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StartseiteInformationen am MorgenPentagon verschweigt aktuelle Zahlen12.02.2018

Krieg in AfghanistanPentagon verschweigt aktuelle Zahlen

Wie groß ist die Gruppe der Taliban in Afghanistan? Wie viele afghanische Soldaten und wie viele Zivilisten sind ums Leben gekommen? Das US-Verteidigungsministerium verschweigt derzeit entscheidende Daten zum Krieg in Afghanistan. Es könnten die ersten Auswirkungen der neuen US-Sicherheitsstrategie sein.

Von Torsten Teichmann

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US-Soldaten in der afghanischen Provinz Nangarhar (Imago)
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Der US-Generalinspekteur für den Wiederaufbau in Afghanistan kann nicht mehr an sich halten. Vor wenigen Tagen beklagt John Sopko im Radiosender NPR, dass ihm das Pentagon seit kurzem untersagt, entscheidende Daten zu veröffentlichen.

"Ich muss einen Zwischenstand liefern: Was geht vor sich, wie gut kommen wir voran? Wir brauchen Belege dafür: Zum Beispiel die Zahl der Afghanen, deren Gehälter wir zahlen. Wie weit sind sie gekommen? Werden sie aufgerieben? Wie viele Gebiete kontrollieren sie. Und das sind Informationen, die wir der amerikanischen Bevölkerung nicht länger zur Verfügung stellen können."

Ein Sprecher der US-geführten Koalition in Afghanistan, Thomas Gresback verteidigte das Pentagon. Ein Mitarbeiter habe einen Fehler gemacht, zitiert das Magazin "Newsweek" den Militär.

Viele ungeklärte Fragen

Aber ist das der einzige Grund? US-Präsident Trump sagte bei der Präsentation der neuen US-Sicherheitsstrategie im Dezember, es sei entscheidend, nicht länger alle Informationen über den Einsatz in Afghanistan preiszugeben.

"In Afghanistan sind unsere Truppen nicht länger geschwächt durch künstliche zeitliche Begrenzungen. Und wir informieren unsere Feinde nicht mehr über unsere Pläne. Das zeigt bereits Ergebnisse."

Das Verteidigungsministerium informiere nicht über getötete afghanische Soldaten und die Zahl der Soldaten, die durch US-Truppen ausgebildet werden, heißt es bei NPR.

Wie groß ist die Gruppe der Taliban in Afghanistan? Wie viele Taliban-Kämpfer wären bereit zu verhandeln? Wie viel Einfluss haben zurückgekehrte Kämpfer des sogenannten Islamischen Staats? Keine der Fragen wollte der stellvertretende Verteidigungsminister Randall Shriver im außenpolitischen Ausschuss des US-Senats vergangene Woche beantworten.

Zahl der getöteten Unbeteiligten gestiegen

Es fehlen zudem zuverlässige Informationen über getötet Zivilisten. Nach Informationen des ARD Studios Süd-Ost-Asien ist die Zahl von Unbeteiligten, die bei Militäreinsätzen getötet worden sind, in den ersten neun Monaten 2017 um 52 Prozent gestiegen. Eine Anfrage des ARD Studios Washington für ein Gespräch zu Afghanistan belässt das Pentagon seit drei Monaten ohne konkreten Termin.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Shriver will einige fehlenden Zahlen für die US-Senatoren nachreichen.

"Wir werden sicherstellen, dass wir mit dem Generalinspekteur eng zusammenarbeiten, um transparent zu sein. Es mag in den Zukunft Überlegungen zur Sicherheit von Einsätzen geben, dass man Informationen nicht dem Feind übermittelt. Aber unser Ziel ist Transparenz, wie brauchen die Unterstützung der Bevölkerung und der Abgeordneten."

Schweigen führt zu Spekulationen

Und das Militär braucht die Unterstützung der Verbündeten: Die Bundesregierung hat angekündigt mehr Soldanten nach Afghanistan zu entsenden. Aber auf welcher Basis fällt die Entscheidung, wenn der wichtigste Bündnispartner Informationen zumindest zeitweise zurückhält?

Eine Entwicklung die US-Sonder-Generalinspekteur Sopko kritisiert: "Wenn man unnötig Informationen zurückhält, haben die Menschen den Verdacht, dass die Lage verheerender ist, als man uns sagt."

Immerhin: Auf Nachfrage hat das Pentagon erklärt, wie viel Gebiet die afghanische Regierung aktuell kontrolliert: Es sind laut US-Militärs nur noch 56 Prozent Afghanistans. Vor wenigen Jahren waren es noch 72 Prozent des Landes.

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