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"Luft, die des Lichtes beraubt ist"

Eine Lange Nacht über den Schatten

Von Michael Opitz

Der Schatten hat Geschichte geschrieben und über den Schatten sind Geschichten geschrieben.
Der Schatten hat Geschichte geschrieben und über den Schatten sind Geschichten geschrieben. (AP)

Der Schatten hat Geschichte geschrieben und über den Schatten sind Geschichten geschrieben worden. In der Philosophie, der Malerei, der Literatur, dem Film und selbst in der Musik hat der Schatten Spuren hinterlassen. Was hat es mit dem Schatten auf sich, den jeder als verlässlichen Begleiter kennt? Selbst Peter Schlemihl, der seinen Schatten verkaufte, konnte seinem Schatten nichts Negatives nachsagen.

Ein Objekt wirft einen Schatten, wenn es dem Licht im Weg steht. Er bildet sich auf der hinteren, dem Licht abgewandten Seite dieses Körpers. Diese Schattenbildung kennt man: Scheint einem die Sonne ins Gesicht, dann bleibt der Schatten dezent im Hintergrund, strahlt sie einen von hinten an, geht er einem voraus.

Auf seinen Schatten kann man sich verlassen, denn der eigene Schatten bleibt einem treu. Entweder geht er kühn voran oder devot hinterher - alles eine Frage des Lichts. Ohne Licht gäbe es ihn nicht. Er ist schon eine seltsame Erscheinung, der Schatten. An der Person, der er seine Existenz verdankt, hängt er. Stets ist er in deren Nähe, aber niemals kommt er ihr zu nah. Das nennt man gute Manieren.

Die Lange Nacht will etwas Licht in die umschattete Welt der Philosophie, der Malerei, der Literatur und des Films bringen.

Zunächst wird eine Höhle besucht, die durch den Philosophen Platon berühmt wurde. Danach geht es von ganz unten bis auf den Mond. Galileo Galilei, der Mathematiker und Astrologe, hat ihn sehr aufmerksam durchs Fernrohr beobachtet. Er interessierte sich für die Schatten, die auf dem Mond zu sehen sind. Schatten sind aber auch auf Bildern zu sehen. Wenn es nach dem Mythos geht, verdankt die Malerei ihre Existenz dem Schatten.

In Ch. M. Wielands Geschichte "Der Prozeß um des Esels Schatten" soll ein Gericht die Frage klären: Darf man sich in den Schatten eines Esels setzen, wenn man den Esel gemietet hat oder muss man dafür extra bezahlen? Um Geld geht es auch in Adelbert von Chamissos "Peter Schlemihl wundersame Geschichte", in Hans Christian Andersens Märchen "Der Schatten" und in der gleichnamigen Komödie von Jewgeni Schwarz.

Äußerst bildmächtig tauchen dunkle Schatten in expressionistischen Filmen wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" oder "Nosferatu" auf. Diese Tradition setzt Fritz Lang mit seinem Film "M - eine Stadt sucht einen Mörder" fort und in dem Kinoklassiker "Der dritte Mann" flieht ein Schatten durch das nächtliche Wien.

Auf diese Literatur wird in der "Langen Nacht" eingegangen:

Andersen, Hans Christian: Der Schatten. In: Ders.: Die schönsten Märchen. Aus dem Dänischen von Hilde Mann. Hg. v. Ulrich Sonnenberg. Insel Verlag, Frankfurt am Main 2000.

Braun, Volker: Höhlengleichnis. In: Ders.: Training des aufrechten Gangs. Mitteldeutscher Verlag. Halle/Leipzig 1979.

Bredekamp, Horst: Galilei der Künstler. Akademie Verlag. Berlin 2010.

Casati, Robert: Die Entdeckung des Schattens. Die faszinierende Karriere einer rätselhaften Erscheinung. Aus dem Italienischen von Barbara Schaden. Berlin Verlag. Berlin 2001.

Chamisso, Adelbert von: Peter Schlemihls wundersame Geschichte. In: Ders.: Werke in zwei Bänden. Insel Verlag Anton Kippenberg. Leipzig 1980.

Der Schatten. Ein Lesebuch vom verlorenen Schatten. Hg. v. Hanne Kulessa. Lucherhand Verlag. Darmstadt und Neuwied 1984.

Dürrenmatt, Friedrich: Der Prozess um des Esels Schatten. Arche Verlag. Zürich 1958.

Frölich, Margrit/Klaus Gronenenborn/Karsten Visariua (Hg.): Kunst der Schatten. Zur melancholischen Grundstimmung des Kinos. Schüren 2006.

Fühmann, Franz: Die Schatten. Ein Hörspiel. Rostock 1986.

Gleißende Schatten. Kamerapioniere der zwanziger Jahre. Hrsg. v. Cinema Quadrat e.V. Mannheim. Berlin 1994.

Gombrich, Ernst H.: Schatten. Ihre Darstellung in der abendländischen Kunst, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2009.

Kulessa, Hanne (Hg.): Der Schatten. Ein Lesebuch vom verlorenen Schatten. Luchterhand Verlag, Darmstadt und Neuwied 1984.

Lukian: Die Höllenfahrt des Menippus oder das Totenorakel. In: Ders.: Götter, Tote und Hetären. Übersetzt von Christoph Martin Wieland. Hg. v. Jürgen Werner. Reclam Verlag. Leipzig 1976.

Macho, Thomas: Vorbilder. Wilhelm Fink Verlag. München 2011.

Platon: Der Staat. Akademie-Verlag. Berlin 1987.

Schwarz, Jewgeni: Der Schatten. In: Ders.: Märchenkomödien. Reclam Verlag, Leipzig 1977.

Schattenspiel. Schatten und Licht in der zeitgenössischen Kunst. Eine Hommage an Hans Christian Andersen. Hrsg. v. Kunsthallen Brandts Klaedefabriken. Bonn 2005.

Stoichita, Victor I.: Eine kurze Geschichte des Schattens. Aus dem Französischen von Heinz Jatho. Wilhelm Fink Verlag, München 1999.

Wieland, Christoph Martin: Geschichte der Abderiten. Reclam Verlag. Stuttgart

Filme, die es auch auf DVD gibt:

"Nosferatu"
"Das Cabinet des Dr. Caligari"
"Der dritte Mann"
"M - eine Stadt sucht einen Mörder"

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