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Mehr Bildung für die Kinder oder mehr Verwaltung für die Kommunen?

Das Bildungspaket am Beispiel Frankfurt am Main

Von Anke Petermann

Im Bildungspaket sind  zehn Euro pro Kind und Monat für Sport und Kultur vorgesehen. (AP)
Im Bildungspaket sind zehn Euro pro Kind und Monat für Sport und Kultur vorgesehen. (AP)

Bundesarbeitsministerin von der Leyen knüpft an ihr Bildungspaket hohe Ansprüche: Es eröffne bedürftigen Kindern eine Chance, der generationsübergreifenden Armutsspirale zu entkommen. Die Experten bei den freien Trägern, die das Paket umsetzen sollen, sind sich da nicht so sicher.

Leonardos Augen leuchten, wenn er von seinem Schwimmkurs erzählt - ohne die Unterstützung der Sozialarbeiterin an seiner Hauptschule könnte der 12-Jährige vermutlich immer noch nicht schwimmen.

"Die hat mich da angemeldet."

Und die Eltern anfangs regelmäßig telefonisch daran erinnert, dass sie ihren Sohn auch pünktlich losschickten. Im Hartz-IV-Bildungspaket sind nach aktuellem Stand zehn Euro pro Kind und Monat für Sport und Kultur vorgesehen. Für den Sportverein mag das reichen, für Instrumentalunterricht wird das schon knapp. Und offen bleibt, ob von Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen überlastete Eltern es überhaupt schaffen, im Jobcenter oder auf dem Sozialamt Anträge zu stellen und Gutscheine für eine Vereinsmitgliedschaft einzulösen.

Die SPD fordert ein zusätzliches Programm für Schulsozialarbeit, noch steht nicht fest, ob und in welchem Umfang es das gibt. In dem Antrags-, Gutschein-, Abrechnungs- und Dokumentationswesen, das die Kommunen fürs Bildungspaket einrichten müssen, sieht Michael Heinz von der Ambulanten Kinder- und Jugendhilfe bei der Frankfurter Caritas jedenfalls ein bürokratisches Monster:

"Ich halte es für an der Sache vorbei, vor allen Dingen beschäftigt man damit nur ein System selber mit sich, - wir brauchen keine zusätzliche Verwaltung, wir brauchen ein System, das direkte Hilfe möglich macht."

Zusätzliche Bürokratie hatte sich die Stadt Frankfurt nicht gewünscht, doch das komplizierte Antragsverfahren zwingt sie, mindestens ein Dutzend Verwaltungskräfte einzustellen. Ein Viertel des Bildungspaketgeldes wird in zusätzlicher Administration versacken, befürchten Kritiker. Deshalb war sich Daniela Birkenfeld, Sozialdezernentin von der CDU, mit der grünen Bildungsdezernentin einig, "dass es besser gewesen wäre, es den Familien direkt zu geben. Eine andere Möglichkeit wäre sicher gewesen zu sagen, wir fördern den Ausbau der Ganztagsschule und der Ganztagsbetreuung, das wäre sicher eine Möglichkeit gewesen, den Familien auch zu helfen."

Zumal in Frankfurt die Hilfsangebote wie Erziehungsberatung, Sprachförderung und Lernhilfe schon bestens mit Kitas, Schulen und Jugendhäusern vernetzt sind, meint Michael Heinz von der Caritas. Die zu stärken und zum Beispiel den Kitabesuch für arme Kinder beitragsfrei zu machen, das wäre nach Ansicht des Jungendhilfe-Experten effektiver gewesen. In Hessen ist ein Jahr für die Eltern kostenlos, aber:

"Wir brauchen nicht nur ein letztes Kindergartenjahr beitragsfrei, um sicherzustellen, dass Kinder vor der Schule noch ein Jahr im Kindergarten sind. Aus meiner Sicht ist das eigentlich eine Pflichtleistung des Staates, auch weil Kindertageseinrichtungen bekanntermaßen die Orte sind, an denen soziale Integration stattfindet."

Weshalb Naima Kaloush aus Marokko und ihr Mann aus Bangladesh ihren älteren Kindern den Kita-Besuch trotz Arbeitslosigkeit ermöglichen:

"Die Mädchen vier Jahre, die Junge acht Jahre, für beide bezahlen Kindergarten und Hort, ich glaub' 45 oder so bezahlt mein Mann. Bisschen hart, aber kann man nichts machen."

Geduldig stellt sich Naima Kaloush bei der Lebensmittelausgabe der Frankfurter Tafel an. Alle zwei Wochen lässt sie sich für ihre fünfköpfige Familie zwei riesige Plastiktüten mit Lebensmitteln einpacken, die sonst keinen Abnehmer mehr gefunden hätten - einen Euro zahlt sie dafür. Den Ansturm von Eltern mit Kindern auf die Frankfurter Tafel das Bildungspaket nicht schmälern - da ist sich Edith Kleber vom Vereinsvorstand sicher:

"Ich bin der Meinung, das werden wir gar nicht spüren."

Denn nur wenn ihre Schule oder Kita ein warmes Mittagessen anbietet, kommen bedürftige Kinder in den Genuss dieser Wohltat aus dem Bildungspaket. In vielen Frankfurter Schulgebäuden von der vergangenen Jahrhundertwende ist es aber gar nicht möglich, eine Kantine einzurichten. Ihr Bildungspaket soll Kindern aus armen Familien einen "guten Start ins Leben" ermöglichen, so der hehre Anspruch der Bundesarbeitsministerin. Doch so mancher Akteur an der kommunalen Basis fürchtet, dass die Hartz-IV-Reform für den Nachwuchs insgesamt als Fehlstart endet.

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