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StartseiteComputer und KommunikationKeine saubere Sache08.07.2006

Keine saubere Sache

"PC Global" propagiert den fair gehandelten PC

<strong>Computer sind ein kurzlebiges Gut, rasch landen die Geräte auf dem Müll. Doch was geschieht dann mit Chips und Monitoren? Das entwicklungspolitische Projekt "PC Global" versucht, das Bewusstsein von Verbrauchern für Herkunft und letzte Reise von Computern zu wecken.</strong>

Von Christian Fischer

Computer haben ein sauberes Image, das so nicht immer stimmt. (Stock.XCHNG / Michal A. Valasek)
Computer haben ein sauberes Image, das so nicht immer stimmt. (Stock.XCHNG / Michal A. Valasek)
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PC Global

Wer sich einen neuen Computer anschaffen möchte, denkt über vieles nach: Wie schnell soll der Prozessor sein, wie groß die Festplatte? Welche Schnittstellen muss er haben? Und natürlich: Was darf er kosten? Fast immer fehlen dabei jedoch Überlegungen wie: Wo wird der Rechner eigentlich produziert? Und wie sind dort die Arbeitsbedingungen?

"Computerproduktion hat ein sauberes Image. Die wenigsten Menschen wissen überhaupt, dass PCs größtenteils in Entwicklungsländern produziert werden und haben kein Bild davon, unter welchen Bedingungen die hergestellt werden."

Sara Bormann leitet das Projekt PC Global, das die entwicklungspolitische Organisation Weed in diesem Jahr ins Leben gerufen hat. Bormann und ihre beiden Mitarbeiter wollen auf die oft extrem schlechten Produktionsbedingungen in der Computerindustrie aufmerksam machen. Dabei scheint viele PC-Käufer schon jetzt ein schlechtes Bauchgefühl zu plagen, wie Andreas Mannhardt vom Öko-Institut Freiburg herausgefunden hat:

"Wir haben in einem anderen Zusammenhang eine Befragung von Konsumenten durchgeführt und festgestellt, dass die Bedenken immer schon da waren. Es gibt so ein diffuses Wissen, dass hier irgendetwas nicht ok ist, nur es kann keiner genau benennen. Insofern ist die Versorgung des Konsumenten mit Informationen ein Schritt, der in Deutschland zumindest noch zu leisten ist."

Denn wer weiß schon, dass nicht nur Turnschuhe, sondern auch viele Computerteile unter geradezu unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei extrem geringer Bezahlung produziert werden? In solchen High-Tech Sweatshops werden gezielt junge Frauen angeworben:

"Es gibt Strategien, dass man auf junge Frauen als das ideale Arbeitssubjekt – willig, flexibel, billig – zurückgreift. Die sind so jung, weil sie rausgeschmissen werden, sobald sie älter werden. Also 23, 24 Jahre, dann werden die da wieder weggeschickt. Das ist einfach eine Arbeit, die extrem arbeitsintensiv ist und wo die Arbeitskraft sehr schnell verbraucht wird. Dann kehren die in ihre Heimatdörfer zurück und müssen dann da gucken, wie sie über die Runden kommen."

Alexis Passadakis, ebenfalls von PC Global, recherchiert zurzeit gezielt Einzelfälle:

"Es gibt Berichte über Firmen in China, bei denen es massive Vergiftungen gab von Arbeiterinnen und Arbeitern. Dann gibt es wiederum Berichte über Versuche, Gewerkschaften zu gründen, dort wurde mit massiver Repression dieser Gewerkschaftsgründungsversuch unterbunden."

Durch öffentliche Aktionen, Pressemitteilungen und einen Dokumentarfilm soll nun auf solche Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie aufmerksam gemacht werden. Ziel ist es:

"Wenn zum Beispiel Schulen und Universitäten sagen: Wir gucken, welche Alternativen es gibt."

Doch hier liegt das Problem: Denn bislang gibt es eigentlich keine Alternativen. Wer sich einen neuen PC anschafft, kann nicht, ähnlich wie bei Bananen oder Kaffee, auf ein fair gehandeltes Produkt zurückgreifen – weil es einfach nicht existiert. Ein Grund dafür ist die Produktionsweise von Hightech Geräten: Der Weg vom Rohstoff zum fertigen Produkt ist oft so komplex, dass ihn selbst die Hersteller nur mit Mühe nachvollziehen können. Die Einzelteile eines einzigen Computers könnten aus hunderten verschiedenen Fabriken stammen. Sara Bormann und ihre Mitstreiter hoffen jedoch, dass mit Hilfe des nötigen gesellschaftlichen Drucks auch die Chancen auf den Fair Trade PC wachsen.

"Erstmal geht’s um so was wie Pionierarbeit, um überhaupt Aufklärung und Öffentlichkeit zu schaffen und eine Sensibilisierung anzuregen. Das ist das erste Ziel und der erste wichtige Schritt, den wir machen."

Auf ein weiteres, ökologisches Problem machten Greenpeace-Aktivisten vor den Toren der diesjährigen CeBIT mit einem fünf Meter hohen Müllmonster aufmerksam: Die Verarbeitung von Giftstoffen in Computern und ihre oft unsachgemäße Entsorgung, etwa durch illegale Exporte. Sara Bormann:

"Diese PCs, die als illegale Exporte unter E-Waste-Handel nach Indien oder China kommen, die werden dort recycelt, häufig einfach über dem offenen Feuer, was dazu führt, dass sowohl die Umwelt als auch die Leute, die diesen Arbeitsprozess tätigen, von diesen toxischen Stoffen vergiftet werden."

Das Grundproblem ist hier jedoch weniger die Entsorgung als vielmehr die Tatsache, dass Giftstoffe überhaupt ihren Weg in den Rechner finden. Zwar gibt es seit 2003 zwei EU-Richtlinien, die die Verwendung bestimmter Stoffe und ihre Entsorgung regeln, allerdings wurden sie erst im März dieses Jahres im Rahmen des "Elektro- und Elektronikgerätegesetzes" in Deutschland umgesetzt – die Übergangsfrist läuft bis Ende Juli.

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