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StartseiteForschung aktuellLandschaft bedingt Entwicklung08.08.2013

Landschaft bedingt Entwicklung

Forscher suchen nach Gemeinsamkeiten in den Landschaften früher Menschen

Paläontologie. - Wer Fossilien sucht, sollte als erstes wissen, in welchen geologischen Schichten was eventuell zu finden ist, denn nicht überall gibt es Schichten aus jeder vergangenen Zeit. Neben der Kenntnis der Geologie bedarf es aber auch des Wissens, wo und wie die gesuchte Spezies gelebt hat. Fließt dieses Wissen bei der Suche etwa nach Frühmenschenfossilien in eine Ausgrabung mit ein, sind die Chancen deutlich erhöht, tatsächlich die gewünschten Versteinerungen zu finden. So zu hören auf dem 17. Weltkongress der Anthropologen und Ethnologen in Manchester.

Von Michael Stang

Bestimmte Gegenden, wie hier die Olduwai-Schlucht in Tansani haben immer wieder Lebewesen angezogen. (Holger Kroker)
Bestimmte Gegenden, wie hier die Olduwai-Schlucht in Tansani haben immer wieder Lebewesen angezogen. (Holger Kroker)

Vielleicht sei ihre Kindheit in Südafrika Schuld, dass sie immer wieder in Sterkfontein forscht, sagt Sally Reynolds von der Universität von Nottingham. Die dortigen Karsthöhlen, die mittlerweile zum Unesco-Weltkulturerbe gehören, hätten sie schon bei Schulausflügen fasziniert. Später sei die Begeisterung für das einzigartige Gebiet zur Profession geworden.

"Und der Grund, weshalb Sterkfontein so besonders ist, ist einfach der, dass dort mehr als drei Millionen Jahre lang Frühmenschen gelebt haben: der frühe Australopithecus namens 'Little foot', zudem 'Mrs. Ples', dann lebten dort die robusten Australopithecinen und auch Vertreter des frühen Homo. Wir haben also vier grundverschiedene Menschenformen, die sich alle dieses Gebiet als Lebensraum ausgesucht haben."

Die Frage nach dem "Warum" hätte sie sich schon als Studentin gestellt. Klar war nur, dass es mehrere Gründe gewesen sein müssen, weshalb dieses Gebiet in Südafrika für unsere Vorfahren so attraktiv war, dass immer wieder Frühmenschen dort hinkamen und auch blieben.

"Dort gab es Wasser, dort wuchsen Bäume, Gräser und Pflanzen, die sie ernährten, später wurde auch das Rohmaterial für die Steinwerkzeuge wichtig, das es dort reichlich gibt. Das wichtigste ist aber der tektonische Graben, der sich durch das Tal dort zieht. Mithilfe von Geoinformationssystemen und Bodenuntersuchungen haben wir festgestellt, dass alle Fundstellen entlang dieser kleinen Falte liegen."

Diese Neigung hat dafür gesorgt, dass die Gegend in Sterkfontein immer feucht gehalten wurde - und auch feucht blieb, wenn es lange Zeit nicht regnete. Das Wasser aus der Tiefe sei auch namensgebend gewesen:

"Sterkfontein means strong fountain."
Sterkfontein heißt: starke Springbrunnen. Und diese sprudeln seit Millionen von Jahren. Diese Konstanz an optimalen Umweltbedingungen war es auch, weshalb dort im Laufe der Jahrmillionen mindestens vier verschiedene Frühmenschenarten gelebt hatten. Aber was geschieht mit Lebewesen, bei denen sich der Lebensraum plötzlich verändert – kurzfristig oder langfristig? Um das herauszufinden, hat Sally Reynolds vier Tierarten untersucht. Dabei analysierte sie, wo diese auftreten und wo und warum sie bei bestimmten Änderungen verschwanden und dieselben Gebiete später wieder besiedelten. Die Ergebnisse aus der Genetik von Zebra, Tüpfelhyäne, Impala und Springbock hätten immer dasselbe Schema gezeigt. Alle Tiere kamen zwar regelmäßig in Ostafrika vor, aber verschwanden dort auch hin und wieder, nur in Südafrika gab es permanent alle vier Tierarten.

"Ich habe daher ein Modell vorgeschlagen, bei dem Ostafrika als Wiege angesehen wird, weil diese ganzen Änderungen dort zwar Aussterbeprozesse bedingen, aber durch Anpassungsdruck auch ständig neue Arten entstehen, wohingegen Südafrika ein Museum ist, also das Gegenteil, weil dort die Biodiversität erhalten bleibt. Und wenn etwas in Ostafrika ausgestorben ist, kann es von Südafrika aus wieder zurückkommen."

Aber eine wie in Sterkfontein vorherrschende geomorphologische Konstanz ist selten. Dennoch sei die Chance hoch, ähnliche bedeutsame Gebiete auch anderenorts zu finden, wo sich für einige Zeit die gesuchten Lebewesen tummelten, Frühmenschen eingeschlossen. Manchmal reicht schon ein neuer Blick auf ein großes Gebiet, um Gegenden zu finden, wo sich eine Ausgrabung lohnen könnte.

"Wo sind die Berge, wo die Seen? Wie haben sich Tiere damals vermutlich bewegt, wie machen das heutige Tiere? Auch Paläoanthropologen sollten also ihren Blick nicht nur auf die Ausgrabungsstelle richten, sondern auch auf die Umgebung. Mit Google Earth ist das kein Problem. Damit kann man auch neue Ausgrabungsstellen entdecken."

Und vielleicht entdecken Paläoanthropologen bald auch dank der Geomorphologie weitere Fossilien, die sie mithilfe herkömmlicher Methoden nicht gefunden hätten. Eine Garantie sei dies nicht, so Sally Reynolds, aber es erhöht die Chance aufs Finderglück.

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