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StartseiteCampus & KarriereAusbildung in Teilzeit ist zu wenig verbreitet23.03.2016

LehreAusbildung in Teilzeit ist zu wenig verbreitet

Teilzeitjobs sind eine gute Möglichkeit, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Zumindest im Berufsalltag können das wohl Experten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterschreiben. Eine Ausbildung in Teilzeit wird dagegen kaum in Anspruch genommen. Dabei gibt es viele junge Menschen, die davon profitieren könnten.

Von Stephanie Kowalewski

Ein Zettel mit der Aufschrift "Ausbildung" liegt am 16.07.2015 in einem Klassenzimmer auf einem Tisch vor einer Schülerin einer zehnten Klasse des Eugen-Bolz-Gymnasium in Rottenburg (Baden-Württemberg). (picture-alliance/ dpa / Wolfram Kastl)
Vor allem junge Alleinerziehende könnten von einer Teilzeit-Ausbildung profitieren. (picture-alliance/ dpa / Wolfram Kastl)
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Dorota Witkowska ist 32 Jahre alt, alleinerziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter und eine von bundesweit knapp 5.800 Teilzeitazubis.

"Ich lerne Kauffrau für Büromanagement." Damit Teilzeitauszubildende wie sie den Beruf mit der Familie - oder auch der Pflege von Angehörigen – unter einen Hut bringen können, ist die wöchentliche Ausbildungszeit auf 25 bis 30 Stunden reduziert. Sind es weniger als 25 Stunden, verlängert sich die Ausbildungszeit um maximal ein Jahr.

"Vollzeit wäre nicht machbar. Es sei denn, ich hätte so ein starkes soziales Netzwerk um mich herum, dass mein Kind praktisch noch jeden Tag irgendwo versorgt werden kann. Da würde ich mich aber auch nicht mit wohl fühlen als Mutter. Deswegen die Teilzeitausbildung. Das ist perfekt."

Verschwindend geringe Zahl an Teilzeit-Azubis

Wenn es denn mal klappt mit der Teilzeitausbildung. Doch es klappt halt nur selten, bedauert Angelika Puhlmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung, kurz BIBB, in Bonn. "Alle Auszubildenden in Teilzeit sind also im Moment 5.793. Insgesamt ist das natürlich eine verschwindend geringe Zahl. Es muss auf jeden Fall mehr werden."

Denn der Bedarf ist riesig. Rund zwei Millionen junge Erwachsene in Deutschland haben keine Berufsausbildung. Gut 140.000 von ihnen sind alleinerziehend. Für sie ist eine Teilzeitausbildung oft die einzige Chance, langfristig im Berufsleben Fuß zu fassen. Aber es gibt zu wenige Betriebe, die auch in Teilzeit ausbilden. Zwar haben die meisten schon mal etwas von der Teilzeitausbildung gehört, aber anbieten will sie kaum einer, sagt Angelika Puhlmann.

"Wie mache ich das? Das ist dann die große Frage. Und da müsste es eben stärkere und gezieltere Akquiseanstrengungen geben, um wirklich reale Ausbildungsplätze zu haben."

So war es auch bei Dorota Witkowska. Durch die gezielte Akquise von Start NRW, einem Unternehmen, das unter anderem vom Land NRW gegründet wurde, macht sie jetzt eine Ausbildung bei der Bürgerstiftung Duisburg. Dabei teilen sich Start und Stiftung Ausbildungsvergütung und Verwaltung.

Perfekt, findet Manfred Berns, Geschäftsführer der Bürgerstiftung: "Und durch diese Handreichung von Start, dieses Sharing zu machen, war es im Prinzip wie auf dem Tablett geliefert, wo man eigentlich gestört sein müsste, das nicht zu nehmen." Bis dahin hatte Manfred Berns jedoch noch nie etwas von einer Teilzeitausbildung gehört. Jetzt, nach gut anderthalb Jahren Erfahrung damit, ist sein Fazit durchweg positiv: "Dann ist die Zeit weniger, aber der Mensch, der da ist, ist auch älter und reifer und das funktioniert. Ich würde das sofort wieder machen."

Politik muss Teilzeit-Lehre attraktiver machen 

Damit endlich mehr Menschen eine Chance auf Teilzeitausbildung haben, müsste auch die Politik ihre Hausaufgaben machen und zum Beispiel das große Problem der Finanzierung lösen, meint Angelika Puhlmann vom BIBB. Die Ausbildungsvergütung reiche nämlich für junge Familien oft vorne und hinten nicht aus. Um die Lücke in der Haushaltskasse zu stopfen, müssten die Teilzeitazubis heute an zu viele unterschiedliche Türen klopfen. Besser wäre eine Finanzierung aus einer Hand und ein Ausbildungs-Bafög, sagt sie.

"Dass man eben nicht, weil man nicht genug Geld hat irgendeine Sozialleistung bekommt, sondern dass man Geld bekommt, weil man eben eine Ausbildung macht. Gerade die jungen alleinerziehenden Frauen, die ja immer so ein bisschen an der Grenze der Armut dahin schlittern, aus diesem Status herausheben und sagen, wir wollen euch wirklich gerne und ihr sollt wie eben auch Schüler und Studierende ein Bafög haben."

Eine entsprechende Petition zum Teilzeit-Ausbildungs-Bafög liegt dem Bundestag seit September 2014 vor. Bisher hat sich noch nichts getan. Dorota Witkowska wird es wohl auch so schaffen. Sie ist sich sicher, dass sie mit ihrer Teilzeitausbildung zur Kauffrau für Büromanagement bei der Duisburger Bürgerstiftung das große Los gezogen hat. 

"Gutes Prinzip, gute Idee. Die Form der Teizeitausbildung ist für Mütter das Einzige und das Beste, was man machen kann. Ich schaue rosig in die Zukunft." Und das kann sie auch. Denn so wie es aussieht, schließt sie ihre Teilzeitausbildung im Mai kommenden Jahres erfolgreich ab und wird danach weiter bei der Duisburger Bürgerstiftung arbeiten. Teilzeit natürlich, damit sie genug Zeit für ihre Tochter hat.

 

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