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Mali und die Musik

Fatoumata Diawaras Einsatz für Frieden und Einheit

Von Klaus Frederking

Fatoumata Diawara lebt in Paris und bezeichnet Mali als ihre Heimat. (Phil Sharp)
Fatoumata Diawara lebt in Paris und bezeichnet Mali als ihre Heimat. (Phil Sharp)

Nach einem Hilfegesuch der malischen Regierung an Frankreich haben französische Soldaten im Norden Malis interveniert. Die Musikerin Fatoumata Diawara setzt sich in ihrer Musik für Frieden und Einheit in Mali ein, ihrer geistigen Heimat. Zurzeit sind dort jedoch Auftritte schwierig.

"In Mali wollen manche, dass wir uns aufteilen, in Süden und Norden. Ich will mich nicht aufteilen. Dieser Song bittet um Frieden."

Fatoumata Diawara, 30 Jahre jung und Senkrechtstarter der Weltmusikszene, beim Würzburger Hafensommer im vergangenen August.

"Im Dezember war ich in Mali und sah in den Gesichtern: Die Leute waren dabei, alles aufzugeben. Da konnte ich nicht anders. Ich musste allen zurufen: Wir müssen aufwachen! Ich sagte zu meinen Freunden: Kommt! Ich brauche eure Hilfe! Ich habe viele Lieder über Mali in der Tasche, aber allein bin ich zu schwach. Und alle kamen. So waren wir über 40 Leute im Studio. In zwei Tagen haben wir den Song aufgenommen."

In einem siebenminütigen Stafettenlauf verkünden 28 Sängerinnen und Sänger die gleiche Textbotschaft wie Fatoumata Diawara zu Beginn: Frieden und Einheit für Mali.

Die Männerstimme – das ist der Sänger der Tuareg-Band Amanar aus Kidal, am Rand der Sahara.

"Im Norden ist Musik verboten worden. Rebellen haben jedes Instrument und jedes Studio zerstört, das sie gefunden haben. Die Band ist nach Bamako geflüchtet, da lebt sie jetzt."

"Jetzt können die Musiker in Mali überhaupt nicht auftreten, denn wir haben Angst vor Attentaten. Sie fürchten sich vor dem, was Islamisten ihnen antun könnten. Die Regierung hat uns gesagt: Tretet nicht auf! Wartet, bis wir wieder Stabilität im Land haben."

Es handele sich nicht um ein offizielles Verbot, erläutert Fatoumata Diawara jetzt im Februar, eher um einen gut gemeinten Ratschlag. Vielleicht würde man in Europa dann sagen: Gut! Aber wir wollen weiter unsere Lieder singen, irgendwo, trotz alledem. Nicht so in Mali.

"Keiner würde das machen. Das Leben in Mali ist zurzeit für alle sehr schwer. Wir leiden! Da würde keiner auf die Idee kommen, öffentlich ein Lied zu singen. Was willst du denn in deinem Lied aussagen?"

"Es wird uns auch klar, dass wir unsere Kultur verlieren können! Wir können alles verlieren, an einem einzigen Tag!"

Bereits zwei bedeutende Festivals wurden allein in diesem Jahr kurzfristig von den Veranstaltern abgesagt.

Die Kora – das Königsinstrument der traditionellen Manding-Kultur.

"Diese Instrumente helfen uns, mit Gott in Berührung zu sein. Und: Die Menschen zu sein, die wir heute sind. Es geht in unserem Lied also um drei wichtige Dinge: Frieden, Einheit und den Schutz unserer Musik, also: des Erbes unserer Vorfahren. Mali ohne Musik ist nicht Mali."

Jetzt, nach der Rückeroberung von Timbuktu durch französische Truppen, sei die Stimmung nicht mehr ganz so düster, sagt sie erleichtert, aber vor zwei Monaten:

"Für uns war alles am Ende. Diesen Song zu machen war unsere letzte Hoffnung."

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