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Kampf dem Leck in der Leitung

Bremen: Wissenschaftsrat sorgt sich um weibliches Führungspersonal

Von Christina Selzer

Immer noch gebe es zu wenige Professorinnen, stellt der Rat fest.
Immer noch gebe es zu wenige Professorinnen, stellt der Rat fest. (picture alliance / dpa)

Leaking Pipeline - so heißt ein Phänomen, das Frauen in ihrem Berufsleben ereilen kann: Je weiter ihre Karriere schreitet, desto häufiger bleiben sie auf der Strecke. Das gilt auch für Wissenschaftlerinnen. Vor fünf Jahren hat daher der Wissenschaftsrat eine Offensive für Chancengleichheit begonnen. Bei seiner diesjährigen Frühjahrssitzung gab es nun eine Bestandsaufnahme.

Der Vorsitzende, Professor Wolfgang Marquardt, ist noch nicht zufrieden.

"Es ist viel passiert, aber die Bestandsaufnahme zeigt, dass wir uns nicht zurücklehnen können, sie ist ernüchternd, es sind aber auch Fortschritte zu sehen. Man misst die Aufstiegschancen auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent, hier ist eine Verbesserung von 20 bis 30 Prozent auf der Skala zu sehen, das ist eine gute Verbesserung, aber man sieht, da ist sehr viel Luft nach oben."

Ein Grund: die schwierige Vereinbarkeit von Familien und Beruf. Um die zu verbessern, sind nach Ansicht des Wissenschaftsrates mehrere Maßnahmen nötig: Zum Beispiel müsste die Universität als Arbeitgeber mehr Kindergartenplätze schaffen, die den Bedürfnissen und Arbeitszeiten von Wissenschaftlern gerecht würden.

"Zuerst muss der Staat seiner Aufgabe nachkommen, die Kinderbetreuung auszubauen, auch was die Betreuung der unter Dreijährigen angeht. Aber dann muss on top die Uni als Arbeitgeber, der interessant sein will, diese Dinge anbieten, die im öffentlichen Bereich nicht da sind."

Immer noch gebe es zu wenige Professorinnen, stellt der Rat fest. Daher hält er es auch für wichtig, dass der Anteil an Frauen in den Berufungskommissionen höher wird. Gleichstellung sei eine strategische Aufgabe auf allen Ebenen von der Leitung bis zu den Uni-Instituten. Eine Frauenquote für Professuren mache aber keinen Sinn. Professor Marquardt:

"Wir haben ein Kaskadenmodell beschlossen, es wird von einer zur nächsten Karrierestufe eine Zielzahl festgelegt, die sich orientiert an den Zielzahlen der vorherigen Zahl. Diese Zielzahlen haben wir nicht allgemein festgelegt, weil man die nicht festlegen kann. Nehmen Sie die Ingenieure: Da sind auf jede Karrierestufe etwa 10 Prozent Frauen, da kann man nicht einfach sagen, das müssen jetzt 30 Prozent werden."

Bei der Frühjahrssitzung des Wissenschaftsrates ging es auch um eine Bestandsaufnahme der privaten und kirchlichen Hochschulen. Insgesamt gibt es in Deutschland 140 nicht staatliche Hochschulen, dort studieren etwa sechs Prozent der Studierenden. Diese Hochschulen leisten einen wichtigen Beitrag, befindet der Wissenschaftsrat und bewertet es positiv, dass dort das Studienangebot stärker auf die Bedürfnisse von bestimmten Studierendengruppen zugeschnitten ist. So werden auch Teilzeit- oder Fernstudierende angesprochen, neue Zielgruppen erreicht und nicht-akademische Berufsfelder akademisiert.

Was die Finanzierung angeht, betont der Wissenschaftsrat:

"Private Hochschule heißt private Finanzierung. Darüber hinaus kann sie dann von staatlicher Seite finanziell unterstützt werden, insbesondere wenn es gemeinnützige Hochschulen sind."

Auch mit dem Akkreditierungssystem der staatlichen Hochschulen hat sich der Wissenschaftsrat befasst und er empfiehlt hier eine Weiterentwicklung. Im Zuge des Bologna-Prozesses waren die Hochschulen damit beschäftigt, die Strukturen umzustellen. Künftig sollte es stärker um Inhalte gehen, fordert Wolfgang Marquardt.

"Die Frage ist, was kann man den Studierenden inhaltlich zumuten, wie muss man es aufbereiten, sodass es in der Zeit, die vorgesehen ist, nicht nur abprüfbar mit Erfolg ist, sondern dass es auch wirklich zu einem learning outcome führt, dass die Studierenden tatsächlich das Wissen, das angestrebt ist, auch mitnehmen."

Die Einführung von Modulen, gestuften Studiengängen und Akkreditierungen war mit erheblichem Aufwand für die Hochschulen verbunden, stellt der Wissenschaftsrat fest. Er geht allerdings davon aus, dass diese Ausnahmesituation weitgehend abgeschlossen ist, sodass sich alle Hochschulen künftig wieder auf die Qualität von Studium und Lehre konzentrieren können.

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