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StartseiteForschung aktuellKeine Bewegung07.02.2008

Keine Bewegung

Streit um deutsche Atomkraft verharrt im Patt

Energie. – Die Kernenergie ist heftig umstritten – zumindest in Deutschland. Hier gibt es den Ausstiegsbeschluss, und bislang lässt der amtierende Umweltminister keinen Zweifel daran, dass dieser auch umgesetzt wird. Auf der Wintertagung des Deutschen Atomforums prallte Sigmar Gabriel wieder einmal mit den Kernkraftbefürwortern zusammen.

Von Philip Banse

Die Kernkraft, hier das Kraftwerk Krümmel, ist in Deutschland weiterhin heftig umstritten. (AP Archiv)
Die Kernkraft, hier das Kraftwerk Krümmel, ist in Deutschland weiterhin heftig umstritten. (AP Archiv)

Deutschland will seine Atomkraftwerke in den nächsten Jahren alle abschalten. Die Bundesregierung hält die deutsche Kernforschung daher auf kleiner Flamme. Das Bundesforschungsministerium will in den kommenden drei Jahren bis zu 40 Millionen Euro bereitstellen, um Kompetenzen zu erhalten im Bereich nuklearer Sicherheits- und Endlagerforschung. Ganz einstellen will auch Umweltminister Sigmar Gabriel die Kernforschung nicht, wie der Atomlobby vor zwei Monaten erklärte:

"Natürlich ist es auch weiterhin denkbar, dass die existierenden Risiken der kerntechnischen Anlagen noch weiter minimiert werden. Und natürlich ist es denkbar, dass Transmutationsforschungen zum Umgang mit radioaktiven Materialien Ergebnisse bringen, bei denen wir die Radioaktivität, die Halbwertszeiten deutlich verändern können und das zu Kosten, die es uns ermöglichen, die Technik zu nutzen und die Endlagerproblematik zu lösen. Deswegen macht es Sinn, auch weiterhin in Forschung und Entwicklung zu investieren auch in diesem Bereich."


Unterm Strich mache aber der Atomausstieg auch der Kernforschung den Garaus, sagt Professor Eberhard Umbach, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft:

"Die Kernenergieforschung ist in den letzten Jahren drastisch zurückgefahren worden, weil man gesagt hat, es gibt keine Zukunft. die Mittel wurden gedeckelt, sind nicht mehr geflossen. Und selbst die nukleare Sicherheitsforschung wurde durch die Deckelung letztlich runter gefahren."

Kürzungen bei der Sicherheitsforschung – das habe jedoch keinen Einfluss auf die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke, so Umbach:

"Das liegt einfach daran, dass die Sicherheitsforschung weit voraus denkt, sich überlegt, was passiert mit neuen Generationen von Reaktoren? Die Sicherheitsforschung spielt Szenarien durch, wenn etwas passiert, welche Auswirkungen das hat. Die Aspekte, die wirklich für die Sicherheit der laufenden Kernreaktoren erforderlich sind, die werden weiterhin behandelt."

Die wiederholten Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel hätten mit der gebremsten Kernforschung in Deutschland nichts zu tun, sagt Walter Hohlefelder, Chef des Deutschen Atomforums und Vorstandsmitglied bei EON Energie.

"Sie haben schon den Begriff Panne gebraucht. Da hat ein Transformator gebrannt. Das ist in der öffentlichen Wahrnehmung sicherlich ein Ereignis. Aber unter dem Aspekt der nuklearen Sicherheit war Krümmel in der Ereignis-Kategorie Null einer internationalen Skala, die bis sieben geht. Von einer Panne oder einem Störfall konnte bei Krümmel nicht die Rede sein."

Der Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Professor Eberhard Umbach, sieht durch die reduzierten Forschungsinvestitionen einen Mangel an Fachkräften für Atomkraftwerke voraus:

"Wenn die jetzt agierenden Wissenschaftler und Ingenieure in Pension gehen, dann ist niemand mehr da. Wir müssten das entsprechende Fachpersonal dann von außerhalb holen. Das ist nicht besonders sinnvoll."

Aber auch dieser Fachkräftemangel sei kein Sicherheitsproblem für deutsche Atom-Anlagen, versichert Eberhard Umbach:

"Nein, dieses Risiko würde niemand bei uns eingehen. Das ist der Bereich, wo Sicherheit am allerhöchsten geschätzt wird. Da wird alles dafür getan, damit da nichts schief gehen kann."

Der schleichende Ausstieg aus der Atomforschung gefährde nicht die Sicherheit der deutschen Reaktoren, wohl aber die Sicherheit nicht-deutscher Reaktoren, sagt Walter Hohlefelder von Eon Energie:

"Heute ist die Situation, das wir landauf, landab verkünden, wir sind eine Ausstiegs-Nation. Wir isolieren uns immer mehr. Und als isolierte Ausstiegsnation hört uns in der weltweiten Sicherheitsdebatte kein Mensch mehr zu, wir werden nicht ernst genommen. Unter einem globalen Aspekt werden wir uns eine unsicherer Welt einhandeln, als wir sie hätten, wenn wir selber noch auf das Thema Kernenergie-Sicherheit einwirken könnten."

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