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StartseiteSprechstundeLympherkrankungen schwer heilbar04.10.2005

Lympherkrankungen schwer heilbar

Deutsche Gesellschaft für Lymphologie tagt in Lübeck

Meist sind Erkrankungen des Lymphsystems schon von außen deutlich zu erkennen. Dicke, geschwollene Gliedmaßen zeigen einen Lymphstau in Armen oder Beinen an. Bei voluminösen Knoten am Hals sind die dort angesiedelten Lymphknoten betroffen. Auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie vergangenes Wochenende in Lübeck, standen "Fehler und Kontroversen in Diagnostik und Therapie" im Mittelpunkt.

Von Michael Engel

 Lymphstau kann auch in den  Beinen auftreten. (Stock.XCHNG / Matthew Bowden)
Lymphstau kann auch in den Beinen auftreten. (Stock.XCHNG / Matthew Bowden)

Noch vor wenigen Jahren musste jede zweite Frau mit erheblichen Folgen nach einer Brustkrebsoperation rechnen. Bei den Eingriffen wurde nicht nur die betroffene Brust amputiert, sondern auch alle Lymphknoten im näheren Umfeld. Folge: jede zweite Patientin hatte Lymphödeme - Stauungen der Lymphflüssigkeit - die zu schweren Deformationen zum Beispiel im Rückenbereich führten. Schonendere Operations-, aber auch Bestrahlungstechniken haben die Quote auf 20 Prozent senken können. In der Vermeidung von sekundären Lympherkrankungen liegen nach Ansicht von Dr. Christian Schuchardt von der Klinik Pieper in St. Blasien-Menzenschwand - die eigentlichen Fortschritte in der Lymphologie:

"Der Fortschritt ist schon relativ kleinschrittig, weil es uns nicht gelungen ist, Lymphödeme zu heilen. Eine neue Lymphgefäßarchitektur ist durch kein therapeutisches Prinzip zu erreichen. Wir müssen leider davon ausgehen, dass Lymphödeme immer noch ein lebenslanges Problem darstellen. "

Auch im Fall angeborener Fehlbildungen – nur vier von 100.000 Menschen sind davon betroffen – werden operative Lösungen nur in Notfällen durchgeführt. Zu viele Eingriffe endeten früher mit desaströsen Ergebnissen. Zu den Fehlbildungen, die meist in der Pubertät zum Problem werden, zählen unterentwickelte Lymphsysteme mit Lymphödemen in Armen und Beinen – oder Lymphangiome – sackartige Erweiterungen - die vor allem den Kopfbereich betreffen.

"Operation kann gelegentlich notwendig sein, wenn vitale Strukturen, lebensnotwendige Strukturen, wie Gefäße oder Luftröhre oder Mundbodenzunge mit beeinflusst werden von dem Lymphangiom, aber schwerpunktmäßig wird ein Kombinationsverfahren eingesetzt, und dann die Kombination dieser Verfahren das beste Ergebnis erbringt. "

Noch immer sind viele Ärzte bei der Diagnose lymphatischer Erkrankungen unsicher. Insbesondere beim so genannten "Lipödem" – so die Erfahrung von Prof. Wilfried Schmeller von der Hanse-Klinik Lübeck und Chairmen des Lymphologen-Kongresses – gibt es selbst in der wissenschaftlichen Literatur immer noch "eine große Zahl falscher Angaben zu Diagnostik und Therapie".

"Ein Teil der Verwirrung mag daher kommen, dass es bei diesem Krankheitsbild eine Fettvermehrung gibt und zusätzlich Ödeme, die unterschiedlich stark aus geprägt sind. "

Lipödeme machen wegen der dicken Beine nicht nur hässlich, sondern auch anfällig gegen Stoßverletzungen. Seit mehr als zehn Jahren wurden Lipödeme durch Fettabsaugung behandelt: Früher waren es zehn Liter Fett in nur einer Sitzung, dadurch entstanden häufig noch mehr Lymphprobleme. Als gefürchteter Nebeneffekt gesellte sich eine extreme Narbenbildung hinzu, sie machte die betroffenen Frauen noch unglücklicher.

"Man macht es nicht mehr in Vollnarkose, sondern in örtlicher Betäubung, die mit sehr großen Flüssigkeitsmengen arbeitet und dadurch das Gewebe stabilisiert und beim Absaugen die Blutgefäße und die Nerven und die Bindegewebsstrukturen schont. Zusätzlich ist hinzugekommen, dass die Absaugsonden sehr, sehr dünn geworden sind und dass sie jetzt nicht mehr scharf sind vorne, sondern rund und stumpf, so dass keine Schnittverletzungen, keine Durchtrennungen wichtiger Gewebestrukturen mehr möglich sind. "

Gleichwohl: auch die Liposuktion – das Absaugen von Fett – ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Was in jedem Fall bleibt, sind konventionelle Anwendungen wie Kompressionsstrümpfe, Lymphdrainagen und Bandagen aus der Hand geschulter Physiotherapeuten. Ganz wichtig dabei: bakterielle Hauterkrankungen wie zum Beispiel die "Wundrose" müssen als unmittelbare Folge der Gewebsveränderungen ebenfalls behandelt werden. Dermatologin Dr. Anja Miller vom Policum Friedenau, Berlin:

"Jeder kleinste Hautdefekt, der entsteht, kann wieder den Weg für eine Entzündung bahnen, das heißt, das gilt es zu vermeiden. Ich muss als Hautärztin natürlich insbesondere auf Allergien eingehen. Viele der Patienten haben jahrelang verschiedenste Cremes und Salben aufgetragen und multiple Sensibilisierungen. Auch hier muss ich genau schauen, was verträgt der einzelne Patient. "

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