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Krank oder bloß ganz anders?

Schizophrenie. Eine Vergangenheitsbefragung

Von Christina Pannhausen und Matthias Hof

Dorothea Buck
Dorothea Buck (Brücke Neumünster / Paranus Verlag)

Dorothea Buck aus Hamburg ist 95 Jahre alt und hat in ihrem Leben mehrere psychotische Schübe erlebt. Nach ihrem ersten Schub wurde sie als junge Frau in der Nazizeit zwangssterilisiert. Im Laufe der Jahrzehnte hat sie die psychiatrischen Methoden, mit Schizophrenie umzugehen, buchstäblich am eigenen Leib erlebt.

Sie bilanziert im hohen Alter: Die Einstellung von Experten und Öffentlichkeit zu einem Zustand, den sie nicht "krank" nennt, sondern "anders", hat sich nicht gravierend verändert.

Bis heute plädiert Dorothea Buck in Artikeln und Interviews dafür, über Schizophrene aufzuklären und die Betroffenen nicht länger zu stigmatisieren. Diese Einsicht ist mittlerweile auch bei den Psychiatern angekommen. Nach vielen Jahren des Schweigens und einem duchgreifenden Generationswechsel läuft unter ihnen eine Vergangenheitsdebatte.

Fragen, die auf ewig beantwortet schienen, werden neu gestellt: Wann - und wie - dürfen Ärzte psychisch Kranke gegen ihren Willen behandeln?

Bis Juli 2012 gab es in Deutschland die Möglichkeit, Schizophrenie-Patienten einer Zwangsbehandlung mit Psychopharmaka zu unterziehen. Dann stellte der Bundesgerichtshof fest, dass diese richterlich angeordneten Zwangsmedikationen vom Grundgesetz nicht gedeckt waren. Anfang Februar 2013 hat - in Rekordzeit - ein neues Gesetz den Bundesrat passiert. In den Monaten des "Rechtsvakuums" mussten Psychiater andere Wege gehen. Und genau diese Zeit war für einige von ihnen sehr lehrreich.


DLF 2013

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