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StartseiteHintergrundKlappe zu - Affe tot13.08.2001

Klappe zu - Affe tot

Vor 40 Jahren: Der Bau der Berliner Mauer

<strong>DDR-Rundfunk:</strong> "Verehrte Hörer, wir melden uns aus dem großen Festsaal im Haus der Ministerien von der internationalen Pressekonferenz, die der Vorsitzende des Staatsrats, Genosse Walter Ulbricht, in wenigen Minuten hier abhalten wird. Es sind über 300 Journalisten aus dem In- und Ausland hier anwesend. Jetzt betritt der Vorsitzende des Staatsrates, Genosse Walter Ulbricht, den Saal. Die Pressekonferenz beginnt."

Marcus Heumann

"Hoehr, Redaktion DER SPIEGEL in Berlin. Ist es mit dem streng neutralen Status der freien Stadt Westberlin, den das sowjetische Memorandum fordert, Ihrer Meinung nach vereinbar, dass weiterhin in Westberlin Flüchtlinge aus der DDR aufgenommen werden? Schließt die angestrebte Kontrolle der DDR über die Verkehrswege einer freien Stadt Westberlin nach Westdeutschland weiterhin die Möglichkeit ein, dass – Ihrer Meinung nach – Flüchtlinge aus Westberlin in die Bundesrepublik abgeflogen werden können?"

Ulbricht: "Sehr interessante Fragen. Wir halten es für selbstverständlich, dass die sogenannten Flüchtlingslager in Westberlin geschlossen werden und die Personen, die sich mit Menschenhandel beschäftigen, Westberlin verlassen. Ich möchte hinzufügen, dass es selbstverständlich Menschen gibt, die die Absicht haben, ihren Wohnsitz zu ändern. Die einen wollen aus der Deutschen Demokratischen Republik nach der Westdeutschen Bundesrepublik umsiedeln, die anderen wollen aus der Bundesrepublik in die Deutsche Demokratische Republik umsiedeln. Das darf selbstverständlich alles nur auf gesetzlichem Wege geschehen. Also, wer von den Organen der Deutschen Demokratischen Republik - vom Innenministerium - die Erlaubnis erhält, der kann die DDR verlassen, wer sie nicht erhält, der kann sie nicht verlassen. Wer von der westdeutschen Bundesrepublik die Erlaubnis erhält, nach der DDR umzusiedeln, der wird umsiedeln; wer das Recht nicht erhält, der kann nicht umsiedeln."

"Ich möchte eine Zusatzfrage stellen – Doherr, FRANKFURTER RUNDSCHAU: Herr Vorsitzender, bedeutet die Bildung einer freien Stadt Ihrer Meinung nach, dass die Staatsgrenze am Brandenburger Tor errichtet wird, und sind Sie entschlossen, dieser Tatsache mit allen Konsequenzen Rechnung zu tragen?"

Ulbricht: Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Mir ist nicht bekannt, dass solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

Hier ist RIAS Berlin, eine freie Stimme der freien Welt. Hier ist das Zeitfunk-Programm vom 11. August. Heute in Ostberlin: 19. Sitzung der sogenannten Volkskammer. Es spricht das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats der Deutschen Demokratischen Republik, Willi Stoph:

"Wir wiederholen, dass jeder Bürger, der die Deutsche Demokratische Republik verlässt und sich zur Teilnahme am Menschenhandel missbrauchen lässt, Verrat an der Sache des Friedens übt und die aggressive Politik der westdeutschen Militaristen unterstützt, die einen atomaren Angriffskrieg vorbereiten. Es ist verständlich, wenn von den Werktätigen der Deutschen Demokratischen Republik immer stärker die Forderung erhoben wird, den Menschenhandel zu unterbinden."

Heute Nachmittag in Westberlin, Notaufnahmelager in Marienfelde. "Kommen Sie auch aus der Zone, oder kommen Sie aus Ostberlin?" "Nein, ich komme aus der Zone." "Was sind Sie von Beruf gewesen?" "Kraftfahrer." "Und was hat Sie zu dem Entschluss gebracht, herüber zu kommen?" "Ja, was alle dazu zwingt. Das Leben drüben wird ja von Tag zu Tag schlechter, die Schikanen ja auch – ob im Betrieb oder überall. Dann muss man den Entschluss fassen, und jetzt ist noch Zeit, ehe alles abgeriegelt wird."

Heute Vormittag in Ostberlin:

Stoph: "Was sind denn die wirklichen Absichten dieses Treibens, das mit Freiheit und Menschenwürde auch nicht das Geringste zu tun hat? Sie verschaffen sich auf diese Weise billige Ausbeutungsobjekte, die in der Deutschen Demokratischen Republik auf Kosten der Arbeiter und Bauern ausgebildet und qualifiziert wurden, locken Jugendliche aus ihren gesicherten Verhältnissen in die Ungewissheit, um sie in die NATO-Armee oder in die Fremdenlegion zu pressen. Frauen und Mädchen landen als Prostituierte in Bordellen. Der Ministerrat erachtet es für notwendig, auch weiterhin geeignete Maßnahmen gegen Menschenhandel, Abwerbung und Sabotage zu treffen."

RIAS-Sprecher: In den letzten 24 Stunden baten trotz verschärfter Kontrollen 1.570 Flüchtlinge um die Notaufnahme.

DDR-Rundfunk: Die westdeutschen Militaristen wollen durch alle möglichen betrügerischen Manöver, wie zum Beispiel freie Wahlen, ihre Militärbasis zunächst bis zur Oder ausdehnen, um dann den großen Krieg zu beginnen. Die westdeutschen Revanchisten und Militaristen missbrauchen die Friedenspolitik der UdSSR und der Staaten des Warschauer Vertrages in der Deutschlandfrage, um durch feindliche Hetze, durch Abwerbung und Diversionstätigkeit nicht nur der Deutschen Demokratischen Republik, sondern auch anderen Staaten des sozialistischen Lagers Schaden zuzufügen. Aus all diesen Gründen beschließt der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik in Übereinstimmung mit dem Beschluss des politischen beratenden Ausschusses der Staaten des Warschauer Vertrages, zur Sicherung des europäischen Friedens, zum Schutze der Deutschen Demokratischen Republik und im Interesse der Sicherheit der Staaten des sozialistischen Lagers folgende Maßnahmen: Solange Westberlin nicht in eine entmilitarisierte neutrale freie Stadt verwandelt ist, bedürfen Bürger der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik für das Überschreiten der Grenzen nach Westberlin einer besonderen Bescheinigung. Für den Besuch von Bürgern der westdeutschen Bundesrepublik im demokratischen Berlin bleiben die bisherigen Kontrollbestimmungen in Kraft. Dieser Beschluss über Maßnahmen zur Sicherung des Friedens, zum Schutze der Deutschen Demokratischen Republik, insbesondere ihrer Hauptstadt Berlin, und zur Gewährleistung der Sicherheit anderer sozialistischer Staaten bleibt bis zum Abschluss eines deutschen Friedensvertrages in Kraft.

RIAS-Reporter Erich Nieswandt: "Seit etwa ein Uhr heute nacht rattern die Pressluftbohrer und bohren einen Graben quer durch die Ebertstraße hier am Brandenburger Tor. Der Graben ist etwa einen halben Meter tief und einen halben Meter breit. Es sind Volkspolizisten in ihrer Arbeitskleidung, es ist eingesetzt die Feuerwehr, es sind eingesetzt die Beamten des Amtes für Zoll- und Warenkontrolle. Und auf der anderen Seite des Brandenburger Tores stehen etwa 30 LKWs, die hier die Mannschaften herangebracht haben; es sind etwa schätzungsweise 50 Uniformierte, die hier das Brandenburger Tor bewachen. Wenn ich einen Blick die Ebertstraße hinunterwerfe – ich darf den Bürgersteig nicht betreten, denn er gehört schon zum Osten –, dann sehe ich, wie etwa 200 bis 250 m entfernt vom Brandenburger Tor gleichfalls eine Schneise durch die Straße gebohrt wird, wie Polizisten von drüben in ihrer Arbeitskleidung – die Ostpolizisten, die Ostfeuerwehr – sie blicken hier rüber, ja, sie lächeln sogar dabei, wie sie den Pressluftbohrer in die Erde bohren. Und einer schaute mich an und es war in seinem Gesicht zu lesen: ‚Ja, höre nur das Geräusch. Ich mache es extra für Dich, damit Du es auch auf Dein Tonband bekommst.'"

Musik: Im Sommer '61 (Wolfgang Lesser/ Heinz Kahlau) Im Sommer 61 am 13. August Da schlossen wir die Grenzen Und keiner hat's gewusst Klappe zu - Affe tot Endlich lacht das Morgenrot

DDR-Rundfunk: Es spricht nun Karl-Eduard von Schnitzler: "Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen, meine Hörerinnen und Hörer. Un-sensationell – dieses Wort kennzeichnet wohl am besten die Maßnahmen, die wir in Übereinstimmung mit den anderen Staaten des Warschauer Pakts heute nacht ergriffen haben. Grenzgänger, die auch heute in Westberlin arbeiten wollten, nahmen davon Abstand und werden sich morgen eine anständige Arbeit suchen – bei uns natürlich. In Schönefeld brauchte aus dem Leipziger D-Zug zum erstenmal keiner herausgeholt und wieder nach Hause geschickt zu werden, der sich hatte verrückt machen lassen. Am Bahnhof Friedrichstraße setzten sich ein paar Leute mit viel Gepäck und etwas bedepperten Minen in den Zug, der sie wieder nach Hause brachte – in Wohnungen, die nun dummerweise allerdings leer sind, weil diese Neunmalklugen ihre Radios, Fernsehgeräte, Kühlschränke und Möbel verkauft hatten, bevor sie sich als arme versklavte Flüchtlinge auf den Weg nach Westberlin gemacht hatten. Pech so was."

DDR-Rundfunk: "Wie fühlt man sich nach einer durchwachten Nacht?" "Ach Gott, ich will mal sagen, es geht ganz gut, nicht. Wir wissen doch, wozu wir hier stehen!" "Und weshalb stehen Sie hier?" "Ja, wir stehen hier, um jetzt hier den Schutz erst einmal zu übernehmen und erstmal dann hier diese ganze Geschichte und Schweinerei, die gewesen ist, zu unterbinden. Vor allen Dingen das Grenzgängertum – es geht doch nicht an, dass jetzt die Menschen bei uns hier essen und drüben liefern sie ihre Arbeit." "Mit anderen Worten: Sie stehen hier, um Ruhe und Sicherheit für die Arbeit unserer Bevölkerung zu gewährleisten"" "Jawohl, hier werden wir auch immer stehen, um die innere Sicherheit zu gewährleisten" "Und Sie haben Gewehre mit für den Fall, dass es ein paar Leute geben sollte, die gerne ‚tanzen‘ möchten – in Anführungsstrichen –, tanzen möchten, dann werden wir ihnen aufspielen dazu."

Musik: Berliner Geschichten (Kubiczek/Fensch) Unser schönes Berlin wird sauber sein Denn wir haben den kalten Kriegern am Rhein Ihre Menschenfalle verriegelt Und mit rotem Wachs versiegelt Ja ja, der helle Berliner sagt "Prima - Das reinigt so dufte das Klima Es ziehen jetzt Ruhe und Frieden ein Und sauber, ja sauber Wird uns're Hauptstadt sein

RIAS-Reporter Christof Schade: Jetzt läuft ein Zug von der Leinestraße herkommend in den Bahnhof ein. Der erste Wagen ist vielleicht mit zehn Fahrgästen besetzt, und in den anderen Wagen sind auch nicht viel mehr drin. "Einen kleinen Moment bitte, Sie sind eben durch den Ostsektor gefahren. Der Zug fährt mit der normalen Geschwindigkeit durch die Bahnhöfe hindurch?" "Er fährt etwas langsamer, fährt aber durch ohne zu halten. Ich komme von Neukölln und bin durchgefahren bis hierher; es ist traurig. Mein Junge ist in der Zone momentan; hoffentlich kommt er wieder zurück. Er ist bei meinen Eltern – mit Genehmigung. Ich hoffe ja, dass er wiederkommt."

"Bevor der Zug dann durch den Ostsektor fährt, wird er nicht erst noch mal angehalten und kontrolliert?" "Nein, nein. Der Zug fährt gleich durch. Der letzte Bahnhof von der Linie D ist der Moritzplatz, und dann fährt der Zug bis zur Reuterstraße durch. Und wenn er sich einem Bahnsteig nähert, fährt er langsamer. Und ich habe rausgeguckt und habe einige Gestalten gesehen – Vopos in Uniform, die haben sich hinter Pfeilern versteckt und haben sich gar nicht vorgetraut."

"Voltastraße – letzter Bahnhof im Westsektor. Der Zug hält nicht im Ostsektor"

Adenauer: "Die Machthaber der Sowjetzone haben in der vergangenen Nacht damit begonnen, unter offenem Bruch der Viermächte-Vereinbarung Westberlin von seiner Umgebung abzuriegeln. Diese Maßnahme ist getroffen worden, weil das der mitteldeutschen Bevölkerung von einer auswärtigen Macht aufgezwungenem Regime der inneren Schwierigkeiten in seinem Machtbereich nicht mehr Herr wurde. Der gesamten Weltöffentlichkeit wurde durch die Massenflucht aus der Zone tagtäglich gezeigt, unter welchem Druck die Bewohner der Sowjetzone stehen und dass ihnen kein Recht gewährt wird. Die Bundesregierung hält an dem Ziel der deutschen Einheit in Freiheit unverrückbar fest."

RIAS: "Also, die Bahnhöfe draußen auf der S-Bahn sind vollkommen abgeriegelt. Auf den Bahnsteigen sind SED-Genossen und fragen jeden einzelnen, wo er hinfahren will und behindern ihn, die S-Bahn zu betreten. Dann sind wir einfach losgerannt, ohne uns um die Genossen da zu kümmern. Dann sind wir in den Zug reingekommen und konnten fahren bis Hoppegarten. Im S-Bahnhof Hoppegarten musste der gesamte Zug geräumt werden. In Hoppegarten haben sie den einzelnen, die nach Berlin weiterfahren wollen, die Ausweise weggenommen und nach der Zone zurückgeschickt. Und die Autobahn von Hoppegarten, die wir überquerten, war gespickt mit Mannschaftswagen und Panzerwagen T 34, russische Panzerwagen."

Ulbricht im DDR-Fernsehen: "Wir können nicht mehr zulassen, dass die Leute hier rauben und stehlen, diese Westberliner Schieber und so was. Die Bevölkerung arbeitet, und die anderen – nicht wahr – beschäftigen sich mit Spekulationen von Westberlin aus. Das muss ein Ende haben. Alle Befehle wurden pünktlich ausgeführt, ja?" "Jawohl." "Alle waren zur Zeit dort, wo sie hingehörten, ja? Außerdem – zur Unterstützung, nicht wahr, stehen noch einige sowjetische Panzer in Reserve, ja – damit es beim Gegner keine Missverständnisse gibt." - "Die kennen wir, die Panzer" - "Ja ja, gute Qualität."

Brandt: "Die Sowjetunion hat ihrem Kettenhund Ulbricht ein Stück Leine gelassen. Wir haben unsere Landsleute zur Solidarität aufgerufen. Zu solcher Solidarität gehört, dass keiner aus der Bundesrepublik und aus Westberlin an kulturellen, an sportlichen oder anderen Veranstaltungen des Zonenregimes teilnimmt. Das sollte auch für die Leipziger Messe gelten. Wer mit den Kerkermeistern unseres Volkes in dieser Situation auf der Messe noch Geschäfte machen will, der soll gleich dort bleiben."

RIAS-Reporter Rainer Höynck: Der Stacheldrahtzaun über die Mitte des Potsdamer Platzes – der Stacheldrahtzaun ist verschwunden und hat einem schlimmeren, einem dauerhafteren Hindernis Platz gemacht. Wir sehen hier an der Ecke Potsdamer Straße und Potsdamer Platz unmittelbar an der Bordsteinkante eine Betonmauer von etwa 70 oder 80 cm Höhe, darauf noch zwei Schichten von Hohlblocksteinen, die einmal produziert wurden, um irgendwo ein Wohnhaus oder ein Geschäftshaus zu bauen. Augenzeugen berichteten, dass um 1.30 Uhr heute nacht die Arbeiten begannen. Sechs Lastwagen kamen mit dem Baumaterial und fünf Wagen mit den Maurern, die jetzt hier am Potsdamer Platz eine neue steinerne Grenze mitten durch Berlin gezogen haben.

Ulbricht: "Die herrschenden Kreise der Westmächte und Westdeutschlands haben durch die Schaffung des westdeutschen Separatstaates und des Besatzungsgebietes Westberlin Deutschland gespalten und viele menschliche Beziehungen zerrissen. Was kann menschlicher sein, als all das, was hier geschieht und für den Menschen getan wird? So dient der 13. August wahrer Menschlichkeit."

Deutschlandfunk 13.08.62, Autor: Enno Stephan: Ein Jahr genau steht heute in Berlin die Mauer – Kainsmal auf der Stirn eines Regimes von Sklavenhaltern, Stein gewordene Manifestation eines furchtbaren mörderischen Irrtums, für den Westen ebenso wie für den Osten. Denn warum griff der Westen nicht ein an jenem 13. August oder an den Tagen unmittelbar darauf? Weil er glaubte, hier und so den Weltfrieden bewahren zu müssen, weil er – streng formaljuristisch argumentierend – die Abschnürungsmaßnahmen Ulbrichts für einen Ostblock-internen Vorgang hielt. Aber der Westen glaubte auch – und ein Senator aus den USA drückte dies wenige Tage vor dem 13. August ganz offen aus –, dass durch das Abstoppen des ständigen Flüchtlingsstroms ein Element der Beruhigung und der Stabilisierung in die internationale Politik hineingetragen würde. Das Gegenteil war der Fall. Das Böse zeugte Böses in unablässiger Folge: Schießereien, Tote, Verletzte, Sprengstoffattentate, Drohungen, Spannungen, Kriegsgefahr. Ist ihnen nicht klar, dass jene Mauer, die sie in Berlin aufrichten und die ihren Staat angeblich freier Arbeiter und Bauern in ein einziges Konzentrationslager verwandelt, unzähligen Harmlosen und Gutgläubigen in aller Welt die Augen öffnet? Begreifen sie nicht, dass dies hier der abschreckendste Anschauungsunterricht über die Errungenschaften ihres Systems ist? – Sie können gar nicht anders an jenem 13. August 1961; sie können nicht reformieren, wie es jeder vernünftige Staatsmann täte, denn – so erkannte es vor mehr als 100 Jahren schon der große französische Staatsrechtler und Politiker Alexis dé Tocqueville in seiner Untersuchung über die Ursachen der französischen Revolution: "Wenn ein schlechtes Regime anfängt zu reformieren, ist es verloren." Es gibt für Ulbricht und seine SED kein Zurück mehr, es gibt nur noch die Flucht nach vorn. Die Mauer ist ihre letzte Rettung.

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