• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteForschung aktuellHeiße Luft zwischen Wolkenkratzern16.12.2014

Klimaentwicklung in StädtenHeiße Luft zwischen Wolkenkratzern

Heute schon lebt mehr als die Hälfte der Menschheit in Städten - und die Zahlen steigen täglich. Amerikanische Forscher untersuchen, wie sich der Klimawandel in Großstädten auswirkt. Dabei verwenden sie erstaunliche Modelle.

Von Monika Seynsche

Eine Straßenkreuzung mitten in einer amerikanischen Großstadt. Autos schieben sich aneinander vorbei, Fußgänger drängen über die Ampel. Rechts und links der Straße recken sich Hochhäuser in den Himmel. Sobald die Sonne scheint, heizen sich Beton und Asphalt auf und lassen die Temperaturen steigen.

"Städte sind generell warm. Die Durchschnittstemperaturen in New York zum Beispiel sind drei bis vier Grad höher als in der Umgebung. Ähnlich sieht es in allen großen Städten aus."

Denn in allen Großstädten fehlten die Bäume und Wasserflächen, die auf dem Land zumindest nachts für Abkühlung sorgten, sagt Prathap Ramamurthy vom City College New York. Der Stadtklimatologe untersucht, welchen Einfluss Hitzewellen auf die städtischen Wärmeinseln haben.

"Wenn Menschen dort leben, wollen sie ihre Umgebung natürlich kühlen. Sagen wir, draußen auf der Straße sind es 32 Grad Celsius und die Stadtbewohner kühlen ihre Wohnungen auf 25 Grad herunter. Dafür nutzen sie Klimaanlagen, die die Wärme aus den Innenräumen nach draußen transportieren. Das wiederum lässt aber die Außentemperaturen steigen. Wenn dann noch eine Hitzewelle dazu kommt, verschärft sich das Problem. Die Klimaanlagen werden noch intensiver genutzt und transportieren noch mehr Hitze nach draußen, wodurch die Temperaturen immer höher steigen. Es ist ein Teufelskreis."

New York erhitzt sich im Sommer bis zu sieben Grad Celsius stärker als die Umgebung

Ein Teufelskreis, der dafür sorgt, dass New York und andere Großstädte während Hitzewellen nicht mehr nur drei bis vier, sondern sechs bis sieben Grad wärmer sind als ihre Umgebung.

"Das große Problem ist, dass die heutigen Klimamodelle noch nicht in der Lage sind, diesen Effekt zu berücksichtigen. Wir wissen noch zu wenig, um ihn in die Modelle einbauen zu können. Wir müssen also dringend untersuchen, wie stark Gebäude zur Aufheizung der Umgebung beitragen und wie viel Wärme sie nach außen schicken. Erst dann können wir zuverlässig vorhersagen, wie stark eine Hitzewelle in einer bestimmten Stadt die Temperaturen in die Höhe treibt. Diese Komponente ist auch wichtig, um Anpassungsstrategien zu entwickeln."

An der Arizona State University erforscht der Geograf Matei Georgescu, wie sich die großen Städte an die immer stärker steigenden Temperaturen anpassen können. Er untersucht, welche Effekte zum Beispiel die Begrünung oder das Weiß-Anstreichen von Dächern haben.

"Wir haben zum Beispiel für Kalifornien modelliert, dass die Urbanisierung bis zum Jahr 2100 die Oberflächentemperaturen um zwei bis drei Grad Celsius ansteigen lassen wird. Eine Begrünung der Dächer mit Pflanzen kann diesen Effekt unseren Ergebnissen zufolge komplett aufheben und unter Umständen sogar zu einer leichten Abkühlung von einem halben Grad führen. Wenn Sie daneben auch noch einige Dächer weiß anstreichen, führt das zu einer weiteren Abkühlung der Oberflächentemperaturen um ein bis zwei Grad."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk