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StartseiteComputer und KommunikationFacebook und Google sortieren ihren Werbemüll aus13.02.2016

InternetFacebook und Google sortieren ihren Werbemüll aus

Von Achim Killer

Manfred Kloiber: Instant Articles und Accelerated Mobile Pages, Webseiten, die sich schnell per Mobilfunk übertragen lassen. Informationen von Achim Killer waren das. Mit ihm bin ich jetzt verbunden. Herr Killer, wie groß ist denn das Problem mit dem langsamen mobilen Internet eigentlich, das Google und Facebook zu lösen versprechen, ihrer Einschätzung nach?

Achim Killer: Es ist meines Erachtens das größte Problem, mit dem der Endanwender konfrontiert ist. Jeder kennt es aus eigener Erfahrung. Und es steckt auch hinter den meisten netzpolitischen Konflikten. Nehmen Sie die Netzneutralität. Da sind alle dafür, wenn es ums Festnetz geht, weil es da egal ist. Beim Mobilfunk aber, da sind die Kapazitäten knapp. Da wollen Telekommunikationsunternehmen Extraeinnahmen erzielen und die Daten von gutzahlenden Kunden bevorzugt behandeln, also sie schneller transportieren. Übertragungskapazitäten sind reichlich vorhanden, wo Kabel liegen, also vor allem in den großen Transportnetzen. Nur bei der Anbindung des Nutzers, da treten Engpässe auf, vor allem wenn diese Anbindung per Mobilfunk erfolgt. Und da gibt's dann Konflikte.

Kloiber: Und warum ist das so? Warum sind Übertragungskapazitäten reichlich vorhanden, wie Sie sagen, und im Mobilfunk knapp?

Killer: Über eine Glasfaser gehen 100 Gigabit pro Sekunde. Und wenn das nicht reicht, nimmt man halt 100 davon. Und dann entlasten schnelle Zwischenspeicher vor Ort noch die Langstrecken wie beim Internetfernsehen oder bei diesen CDN, den Content Delivery Networks. Da werden die Daten örtlich nahe beim Konsumenten gespeichert. Also wer ein Youtubevideo kuckt, holt sich das meist nicht aus Kalifornien, sondern aus einem Rechenzentrum in Frankfurt am Main. Solche Tricks gibt es im Mobilfunk nicht. Da gibt es Datenstaus. Und deshalb muss da jemand quasi Verkehrsregeln aufstellen.

Kloiber: Und was qualifiziert ausgerechnet Google und Facebook zu Verkehrspolizisten im Netz?

Killer: Sie haben die Macht, Regeln durchzusetzen. Über Google und Facebook kommen die meisten Surfer auf Medienseiten. Die sagen sich ja nicht: Schauen wir mal, die wieder so geschrieben haben. Und surfen dann die Site an. Sondern man interessiert sich für Thema, googelt danach und klickt dann Links zu Artikeln an. Das ist Google. Oder ein Freund im sozialen Netz empfiehlt einen Artikel, den man dann anklickt. Das ist Facebook. Früher hat Google die allermeisten Surfer auf die Seiten von Medienunternehmen gebracht. Seit einiger Zeit werden soziale Netzwerke wie Facebook immer wichtiger. Das qualifiziert sie. Es gibt nichts, was sie legitimieren würde. Es sind quasi Staatsaufgaben, die die beiden Konzerne da gerne wahrnehmen würden. Dafür gibt es keine Legitimation.

Kloiber: Wieso ist es eine Staatsaufgabe, das Format von mobilen Webseiten festzulegen?

Killer: Na ja, es geht um Infrastruktur, um Mobilfunk. Infrastruktur bereitzustellen und zu regeln, wie sie benutzt werden soll, das ist eine klassische Staatsaufgabe oder - bei transnationalen Strukturen – Aufgabe von internationalen Organisationen. Die ITU, die Internationale Fernmeldeunion, regelt beispielsweise die internationale Telefonie. Beim mobilen Internet gibt es jetzt wirklich auch Regelungsbedarf. Den greifen aber zwei große Konzerne auf. Die stellen die Regeln auf. Konkurrierende Regeln. Und die des Stärkeren setzen sich dann durch. Ich glaube nicht, dass das Optimum dabei herauskommt.

Kloiber: Und was wird dabei herauskommen? Was erwarten Sie?

Killer: Also Google's Open-Source-Ansatz ist natürlich attraktiver. Accelerated Mobile Pages könnten vielleicht auch von anderen und für andere Zwecke eingesetzt werden. Die haben sicherlich Potenzial. Und Google hat natürlich auch die Macht, seine Vorstellungen durchzudrücken. Aber Facebook ist halt auch ein Machtfaktor.

Kloiber: Also Facebook verliert die Auseinandersetzung um die Hoheit über das mobile Internet, sagen Sie?

Killer: Nein, da möchte ich mich lieber nicht festlegen lassen. Aber wenn Sie einen Verlierer brauchen: die Medienunternehmen. Die bekommen von Internetunternehmen vorgeschrieben, was sie publizieren dürfen – also keine nackten oder halb nackten Menschen auf Facebook und keine Priesterkarikaturen auf dem iPhone. Und jetzt sagen ihnen Google und Facebook auch noch, wie sie ihre Artikel zu formatieren haben.

 

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