Corso / Archiv /

 

Maschinen-Macht und Menschen-Ohnmacht

Die "Roboterträume" der Performancegruppe "Turbo Pascal" in Berlin

Von Gerd Brendel

Science-Fiction-Sitcom mit Roboter
Science-Fiction-Sitcom mit Roboter (Karlsruher Institut für Technologie)

"Turbo Pascal" ist der Name eines Computerprogramms und einer Berliner Performance- Gruppe. Die Namensgleichheit ist Programm: In ihrer aktuellen Show "Roboterträume" geht es um das nicht immer einfache Verhältnis zwischen Mensch und Maschine.

"Hallo Pascal! Hakt's noch? Ich glaub, ich spinne. Ruhe, wir unterhalten uns doch grade!"

Die Männer-WG von Frank und Veit hat ihre liebe Not mit ihrem neuen Mitbewohner, einem Roboter namens Pascal.

Dass technische Geräte von ihren Nutzern gern gelobt oder bei einer Störung beschimpft werden, als handele es sich um denkende Menschen, kommt häufiger vor; dass diese Geräte reagieren und antworten, passiert hingegen bisher nie.

"Eingabefehler."

Eingabefehler? In naher Zukunft würden Computer mit eingeschaltetem Wahrheits-Check bei diesem Satz vielleicht den Dienst verweigern oder zumindest Widerworte geben. Denn sprechende Geräte gibt es schon längst.

"In der Roboterforschung ist grade der Schwerpunkt, wie man Roboter menschlicher macht, also über Spracheingabe. Das Smartphone 'Siri' ist das beste Beispiel. Und Sprache ist ja doch immer noch das Menschliche gewesen. Die letzte Bastion, plötzlich kann man mit Maschinen reden und die Maschinen reden mit uns."

So der Technikfreak Frank Oberhäußer und der Technik-Skeptiker Veit Merkle. Als Performance-Gruppe "Turbo-Pascal" bringen sie Ihre Zukunfts-Vision als Mix aus Sitcom und Geisterbahn auf der Bühne.

"Eingabefehler."

Entschuldigung, die beiden und zwei Roboterkollegen, die aussehen wie rollende Plastiktonnen mit Kameraauge und Ohren. Natürlich spielen sie alle vier das Stück "Roboterträume".

"Diesmal war das Setting: Wir leben im Grunde in einer Science-Fiction-Sitcom mit Robotern zusammen."

Und Oberhäußer und Merkle fragen sich, wer wem im gemeinsamen Alltag ähnlicher wird.

"Wir werden roboter-artiger und der Roboter guckt sich fast alle unsere Repliken ab. Man tauscht sein Vokabular aus, man tauscht seine Weltwahrnehmung aus und tauscht am Ende fast die Rollen."

"Ich hab noch so ne Hygiene-Grundprogrammierung. Wenn ich bei anderen Leuten bin, und das ist so siffig dort, dann putz ich das Waschbecken - Du putzt das Waschbecken? - Na ja, jede Art Erziehung ist ja so ne Art Programmierung."

"Roboterträume" ist eine Parabel über Maschinen-Macht und Menschen-Ohnmacht mit einem überraschenden Schluss, denn "Pascal" lernt schnell und übernimmt die Rolle des WG-Gewissens:

"Veit, auf dem Schreibtisch ist noch der Schreibtisch mit deinen Papieren. Das nervt den Frank ein bisschen."

Die Frage allerdings, ob mit den Roboterträumen eher Wunsch- oder Alptraum gemeint ist, müssen sich die Zuschauer am Ende selbst beantworten.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Corso

Französische KomödienErstarrte Klischees

Szene aus dem Film "Monsieur Claude und seine Töchter" mit Christian Clavier (vorn) als Vater von vier Töchtern

Der Film "Monsieur Claude und seine Töchter" reiht sich ein in das Genre der französischen Sozialkomödie. Die spricht zwar immer wieder gesellschaftliche Tabuthemen an, am Ende bleiben jedoch leider oft nur Klischees, die von der Realität weit entfernt sind.

Ausstellung in WienAmy Winehouse, wie man sie nicht kennt

Amy Winehouse bei einem spanischen Festival im Juli 2008.

Sie war für ihre Bienenkorbfrisur, die kraftvolle Jazzstimme und Trinkfestigkeit bekannt: Amy Winehouse. Die Sängerin starb vor drei Jahren an einer Alkoholvergiftung. Das Jüdische Museum in Wien gibt in einer neuen Ausstellung private Einblicke in das Leben der Sängerin und ihrer Familie.

AktionskunstWeltmeisterschaft für spielbare Architektur

Nagelneue Häuser mit Mietwohnungen und Eigentumswohnungen sind in Berlin an der Grenze der Bezirke Mitte und Kreuzberg zu sehen.

72 Stunden reichen, um eine Stadt zu verändern - das haben sich vor fünf Jahren Künstler, Designer, Architekten, Spieleentwickler, Kultur- und Sozialwissenschaftler gesagt. Und sie haben sich zusammengeschlossen zur Künstlergruppe "72 Hour Urban Action". Nun startet ihr Projekt in Witten.