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StartseiteCampus & KarriereMathe ist wie Marathonlaufen16.09.2002

Mathe ist wie Marathonlaufen

Tagung der Mathematischen Vereinigung in Halle

<strong>Noch vor Pisa schreckte die TIMMS-Studie die Deutschen auf - in ihr wurden den deutschen Schüler miserable Mathekenntnisse bescheinigt. PISA bestätigte diese Aussage. Grund zur Zerknirschung also? Auf der heute beginnenden Tagung der Mathematischen Vereinigung in Halle ist davon nichts zu merken.</strong>

Ohne Mathematik käme kein Handygespräch zustande, der CD-Player rauschte und knackte nur, und keine E-Mail erreichte ihren Adressaten. Die hochspekulativen Hedge-Fonds gäbe es nicht ohne mathematische Modelle und selbst die Genetiker sind auf Mathematik angewiesen. Sämtliche Hi-Tech ist heute höhere Mathematik, sagt stolz der Präsident der deutschen Mathematiker- Vereinigung Professor Peter Gritzmann:

Also der Mathematik geht es gut, den Mathematikern geht es gut, was nicht gut ist, ist nach wie vor Ansehen der Mathematik. Das Ansehen der Mathematik in der Öffentlichkeit und das Bild von Mathematik, was auch in der Schule weitergeben wird.

Mit einer Imageoffensive wollen die Mathematiker das ändern: das neue Internetportal "Mathematik.de" soll Laien den Weg in die Welt der Mathematik weisen, ein Schülerwettbewerb und ein Medienpreis sind ausgelobt; es gibt Schülervorlesungen und vor allem sollen die Lehrer fit gemacht werden für die Mathematik des 21. Jahrhunderts:

So dass nicht das Bild, was in den Schulen sozusagen vermittelt wird, von einer gut abgehangenen Mathematik, 200 Jahre alt, weiter propagiert wird.

Statt stupide Aufgaben zu lösen soll im Matheunterricht die Fähigkeit entwickelt werden, Probleme zu erkennen und kreative Lösungen zu finden. Mathe sei dabei wie Marathonlaufen – der Schweiß muss fließen, aber jeder kann es schaffen, meint Professor Ehrhard Behrends von der Freien Universität Berlin.

Das ist ein verbreitetes Vorurteil, das die üblichen menschlichen Kapazitäten nicht ausreichen, diese Mathematik zu verstehen. Als ich sehr jung war, kam niemand auf die Idee, längere Zeit zu laufen, ja. Marathonlauf, das war irgendetwas für ganz abgefahrene Asketen. Heute kenne ich Dutzende von Leuten, die Marathon mitlaufen. Es ist halt ein Training, das alle sich auferlegen können. Und meiner Meinung, ist es mit der Mathematik genauso.

Die Mathematik von staubtrockenen Image zu befreien, ist im Interesse der Mathematiker. Seit Mitte der 90er-Jahre steigen die zwar Studentenzahlen wieder, aber die Nachfrage nach Mathematikern wächst rasant, so Gritzmann:

Unsere Absolventen werden uns aus den Händen gerissen, finden hervorragende Stellen nicht nur in den klassischen Bereichen, sondern auch in Großunternehmen, im Controlling, im wirtschaftlichen Bereich, genauso wie in der Technik.

Mit einer Vielzahl neuer Studiengänge haben die Fakultäten schon auf die neuen Trends in der Mathematik reagiert. Nicht allein die reine Mathematik ist gefragt, sondern Mathematiker mit Spezialkenntnissen in Chemie, Physik, der Wirtschaft oder der Biologie.

In der Mathematik haben sie neben den Ausrichtungen, wie genannt worden sind, Finanz und Wirtschaftsmathematik etwas Technomathematik. Und gerade das erste nimmt mittlerweile von der Zahl der Absolventen einen relativen großen Raum ein. Also ich glaube, die Auffächerung , die klarere Strukturierung in Richtung auf spezielle Ziele kommt bei den Kunden, bei den Studierenden sehr gut an.

Die Mathematikern rechnen mit einer steigenden Nachfrage nach ihren Fähigkeiten Um nun mehr Schüler für Zahlen, Formeln und Formen zu begeistern, gehen sie in Halle sogar auf den Marktplatz: Mit Riesenseifenblasen zum hineinschlüpfen, Komponieren nach dem Zufallsprinzip oder Brückenbauen a la Leonardo da Vinci wollen sie die Angst vor der Mathematik nehmen und zeigen: Zahlen sind es, die die Welt im Innersten zusammenhalten.

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www.mathematik.de

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