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StartseiteForschung aktuellMangels Beweisen weiterhin mobil11.12.2003

Mangels Beweisen weiterhin mobil

Forscher streiten über die Gesundheitseffekte von Handys

<strong>Medizin. - Handys rauben nicht nur Forschern den Schlaf. Die mittlerweile fast unentbehrlich gewordenen Telefone stehen immer wieder unter Verdacht. Inzwischen gibt es etliche Studien, die einen negativen Effekt von Mobilfunk und Elektrosmog auf den Körper gefunden haben. Genauso viele Untersuchungen zeigen das Gegenteil. Um die verschiedenen Meinungen gegenüberzustellen, hat die Forschungsgemeinschaft Funk mit einer Reihe von Workshops begonnen, in denen Experten unterschiedlichster Fachgebiete miteinander diskutieren können. Das Thema Schlafprobleme stand bis gestern im baden-württembergischen Immenstaad auf der Tagesordnung.</strong>

Sabine Goldhahn

Gesundheitsgefahren der Handys sind heftig umstritten. (AP)
Gesundheitsgefahren der Handys sind heftig umstritten. (AP)

Handys können den Schlaf schon ziemlich stören. In der Bahn, auf der Gartenliege und manchmal sogar im Bett. Pausenlos nerven sie durch ihr Klingeln. Dennoch sorgen sich die Forscher weniger um das Klingeln als vielmehr um den Einfluss der elektromagnetischen Felder auf den Schlaf. Der Zürcher Schlafforscher Peter Achermann hat mittlerweile in drei verschiedenen Studien an Testpersonen nachgewiesen, dass Mobilfunk Auswirkungen auf die die Hirnstromkurve hat, das sogenannte EEG:

Wenn wir eine Pulsmodulation haben, ähnlich einem Handy-Signal, dann haben wir einen deutlichen Effekt. Also die Exposition war vor dem Schlafen, der Effekt ist während dem Schlaf auf das EEG und er wächst an im Verlauf der Nacht sogar.

Unter dem Einfluss eines handy-ähnlichen elektromagnetischen Feldes wurde die typische Zackenlinie des EEG mehrfach durch eine bestimmte Wellenform unterbrochen: die sogenannte Schlafspindel. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber diesmal waren die Schlafspindeln deutlich stärker ausgeprägt als sonst. Was das jedoch zu bedeuten hat, kann selbst Achermann bislang nur vermuten:

Eine Interpretation, die wir vorgeschlagen haben, ist, dass allenfalls das elektromagnetische Feld die zirkadiane Rhythmik beeinflussen könnte und so einen Einfluss auf die Spindeln hat. Zirkadian heißt tagesrhythmische Schwankungen.

In seinen frühren Untersuchungen hatte Achermann bereits gezeigt, dass auch die nur Minuten dauernden Wachepisoden während der Nacht unter dem Einfluss elektromagnetischer Felder zu kurz kommen. Dennoch sind Achermanns Studien bisher die einzigen, die überhaupt einen negativen Effekt auf die Hirnstromkurve im Schlaf nachgewiesen haben. Da es bislang keine Kontrollstudien aus anderen Labors gibt, konnten die Ergebnisse noch nicht untermauert werden. Von einem Einfluss der elektromagnetischen Felder auf die Hirntätigkeit scheint der Wissenschaftler jedoch überzeugt. Mit einem anderen Verfahren hat er nämlich nachgewiesen, dass ein bestimmtes Gebiet der linken Hirnrinde unter Handy-Einfluss stärker durchblutet wird. Achermann:

Es ist jetzt nicht einfach im ganzen Bereich, wo wir eine hohe Intensität des Feldes haben, sondern nur in einem spezifischen Teil, also das hat eine funktionelle Bedeutung, die Frage ist natürlich welche, und da diese Regionen etwas mit Arbeitsgedächtnis zu tun haben. Also wenn wir Rechnungen machen müssen, wird dieser Teil vom Gehirn beansprucht.

Also ein negativer Effekt von Handys auf das Gedächtnis? Das konnten umfangreiche Tests aus Finnland nicht bestätigen. Christian Haarala von der Universität Turku:

In einer ersten Studie haben wir zwar gefunden, dass das Gedächtnis unter Mobilfunk schneller arbeitet, aber in all unseren weiteren Untersuchungen mussten wir feststellen, dass es keinerlei Effekt von Handys auf die Gedächtnisleistung gibt.

Für Diskussionen sorgten auch Studien zur Wirkungsweise elektromagnetischen Felder. Schwedische Forscher hatten vor einiger Zeit herausgefunden, dass hochfrequente elektromagnetische Felder die Blut-Hirn-Schranke durchlässig machen: für Zucker sowie das Eiweiß Albumin, was zu Schäden an den Nervenzellen führen kann. Inzwischen weiß man jedoch, dass die Blut-Hirn-Schranke gar keine so dichte Barriere ist wie angenommen. Fazit: Der Effekt muss relativiert werden. Und so scheint es bei vielen Arbeiten über elektromagnetische Felder zu sein. Frank Gollnick von der Forschungsgemeinschaft Funk

Auch wenn man den Bereich der Laborstudien herausgreift, wo die Bedingungen per se definierter sind, dass auch dort, was die gemessenen Parameter betrifft, das Ganze sehr diversifiziert ist und in jedem Labor mit andern Mitteln nach anderen Parametern gesucht wird. Man hat also tatsächlich noch keinen Angriffspunkt gefunden. Man kann natürlich mit sehr hohen Feldstärken experimentell alle möglichen Veränderungen hervorrufen. Wenn wir uns auf den Bereich des Mobilfunks beschränken, 900 MHz oder 1800 MHz oder auch UMTS, da liegen die relevanten Parameter, die für eine solche Einkopplung sorgen könnten, so weit auseinander, dass man schlichtweg zu dem Schluss kommt: Es ist physikalisch nicht möglich, dass die biologischen Zellen diese Signale überhaupt sehen, das heißt die gehen einfach vorbei an den Strukturen, ohne etwas zu bewegen.

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