freundschaft mit Miró. Was da so herumfliegt, was manchmal aussieht wie eine Träne, das erinnert an Miró, und die haben auch Bilder, die an Miró erinnern, gleichzeitig aber auch die Rolle, die Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp mit ihren Reliefs gespielt haben. Nur er belässt es nicht beim Relief, sondern er nimmt diese Form und bringt sie ans schweben, und das muss eine sehr schwierige Arbeit gewesen sein. Es gibt Filme zu sehen, wie wir sehen, wie er das ausponderiert, wie er das austariert, damit das wirklich in einem Gleichgewicht ist und dass es sich dann trotzdem noch bewegt.

Fischer: Christiane Vielhaber, was erfahren wir über den Raum durch ein Mobile?

Vielhaber: Dieser Raum wird einfach so poetisch aufgefüllt, dass da Farben durch den Raum schweben, die Mondrian auf dem Blatt dynamisch werden lässt oder auf der Fläche. Das gelingt Calder in dem Raum und sie bilden einen Raum, indem sie sich bewegen und um sich selber drehen, und sie sind ein Teil des Raumes und eigentlich lösen sie sich wirklich in dem Raum auf.

Fischer: Vielen Dank an Christiane Vielhaber für diese Eindrücke aus Den Haag. Alexander Calder, dort zu sehen im Gemeentemuseum.

Informationen:
Gemeentemuseum Den Haag

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