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Mehr als nur Begleitung

Trauer um den Deep-Purple-Keyboarder Jon Lord

Ein Nachruf von Uli Kniep

Jon Lord bei einem Konzert mit dem Moskauer Philharmonie Orchester im Jahr 2011.
Jon Lord bei einem Konzert mit dem Moskauer Philharmonie Orchester im Jahr 2011. (picture alliance / dpa / Ruslan Krivobok)

Er war die graue Eminenz der Rockmusik: Deep-Purple-Organist Jon Lord, bekannt für seine Fusion von Klassik und Rock, starb gestern im Alter von 71 Jahren an einem Krebsleiden.

"Hallelujah" von Deep Purple. Zusammen mit Gitarrist Ritchie Blackmore, Bassist Roger Glover, Schlagzeuger Ian Paice und Sänger Ian Gillan schuf Gründungsmitglied Jon Lord in den 70-Jahren den unverkennbaren Sound einer der erfolgreichsten Rockbands der 70er-Jahre. Sein Keyboardspiel war mehr als nur Begleitung: Die Orgel war erstmalig ebenbürtig mit den typischen Instrumenten einer Rockband.

Jon Lord bildete zunächst sogar eine Einheit mit dem als schwierig geltenden Blackmore.

"Ja, wir verstanden uns in der Anfangszeit in allen Belangen prächtig. Erst später kamen die Schwierigkeiten, weil Ritchie zu keinen Kompromissen mehr bereit war – das aber ist für jede Band tödlich!"

Angefangen hatte Jon Lord in der Rhythm & Bluesrock Gruppe The Artwoods, um während der Hippie Ära mit den Flower Pot Men auf Tournee zu gehen.

Schon bald nach diesem kurzlebigen Intermezzo gründete Lord Deep Purple und komponierte das aufsehenerregende "Concerto for Group & Orchestra", das 1969 in der Royal Albert Hall aufgeführt wurde:

"Ich war wohl der erste Rockmusiker, der so etwas komponierte, und es entsprach wohl dem Zeitgeist."

Nach der zwischenzeitlichen Auflösung von Deep Purple schloss sich Jon Lord zeitweilig der Band Whitesnake an und veröffentlichte sogenannte "Side-Projects" wie "Windows" und "Sarabande" mit Eberhard Schöner und seinem Orchester. Damit kehrte er zu den musikalischen Anfängen in seiner Kindheit zurück, als er klassischen Klavierunterricht bekam:

"Mein Vater ließ mich seit meinem sechsten Lebensjahr Piano üben. Und je älter ich wurde, desto größer wurde mein Bedürfnis, wieder Klassik statt Rock zu spielen."

So war es konsequent, dass Jon Lord im Jahr 2002 seinen endgültigen Abschied bei Deep Purple nahm, auch wenn ihm dieser Entschluss entsprechend schwerfiel:

"Es war beinahe ein traumatisches Erlebnis, diese Band zu verlassen. Deep Purple hatte schließlich den Großteil meines Lebens ausgemacht."

Auch nach dem Rückzug von Deep Purple blieb Jon Lord aktiv: Im Herbst 2004 gewann Jon Lord für sein Album "Beyond the Notes" die ehemalige Abba Sängerin Frida, mit der die Familie seit Langem befreundet ist, als Sängerin. Und den sogenannten "blue notes" treu blieb, bewies er während der Aufnahmen mit den "Hoochie Coochie Men" und bei Clubkonzerten des "Jon Lord Blues Projects", das jetzt nach seinem Tod von Schlagzeuger Pete York weitergeführt wird.



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