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Klimawandel verbindet

Extreme Wetterbedingungen synchronisieren ein arktisches Ökosystem

Von Christine Westerhaus

Spitzbergen gehört zum arktischsten, was Europa zu bieten hat.
Spitzbergen gehört zum arktischsten, was Europa zu bieten hat. (AWI/Anne Hoffmann)

Polarforschung. - Die Arktis spürt den Klimawandel als erste, dort steigen die Temperaturen bereits spürbar. Ein norwegisches Forscherteam hat nun beobachtet, dass bestimmte Wetterereignisse die Populationsdynamik eines ganzen Ökosystems beeinflussen können. Regnet es im Winter auf die Schneedecke, leidet die gesamte Lebensgemeinschaft darunter.

Das Klima auf der norwegischen Insel Spitzbergen erscheint einem Menschen nicht besonders einladend. Nur etwa sechs Wochen lang sind die Küstenregionen im Sommer schneefrei, die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei -7° Celsius. Das scheint Rentieren, Schneehühnern und Feldmäusen aber nichts auszumachen. Sie verbringen das ganze Jahr in dieser Schneelandschaft und ernähren sich von Pflanzen, die sie unter der Schneedecke finden.

"Dieses arktische Ökosystem ist relativ simpel und außerdem sind die Klimadaten auf Spitzbergen sehr gut dokumentiert. Das hat uns eine einzigartige Gelegenheit geboten, zu untersuchen, wie sich das Klima und bestimmte Wetterereignisse auf ein ganzes Ökosystem auswirken."

Und genau das hat Brage Hansen von der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik in Trondheim erforscht. Dabei beobachtete er, dass vor allem Regenwetter den Tieren zu schaffen macht. Fällt der Regen auf die lockere Schneedecke, verwandelt er diese in eine Eisfläche. Damit werden Flechten und andere Gewächse für die Tiere unerreichbar. Viele von ihnen verhungern, ihre Population bricht ein.

"Solche Klimaereignisse beeinflussen offenbar die gesamte Lebensgemeinschaft auf Spitzbergen. Und es trifft die unterschiedlichen Arten auf ganz ähnliche Weise. Damit zeigt diese Studie zum ersten Mal, dass Klimaereignisse die Populationsdynamik einer ganzen Lebensgemeinschaft von Wirbeltieren synchronisieren können."

Indirekt leidet auch der Polarfuchs unter dem Populationseinbruch der pflanzenfressenden Arktisbewohner. Er findet weniger Nahrung, weil seine Beutetiere seltener werden. Dieser Mangel zeigte etwa ein Jahr später seine Wirkung: Die Forscher zählten deutlich weniger Polarfüchse als im Vorjahr. Dass es im Winter in der Arktis regnet, kommt zwar immer noch selten vor. Doch in den vergangenen Jahren sind solche Wetterereignisse häufiger geworden, erklärt Brage Hansen.

"Die meisten Klimamodelle sagen voraus, dass solche Ereignisse in Zukunft häufiger werden. Andere Studien haben gezeigt, dass die Vegetation geschädigt wird, wenn die Schneedecke vereist und dass Mikroorganismen im Boden beeinflusst werden. Das könnte sich auch auf wandernde Arten auswirken, die im Sommer in die Arktis kommen, um zu brüten. Darüber wissen wir aber bisher nur wenig."

Der Klimawandel macht den Arktisbewohnern aber nicht nur wegen des Regenwetters zu schaffen. Auch das schwindende Meereis ist für die Tiere ein Problem. Denn der Weg zu ihren Rückzugsmöglichkeiten wird ihnen dadurch abgeschnitten.

"Es ist paradox, dass wir in Zukunft wahrscheinlich immer weniger Meereis in der Arktis haben werden, die Tundra aber immer mehr vereist. Das kann sich auch auf das Wanderverhalten der Rentiere auswirken. Über das Meereis in den Fjorden konnten sie bisher in andere Gebiete ausweichen. Doch wenn dieses Eis schmilzt, ist das nicht mehr möglich."

Die Not macht aber auch Rentiere erfinderisch. Brage Hansen und seine Kollegen haben in den vergangenen Jahren häufiger beobachtet, dass die Tiere in den Bergen oder an der Küste nach Nahrung suchen und sich dabei mit Seegras begnügen.

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