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Matte Vampiraction, unterhaltsame Italienreise

Filmstarts am Donnerstag, 4. Oktober

Von Berit Hempel

Die Neustarts im Kino
Die Neustarts im Kino (picture-alliance / dpa)

Abraham Lincoln ist auch Protagonist eines neuen Films, der diese Woche startet und der den seltsamen Titel "Abraham Lincoln: Vampirjäger" trägt. Ebenfalls rezensiert: der Science-Fiction-Thriller "Looper", die Literaturverfilmung "On the Road – Unterwegs" sowie die Dokumentation "Italy – Love it or Leave it".

Abraham Lincoln: Vampirjäger: Es sind 80 Meilen von hier bis nach Gettysburg. Ob diese Nation den Lebenden oder den Toten gehört.

Von der Schlacht von Gettysburg 1863 während des Sezessionskriegs sind die Geschichtsbücher voll. Dass in dieser Schlacht auch Vampire aufseiten der Konföderierten gekämpft haben, dürfte nicht nur bei Historikern Kopfschütteln auslösen. Diese abstruse Idee findet sich in einem Roman des amerikanischen Bestsellerautors Seth Grahame-Smith. In "Abraham Lincoln – Vampirjäger" verquickt der Schriftsteller historische Figuren und Fakten mit Fantasy. Aus Abraham Lincoln wird ein Superheld. Bewaffnet mit einer Axt, mit der er – so ist es übrigens verbürgt – perfekt umgehen konnte, macht er Jagd auf die Untoten, die ihr Ziel einer Abspaltung der Südstaaten vorantreiben.

Ich nehme an, sie wissen, was ich damit tun kann. – Vielleicht hilft das gegen einen von uns. Aber gegen 20?

Nun ließe sich auch einer solch hanebüchenen Geschichte noch etwas abgewinnen, wenn sie wenigstens originell und dann womöglich auch noch humorvoll erzählt worden wäre. Doch Regisseur Timur Bekmambetov meint es Ernst mit seinem, dem Vampirrummel der letzten Jahre geschuldeten Effektegewitter. Das mag technisch versiert sein, aber es ist auch steril und fürchterlich langweilig.

Fazit: "Abraham Lincoln: Vampirjäger" von Timur Bekmambetov – enttäuschend!

Es ist schwer, dir in die Augen zu sehen. Hast du das alles schon getan als ich? – Ich will nicht über Zeitreisen reden.

Musste eben noch die Existenz von Vampiren hingenommen werden, gilt es jetzt im Science-Fiction-Film "Looper" das Phänomen der Zeitreisen zu akzeptieren. Die sind im Jahr 2074 längst möglich, aber verboten. Was Verbrecherorganisationen nicht davon abhält, auf diesem Weg unliebsame Zeitgenossen loszuwerden. Ihre Opfer schicken sie in die Vergangenheit zurück, um sie dort von einem Auftragskiller erschießen zu lassen. Und als ob dieses vertrackte Szenario nicht reichen würde, verfolgt das Drehbuch noch die wahnwitzige Idee, dass einer dieser Killer sich eines Tages selbst gegenübersteht. Joseph Gordon-Levit als Sam trifft auf sich selbst in 30 Jahren – dann gespielt von Bruce Willis. Es entwickelt sich eine vielschichtige, nicht immer nachvollziehbare düstere Zukunftsvision, die nicht nur wegen Willis an "Twelve Monkeys" erinnert, an Terry Gilliams Meisterwerk von 1995 aber nicht ganz heranreicht.

Fazit: "Looper" von Rian Johnson – empfehlenswert!

Mit Dean Moriarty begann der Teil meines Lebens, den man ´Mein Leben unterwegs´ nennen könnte. Ich war ein junger Schriftsteller, der versuchte, durchzustarten.

Wer das Lebensgefühl der Beat Generation einfangen will – also jener amerikanischen Literaturrichtung Anfang der 1950er-Jahre, die ihren Namen dem Autor Jack Kerouac zu verdanken hat -, kommt an dessen Hauptwerk "Unterwegs" nicht vorbei. Der Roman um Kerouacs Alter Ego Sal Paradise und seine literarischen Freunde erzählt von der Gier nach Leben, nach immer neuen Erfahrungen und der Suche nach einem anderen Amerika. Durch Vagabundieren wollen sie ihren Erkenntnishorizont erweitern.

Ich bin die 125. Straße runtergegangen und musste plötzlich stehen bleiben. Ich begriff, dass Gott nicht irgendwo da oben im Himmel ist. Er ist genau hier im Dreck.

Im Buch verschmelzen die Momentaufnahmen zu einem Ganzen und werden so zu einem faszinierenden Porträt der amerikanischen Nachkriegsgeneration. Regisseur Walter Salles' Verfilmung des Kultromans ist dagegen nur konventionelles, hübsch ausgestattetes Erzählkino ohne wirkliche Höhepunkte. Obwohl die Figuren ständig in Bewegung sind, tritt das Road Movie auf der Stelle und schafft es nicht, das Lebensgefühl der Beatnicks einzufangen.

Fazit: "On the Road – Unterwegs" von Walter Salles – enttäuschend!

Es sei doch herrlich hier in Italien. Von außen sehe immer alles so schön aus. Noch so ein Road Movie. Eins, das wesentlich besser unterhält als "On the Road". Gustav Hofer und Luca Ragazzi – ein schwules Paar aus Italien nimmt seine Heimat unter die Lupe.

Als den Beiden ihre Wohnung gekündigt wird, will Gustav ganz aus Italien wegziehen, während Luca noch Bedenkzeit braucht. Eine Reise soll ihnen Klarheit verschaffen. In einem Fiat 500 brechen die beiden Männer auf – den Widersprüchen Italiens auf der Spur: Berlusconi, das gute Essen, die Mafia, antike Stätten, Erntearbeiter im Süden und George Clooney am Comer See. Den treffen sie allerdings nicht in seiner Villa an.

Äußerst unterhaltsam, charmant und witzig ist dieser etwas andere Reisebericht. Und – so viel sei verraten – sie sind ihrer Heimat bis heute treu geblieben.

Fazit: "Italy – Love it or Leave it" von Gustav Hofer und Luca Ragazzi – empfehlenswert!

Filminfos:
* "Abraham Lincoln: Vampirjäger" von Timur Bekmambetov
* "Looper" von Rian Johnson
* "On the Road – Unterwegs" von Walter Salles
* "Italy – Love it or Leave it" von Gustav Hofer und Luca Ragazzi



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