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StartseiteComputer und KommunikationFlash vor dem Aus02.05.2015

Internet Flash vor dem Aus

Seit Jahren steht Adobes Multimedia-Software Flash in der Kritik von Sicherheitsfachleuten. Längst schon betreibt der Konzern deren Weiterentwicklung nur noch halbherzig. Und längst schon hält die Branche Alternativen bereit. Seit diesem Jahr aber haben sich die Probleme massiv verschärft und ein Ende von Flash rückt näher.

Von Achim Killer

Eine Person tippt auf der Tastatur eines Laptop Computers. (imago / Jochen Tack)
Rein technisch gesehen ist Flash mittlerweile obsolet. Seit 2008 verhandelt das World Wide Web Consortium über HTML5. Damit lässt sich alles machen, wozu früher Flash nötig war. (imago / Jochen Tack)

"Adobe patches a critical flash-vulnerability"

"Adobe has issued a second patch-update to fix a critical flaw in their flash"

"Adobe has confirmed the discovery of a weaponized exploit in its flash-player"

Drei Sicherheitswarnungen von Video-Bloggern, drei von vielen. Seit fast 20 Jahren gibt es Software und ein Dateiformat, die Flash heißen, allerdings Anfangs etwas ganz anderes waren als heute. Und in jüngster Zeit vergeht kein Monat, in dem nicht gravierende Sicherheitslücken darin entdeckt werden. Spektakulär auf das Problem aufmerksam gemacht hat noch Steve Jobs, der Adobes Flash-Player nicht in Apple's App-Store gelassen und die Technik damit im mobilen Internet ausgebremst hat:

"Technologien haben ihre eigenen Lebenszyklen. Sie haben einen Frühling, einen Herbst und einen Winter, bevor sie schließlich auf dem Technikfriedhof enden. Flash ist eine Technik, die gute Tage hatte, aber mittlerweile dahinschwindet. Und HTML5 scheint die Technik im Aufschwung zu sein."

Begonnen hat Flash als Grafikformat und Plug-in, um diese Grafiken im Browser darstellen zu können. Und Populär geworden ist es durch Web-Videos, die im Flash-Player laufen. Tatsächlich aber ist der weit mehr als ein bloßer Video-Player. Schon vor 15 Jahren hat der damalige Eigentümer Macromedia mit Action Script eine eigene Programmiersprache dafür veröffentlicht. Der Flash-Player verarbeitet die damit geschriebene Software, erläutert Marc-Oliver Pahl von der TU München:

"Also Flash hat sich zu einer vollständigen Programmiersprache ausgeweitet, sodass das Flash eigentlich ein vollständiges Programmierfenster, ein vollständiges Betriebssystem vielleicht sogar innerhalb des Computers ist, das im Browser dann eben ausgeführt wird."

Diverse Browserhersteller umgehen Flash bereits

Am ehesten vergleichbar ist der Flash-Player noch mit Oracle's Java Virtual Machine, die auch sehr komplex und deswegen fehleranfällig ist, wenn auch nicht so sehr wie Adobe's Flash-Player. Die Industrie arbeitet an Alternativen. Google hat einen eigenen Player für den Browser Chrome. Und die Mozilla Foundation entwickelt für den Firefox Shumway, Software, die Flash-Files in HTML-5-Elemente umwandelt, welche dann vom Browser sicher verarbeitet werden können. Andreas Gal, der Cheftechnologe von Mozilla:

"Daraus ist ein fast vollständiger Flash-Player geworden, der einen Großteil der Flashfiles verarbeiten kann, gegenwärtig etwa 90 Prozent der Files, die man im Internet antrifft. Und wir bauen ihn gerade in unseren Browser Firefox ein."

In einigen Vorab-Versionen des Firefox ist Shumway auch bereits aktiviert. Swiffy heißt ein vergleichbares Projekt von Google. Es zielt vor allem auf Plattformen, für die Adobes Flash-Player nicht oder nur schwer erhältlich ist, also auf Apple's iOS und Google's Android. Für Android gibt es zwar einen Flash-Player. Allerdings entwickelt Adobe ihn nicht mehr weiter, stopft aber immerhin noch Sicherheitslücken. Und Linux-Anwender sind mittlerweile auf den Player in Googles Chrome angewiesen.

Rein technisch gesehen, ist Flash mittlerweile obsolet. Seit 2008 verhandelt das World Wide Web Consortium über HTML5. Damit lässt sich alles machen, wozu früher Flash nötig war. Seit vergangenen Oktober nun ist HTML5 offizieller Standard. Parallel zum Standardisierungsprozess haben die Browser-Hersteller HTML5 schrittweise umgesetzt. Inzwischen sind die meisten soweit. Bleiben die Altlasten: Die Websites, die Videos immer noch im Flash-Format speichern. Deren wichtigste immerhin – Youtube – zeigt sie seit diesem Jahr vorzugsweise in HTML5.

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