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StartseiteCorsoTechno im Museum03.12.2015

"Magazine" im Ludwig Forum AachenTechno im Museum

Ist elektronische Musik Kunst? Oder ist Techno gelebte Subkultur, die im Museum nichts verloren hat? Im Rahmen des Projekts "Plattform Aachen" blickt das Aachener Ludwig Forum auf die Kunstszene der Region. Dazu gehört auch das Kölner Label "Magazine", das elektronische Musik und Kunst verbindet, wie eine Ausstellung zeigt.

Von Ina Plodroch

Logo des Aachener Ludwig Forums für Internationale Kunst (picture-alliance/ dpa / Hermann Wöstmann)
Im Aachener Ludwig Forum für Internationale Kunst wird jetzt elektronische Musik "ausgestellt" (picture-alliance/ dpa / Hermann Wöstmann)
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(Deutschlandfunk, Lange Nacht, 07.11.2015)

"Wir finden in der Clubwelt statt."

John Harten. Künstler, DJ und einer der drei Labelbetreiber von Magazine.

"Im weitesten Sinne ist das in der elektronischen Subkultur angeordnet."

Mit so viel Bass, dass es Tänzer in Bewegung hält, aber den Hörer nicht vom Sofa fegt. Das Label "Magazine" aus Köln. Stellt sich nach fünf Jahren und 14 Platten im Ludwig Forum in Aachen aus, mit Musik und mit Platten. Also, Subkultur im Museum?

Eine Remix-Installation der Platten-Cover

"Es ist nicht so, dass wir die Musik in den Ausstellungsraum stellen."

Deshalb im ersten Raum: Stille. T-Shirts, Fotos, Fundstücke, die Harten auf Stoff-Poster gedruckt, gerahmt oder auf Glastischen arrangiert hat. Eine Art Remix-Installation des strengen künstlerischen Konzepts der Schallplatten-Cover von John Harten. Das Cover der "Magazine 13"-Platte zum Beispiel: grauer Hintergrund, wie immer. Darauf zwei Fotos: ein Fernsehausschnitt, in dem die Moderatorin auf den Interviewpartner im Studiobildschirm blickt. Und ein Foto eines Strandfotos, das an einer Wand hängt.

"Das sind komplett gefundene Sachen."

Fundstücke als Kunst

Durch Kunstbeilagen – T-Shirts mit Werbesprüchen, Collagen auf Stoff, Fotos – werden die Schallplatten zu Sammlerobjekten. Die meisten, mitsamt Beilage, längst vergriffen.

"Bei den Beilagen ist das eigentlich so, was man Appropriation Art nennt. Also Aneignung von gefundenen Sachen, die wir dann durch die Beilage zu Kunst machen."

Deshalb wirkt es auf den ersten Blick wie eine zeitgenössische Kunstausstellung und scheint gerade deshalb so gelungen, weil nicht einfach 14 Plattencover an der Wand hängen. Sondern Harten das künstlerische Konzept – gefundenes Material neu arrangieren – von den Plattencovern gelöst und auf einen ganzen Raum bezogen hat. Im nächsten Raum wird dann doch konventionell "Musik ausgestellt". Plattenspieler und Kopfhörer, um in diese Krautrock-inspirierte Elektrowelt einzutauchen, die sich nur einen Schritt vom Techno entfernt hat.

"Es gibt eine Verbindung zwischen Kunst und Clubwelt"

Das strenge Konzept des Labels: mehr Kunst als Techno. Und deshalb wie für das Museum gemacht? Holger Otten, Kurator, selbst Clubgänger, interessiert vor allem der Kunstbezug.

"Warum das nicht im Museum ausstellen. Vielleicht ein Stück Club- und Subkultur in anderen Kontexten, in so einer Institution Museum zu sehen und zu hören."

John Harten scheint fast darauf gewartet zu haben, den künstlerischen Aspekt des Labels auf eine Ausstellung auszuweiten. Er findet es nicht abwegig, als Label aus der elektronischen Subkultur im Museum aufzutreten.

"Es gibt da eine stetige Verbindung. Nicht zuletzt durch die Platte von Albert Oehlen, die er bei uns gemacht hat, ist das eine klare Verbindung zwischen Kunst und Clubwelt."

Aus Gegenkultur wird irgendwann Kultur

Maler, die elektronische Musik veröffentlichen wie Albert Oehlen. Das Ludwig Forum in Aachen lässt nun also das Kölner Label Magazine zeigen, wo sich Kunst und Techno verbinden. Subkultur im Museum, Holger Otten will damit auch fragen:

"So das typisch Institutionelle nach dem Motto ‚Wir haben die Macht auszulegen, was ist ausstellbar und was nicht', das ist ja in Frage zu stellen."

Und diese Subkultur scheint immer "ausstellbarer" zu werden. Zumindest waren auch Kraftwerk, Björk, David Bowie schon im Museum. Und die Bundeskunsthalle in Bonn hat sich kürzlich selbst zum Graffiti Hotspot erklärt. Aus der Gegenkultur wird irgendwann: Kultur.

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